Amen!
XXV. Anhang.
Esehu Mekômon.
(Betrachtung über die Opfer, anstatt einer Übersetzung).
Meine Gedanken, o Herr, weilen bei den Opfergesetzen, welche du unsern Vätern gabst, und mein Herz wird voll des Dankes, indem ich deine Gnade erkenne, daß du durch diese deine Gebote hast Israel fest an dich knüpfen wollen; mögen sie deshalb mir auch zur Richtschnur dienen bei der Anbetung deines heiligen Namens. Wenn nun gleichwohl auch bei mir der tiefere Sinn verborgen ist, und ich die göttlichen Geheimnisse nicht zu erforschen vermag, die mit den Opfern, welche du befahlst, verbunden sind, und nicht ergründen kann, weshalb du sie mit so vielen Vorschriften anordnetest, und wie sie dazu dienen sollen, den Sohn des Staubes mit dir, dem Unendlichen, zu vereinen, ihn deiner Gnade gewiß zu machen, denn »dir gehört das Verborgene, o Ewiger, aber was du offenbart hast, ist für uns«,[95] und wie herrlich ist nicht das, was uns offenbart worden ist! Wenn ich all der Scheußlichkeit gedenke, die mit der Opfermahlzeit der Heiden verbunden war, durch welche sie ihre Schuld sühnen wollten, wie sie von dem Blute des Opfers tranken und sich zu Wollust und Blutdurst reizten, wie sie Menschenleben opferten, während sie das Tier als heilig betrachteten, o, wie könnte ich da wohl anders, als erkennen, daß bei Israels Opfer alles nur dazu dienen sollte, die Reinheit des Glaubes zu beschützen, Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu wahren und alles fern zu halten, was Sinnenlust und törichten Aberglauben fördern könnte. Deshalb verbotest du in deiner Weisheit jeden Gebrauch des Blutes, verbotest jedem, der unrein war, zu opfern, deshalb konnte eine absichtlich begangene Sünde nicht durch ein Opfer gesühnt werden, deshalb mußten die Vergehen wider den Nächsten erst gut gemacht werden, bevor das Opfer gebracht werden konnte. Ja, du lehrtest uns, daß ein Opfer für sich allein nichts nützt, wenn es nicht in Wahrheit von einem innern frommen Sinne zeugt, und du und deine Propheten straften die, welche da meinten, daß sie durch Darbringung eines Opfers allein geheiligt werden könnten. Du ließest deine Propheten verkündigen,»daß Gehorsam besser als Opfer ist«,[96] daß »Opfer bei einem sündigen Wandel dir zuwider sind«,[97] daß du Wohlgefallen an der Liebe findest, und nicht am Opfer, und »daß die Erkenntnis deiner mehr ist, als Brandopfer.«[98]
Aber besonders sind es die täglichen Opfer, welche den Männern der großen Synode[99] zum Muster dienten bei der Anordnung des »Morgen-und Abendgottesdienstes«, deren ich gedenken soll, und während ich mich an ihr Wesen und an ihre Bedeutung erinnere, erwecke ich in meinem Innern eine wahrhafte Erbauung und die Sehnsucht darnach, dich beständig und richtig durch meine Gebete zu verehren. Da tritt mir denn zuerst der Gedanke entgegen, daß es—ein Opfer war, und daß mein Gebet deshalb auch ein Opfer sein soll. Ja, ich will im Gebet mich selbst zum Opfer darbringen, will mich mit all meinen Wünschen, meinen Gelüsten und Sehnen, mit all meiner Furcht und all meinem Hoffen ganz und ohne Rückhalt dir hingeben, und wie das tägliche Opfer ganz dargebracht wurde, so will ich jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich zu dir bete, mich dir auch ganz hingeben und mich völlig deinem Willen unterordnen.[100]
Jenes Opfer konnte von keinem dargebracht werden, der nicht vollständig rein war, der nicht durch seinen Willen alle störenden Gedanken zu beherrschen und unangefochten von der äußeren Welt, ganz mit seiner vollen Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte; denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erfüllte. So will denn auch ich mich zuvor prüfen, ob ich rein bin, ob ich würdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten, will deshalb zuvor Buße tun, will mich von allen weltlichen Gedanken losreißen, will die tierischen Triebe in mir töten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine.