IM PALAIS ŁAZIENKI
Das Vestibül des Palais, säulengetragen; kahle Sträucher und Zypressen.
SIEGESGÖTTINNEN
führen Ares im Triumphzuge herein
Heil dir, du siegtest, wie nur Götter siegen.
ARES
Sie traf mein Schwert, zu meinen Füßen liegen
Sie überwunden.
GÖTTINNEN
O du trafst ihn gut,
Den übermütgen Sinn, du bogst den steifen
Nacken herab und aus den stolzen Zügen
Wich alles Blut.
Du darfst nach königlichem Lorbeer greifen.
ARES
Die Rüstung schmilzt von innerlicher Glut.
Schweißtropfen perlen nieder. — Gebt zu trinken.
GÖTTINNEN
Sahst Menschenknäuel stürzen und versinken
Id einem Meer von Blut, daraus verjüngt
Sie sich zu neuem Leben
Erheben.
ARES
Legt ab die Rüstung, denn sie schwitzt von Blut.
Legt ab den rostgen Helm, lasst Fackeln leuchten,
Streut Weihrauch auf die Pfannen, Opfer bringt
Dem großen Zeus.
GÖTTINNEN
reichen ihm einen Trunk.
ARES
Eh meinen Mund befeuchten
Die ersten Tropfen, sei der erste Trunk
Dem Vater dargebracht.
Nimmt den Pokal, gießt Wein auf die Erde.
GÖTTINNEN
entzünden Feuer auf Dreifüßen, strahlende Helle verbreitet sich.
ARES
Wer nennt dies leere Haus sein eigen?
GÖTTINNEN
August der letzte Polenkönig hats erbaut.
Gebildet an hellenischer Kunst.
ARES
Und seine Enkel waren zu gering,
Darin zu wohnen —?
GÖTTINNEN
Nur ein Schweigen,
Dem stumm sich schattenarme Wände neigen,
Uns hier umfing.
ARES
Die Türen alle auf!
GÖTTINNEN
öffnen das Hauptportal des Palais, in der Tiefe wird Eros sichtbar, der im anstoßenden runden Saat steht.
GÖTTINNEN
Wer ist der Knabe in lockigem Haar,
Die Wangen wie Milch und Blut?
Den goldenen Bogen mit keckem Mut
Spannt er und wägt den goldenen Pfeil.
Schützt er das einsam verlassene Haus?
Wie ist dein Name, du schöner Knabe?
War Aphrodite dir Mutter, es strahlt
Göttliche Schönheit von dir aus.
Und deine purpurleuchtenden Wangen
Sind wie mit Morgenröte gemalt.
EROS
spannt den Bogen und zielt auf Ares’ Brust.
GÖTTINNEN
gehen in das Innere des Palais, von wo sie Johanna herausführen und zu Ares geleiten
JOHANNA
in langem Schleier und weißem, mit Sternen besätem Kleide.
GÖTTINNEN
Sieh, es naht der Frauen Blüte
Und es strahlt der ganze Raum;
Sie entflammte Aphrodite,
Weckte sie aus schwerem Traum.
ARES
betrachtet Johanna
Bald erglüht sie, bald erbleicht sie.
JOHANNA
Eros führt mich zu dir hin.
Eros lenkte meinen Sinn.
ARES
Aphroditens schöne Gabe
Wangenrosig mir sich neigt.
JOHANNA
Aus verschwiegner Liebe Grabe
Röte zu den Wangen steigt.
Meine Trübsal, wann entweicht sie?
GÖTTINNEN
Cyperns Göttin, Aphrodite,
Leitet dich, Betrübte,
Sie erhörte deine Bitte,
Siehe: Der Geliebte.
JOHANNA
Will gehorsam sein dem Lose,
Eros’ Macht hab ich verspürt;
Aus des Krieges blutgem Schoße
Hat mich Waffenlärm geführt,
Und mit meinem Hofstaat stehe
Ich vor dir.
ARES
Da du mir bestimmt zur Ehe,
Komm zu mir.
JOHANNA
Liebesgluten
Mich durchfluten.
ARES
Lass sie lodern, lass sie brennen.
JOHANNA
Meine Schande sollst du kennen, —
Räche —!
ARES
Deine Schwäche
Soll ein großes Opfer sühnen.
Alle Ritter, die gefallen,
Folgen deinem Siegeswagen.
Schreckensrufe werden hallen,
Tote werden Tote jagen, —
Mit entsetzten Mienen.
Sieh, die blutgen Kränze tragen
Die Erinnerung dieser Nacht.
JOHANNA
Goldene Blätter tragen sie;
Doch in meinem Lande
Sah ich solche Blätter nie.
ARES
Sie erraffte meine Macht:
Sieh, wie Helden siegen.
JOHANNA
Dich allein hab ich ersehnt,
Dich nur kann ich lieben.
Wand in Elend mich und Schande,
Härmte mich in bangen, trüben
Nächten, schluchzte bitter und
Betete, — jetzt lacht mein Mund.
ARES
Deinen kummerbleichen Zügen
Leuchte junger Liebe Licht.
JOHANNA
Ich bin stolz, — und zittre nicht.
Denn ich hab dein Knie berührt,
Dich als meinen Herrn verspürt.
Nach mir Tod
Und Angst und Not,
Schaudern.
Hochzeitsklänge tönen mild, —
Singen.
ARES
Warum zaudern?
Lasset wild
Schwerter an die Schilde schlagen, —
Siegeshymnen sollen klingen.
Aus den Sälen des Palais ertönt Musik.
JOHANNA
Nimm mich hin, ich bin bereit,
Meine Glut ist dir geweiht.
ARES
Tausend tote Ritter liegen,
Die ich hingestreckt;
Seelen habe ich geweckt
Und befreit.
Und in vollen, reichen Zügen
Durften sie des Sterbens Lust genießen;
Deiner harrt der Liebe Lust in süßen,
Heißen Schauern.
JOHANNA
Wollust, die du ausgebreitet
Über sie, hat ihren Geist
Aus der Qual emporgeleitet
Und zum Flammenhauch geweitet.
Deine Gluten schenk dem Leibe,
Schenk die Wollust deinem Weibe...
GÖTTINNEN
Seinem Rufe folgen wir,
Öffnen Tor und Tür,
Er, der Kriegsgott, Herr der Schlachten,
Herrschet hier.
ARES
Sieg errang ich auf dem Feld,
Sieg in blutgem Lauf,
Und die Völker dieser Welt
Wachten auf.
JOHANNA
Liebe hast du dir errungen;
Elend war ich, lag in Nacht,
Deine starke Siegermacht
Hat mein Herz bezwungen.
ARES
Welche Not kann dich noch kümmern,
Welche Sorge kann dich quälen,
Was kann, Holde, dir noch fehlen,
Da ich doch den Sieg errungen —?
JOHANNA
Sieh, ich zittre und es schimmern
Feucht die Augen. Du erschlugst
Viele Ritter in der Schlacht;
Doch ich kann nicht Ruhe finden,
Da der Gatte mit dem Bruder
Kämpfte und ich ja nicht weiß,
Wem ich Siegeskränze winden
Soll, da Sieger und Besiegte
Ich nicht kenne und nicht weiß,
Ob den Gatten ich beweinen,
Mich des Bruders freuen soll,
Oder ob dem Gatten fluchen.
Ob des Bruders Tod ich soll —?
ARES
Lern vergessen, — warum suchen
Welken Mohn in reifen Garben —?
Brände flammten, Menschen starben
Und das wilde Kriegsgeschrei
Hallte an den Trümmern wider,
Schwoll und starb und quoll aufs neu.
Dieses Feuers jähe Helle
Überflute deine Glieder,
Und die Ernte soll dich freuen.
JOHANNA
Jahre mussten sich erneuen,
Schloss und Riegel mussten rosten,
Eh du Sieger diese Schwelle
Überschrittst, die vor dir keiner
Überschritten, der dir gleich.
ARES
Mit des Siegers stolzer Macht
Darf ich weilen. Herzen glosten.
Doch nun schweigen sie von meiner
Hand erschlagen stumm und bleich.
JOHANNA
Und du gabst der einen Macht
Deinen Flammenschein.
ARES
Diese eine heiße Nacht
Bist du mein.
JOHANNA
Lass mich sehn, sinds deine Waffen —
Vieler Schlachten schwarzes Blut
Klebt an ihnen.
Weist auf die abseits liegende Rüstung
Es tut gut,
Sich der Kämpfe zu erinnern,
Sich der Siege zu erinnern;
Heut am Tage düstrer Trauer.
ARES
In dem Siegesrausch durchfluten
Liebeglühnde, heiße Schauer
Mich und deine heilge Gabe
Nehm ich an.
JOHANNA
Siehe, ich bringe
All mein Lieben dir, ich habe
Immer dir vertraut, du bist
Mein Erlöser.
ARES
führt sie an die Tür des Palais
JOHANNA
bleibt an der Schwelle stehen, blickt auf die Göttinnen; die Siegesgöttinnen ziehen ihre Flügel an.
Sag, was ist
Mit den Mädchen?
ARES
Wie du siehst,
Ziehen sie die Flügel an.
JOHANNA
Werden sie denn nicht mehr kämpfen —?
ARES
Nein, — nicht mehr. — Was wirst du bleich?
JOHANNA
Das ist schlimm. — — —
Die Siegesgöttinnen legen sich in der Vorhalle zum Schlafen nieder.
JOHANNA
Was tun sie?
ARES
Legen sich zum Schlafen nieder;
Denn ihr Werk, es ist vollbracht.
Sieh, die Kränze legen sie
Unters Haupt und schlafen gleich.
Was verbirgst du dein Gesicht?
JOHANNA
Werden sie nicht mehr erwachen?
Nicht mehr kämpfen?
ARES
Fürder nicht.
Warum zitterst du und schluchzt?
JOHANNA
Das ist schlimm. — — —
ARES
geleitet sie zur Tür; die Musik wird leiser, bis sie verstummt.
In den hinteren Gemächern wird
KORA
als Königin sichtbar.
JOHANNA
Wer ist sie, die durch die Säle
Wandelt mit erhobnem Haupt?
Frei betritt sie diese Schwelle,
Jeder scheint ihr untertan —?
Sie bewegt sich kaum, man glaubt,
Alles sei in ihrem Bann, —
Jeder schweigt und nur der Baum
Rauscht verängstigt, flüstert kaum — —
KORA
betritt die Vorhalle
Herrin bin ich.
JOHANNA
Sag, du Schöne,
Scheinst aus königlichem Blut,
Bist du gar die Königin
Ewiger Nacht? Der Liebe Glut
Führt zum Schlafgemach uns hin.
Nun verlischt uns jedes Licht
Auf dem Weg und Dunkel flicht
Uns Gespenster vor die Seele.
Liebestrunken suche ich
Meinen Weg. Wer bist du, sag?
KORA
Hier an diesem Ort befehle
Ich allein.
JOHANNA
In deinen Augen
Seh ich wunderbares Leuchten,
Endlos tiefe, schwere Feuchten.
Ich erschrecke, meine Kniee
Zittern, fast, dass ich entfliehe.
KORA
In geheimnisvolle Reiche
Drangst du ein, mit Plutus hielt
Ich die Hochzeit und ich schleiche
Jetzt umher, um alle Speicher,
Wie die Gottheit mir befiehlt,
Zu besuchen. Ich bin bleicher,
Als ich war, — und war doch schön,
Herbst hat mich mit Sturm und Wetter
Um der Schönheit Reiz gebracht. —
Über Wasser tanzend wehn
Meine kostbar goldenen Blätter. —
Still, — ganz still, — dort unten tief
Liegen Gräber, — breitet Nacht
Ihre schwarzen Flügel aus, —
Dort, wo das Vergessen schlief,
Sind die Speicher. —
Zu ihrem Gefolge
Gebt die Schlüssel.
Nimmt die Schlüssel
Sie verschließen alle Herzen,
Sie verschließen alle Seelen;
Und die Pulse jener Zeiten,
Die da kommen, lass ich schlagen;
Und in ewig langen Jahren
Und in ewig späten Tagen
Werden diese Keime sprießen.
Und die Erde wird in breiten
Furchen goldne Früchte tragen,
Wenn die Saaten gut und rein.
Menschen werden leben müssen,
Denen ich ein Leben künde,
Eines Daseins neues Leben!
Jeder Mensch gedenkend finde
Großer Väter stolze Taten
Vor und atme selber Größe!
Einstmals, — einst! — werdet ihr frei!
Alles Hässliche und Böse,
Das verderbend in euch schlummert,
Scheid ich aus wie schlechte Spreu.
Alles Unkraut aus den Furchen,
Alle Schmerzen, alle Leiden
Jät ich aus im Lauf der Zeiten.
Manches Unglück wird euch künden
Eines Schicksals schwere Hand,
Und wenn unter euch sich finden
Herzen, die Verrat ersinnen,
Die den Brüdern Unheil spinnen,
Ruf ich sie zu mir ins Land
Stummer Nacht. — Hier in den Tiefen
Meiner Saaten ruht die Tugend!
Und ich kehre zu euch wieder,
Mehrmals wieder, — viele Male
Kehrt der Lenz, — die ewge Jugend.
Und ich führ die teuren Brüder
Hin zum Leben, — Gluten schliefen
Unter Asche, — sie erwachen.
Lasst genug sein, — Ströme flossen
Heißen Blutes, doch sie sind
Nicht umsonst vergossen.
Mit dem Blute will ich düngen
Eure Acker und sie bringen
Dereinst Söhne euch hervor,
Denen alles das gelingen
Wird, was heute nicht gelingt.
Lasst für heute drum genug sein. — — —
JOHANNA
Was bedeuten diese Worte —?
KORA
Dies mein Wille!
Hörst du durch die Stille
Aeols wehe Klage —? — —
Sparsam muss ich schalten
Und die Liebe und die Kraft
Will ich wohl geborgen halten
Lange Jahre bis zum Tage,
Da ihr neu erwacht!
Breitet die Arme aus
Sinkt, ihr Götter, in den Schlaf.
In den Schlaf, ihr müden Menschen!
Seid gehorsam meinem Wort, —
Denn mein Wort ist Macht!
Heißt mit gebietender Bewegung Ares und Johanna vorübergehen. Ares und Johanna gehen in das Innere des Palais; die Lichter verlöschen.
KORA
steht inmitten der schlafenden Göttinnen
Göttinnen, — ihr liegt im Schlummer —?
Auf mit Flügelrauschen!
Einst kommt wieder euch die Zeit
Und ihr werdet lauschen
Pallas’ Stimme. Seid bereit
Zu des Siegs Unsterblichkeit!
Merket meiner Worte Sinn.
Verschließt die Tür des Palais mit dem Schlüssel.
AEOLS KINDER
im Rauschen der Bäume
Königin — Königin — Königin — — —
KORA
versinkt
PERSONEN DER NEUNTEN SZENE:
- General Gendre
- Der junge Gendre
- Stanislaus Potocki
- Pallas Athene
- Hermes
- Siegesgöttinnen
- Chor der Toten