Ungefähr fünfhundert Kilometer in zwei Stunden, – die Schnelligkeit eines Falkenflugs, die bisher nicht einmal von unseren elektrischen Eisenbahnen erreicht worden ist ... Unter uns kreiste in raschem Wechsel die unbekannte, fremdartige Landschaft, und noch rascher flogen seltsame, mir fremde Vögel an uns vorbei. Das Sonnenlicht warf blaue Farben auf die Dächer der Häuser und färbte mit dem mir gewohnten gelben Licht die ungeheuere Kuppel eines unbekannten großen Gebäudes. Flüsse und Kanäle schimmerten als Stahlbänder, mein Auge ruhte auf ihnen, weil sie denen der Erde glichen. In der Ferne ward eine gewaltige Stadt sichtbar, umsäumt von kleinen Seen und durchschnitten von Kanälen. Das Luftschiff verlangsamte seine Fahrt und senkte sich gleitend zu einem kleinen schönen Haus nieder, Nettis Wohnung.
Netti war daheim und begrüßte uns freudig. Er stieg in unser Luftschiff, und wir flogen weiter; die Fabrik befand sich noch etliche Kilometer entfernt, an dieser Seite des Sees.
Fünf riesenhafte Gebäude, kreuzförmig gelegen, vereinigten sich zu einem einzigen Bau; Kuppeln aus reinem Glas wurden von etlichen zehn dunklen Säulen getragen, bildeten einen Kreis oder eine verlängerte Ellipse. Die Glasplatten waren abwechselnd durchsichtig oder matt, bildeten zwischen den Säulen die Wände. Wir machten am Mittelbau Halt, vor dem Tor, das den ganzen Raum zwischen zwei Säulen, zehn Meter breit und zwölf Meter hoch, einnahm. Die Decke des ersten Stockwerks durchschnitt horizontal den Mittelraum des Tores; etliche Schienenpaare mündeten beim Tor, zogen sich durch den äußeren Korridor.
Wir glitten zur halben Höhe des Tores, und jählings stürzte sich das alles verschlingende Geräusch der Maschinen aus dem zweiten Stockwerk auf uns nieder. Uebrigens war dieses Stockwerk nicht im eigentlichen Sinne des Wortes ein eigenes, abgetrenntes Stockwerk; es war vielmehr ein Netz aus Luftbrücken, das über den gewaltigen, mir unbekannten Maschinen schwebte. Wenige Meter über den Maschinen befand sich ein ähnliches Netz, noch höher ein drittes, viertes, fünftes; diese Netze bestanden aus einem Glasparkett, das von vierkantigen Eisengittern eingefaßt war; alle waren durch Fallgatter und Stufen miteinander verbunden, und jedes Netz war kleiner, als das vorhergehende.
Weder Dunst, noch Ruß, noch Gestank, noch Staub. In der reinen, frischen Luft arbeiteten die Maschinen kraftvoll und gleichmäßig, das Licht war nicht schmerzlich grell, doch drang es überall hin. Die Maschinen schnitten, sägten, hobelten ungeheuere Eisenstücke, Aluminium, Nickel, Kupfer. Hebel, stählernen Riesenhänden ähnlich, bewegten sich gleichmäßig und glatt, große Plattformen glitten mit sorgfältig berechneter Genauigkeit hin und her; die Räder und Transmissionsriemen schienen hingegen unbeweglich. Hier herrschte nicht die rohe Gewalt des Feuers und Dampfes; die feine und dabei weit mächtigere Kraft der Elektrizität war die Seele dieses unheimlichen Mechanismus.
Sogar der Lärm der Maschinen schien, sobald man sich ein wenig daran gewöhnt hatte, schier melodisch, ausgenommen in jenen Augenblicken, da der gewaltige Hammer niederschlug, und von dem mächtigen Schlag alles ringsum erbebte.
Hunderte von Arbeitern gingen gelassen durch den Raum; in dem Meeresrauschen der Maschinen waren ihre Schritte und Stimmen nicht vernehmbar. Auf ihren Zügen lag keine angespannte Sorge, sondern bloß ruhige Aufmerksamkeit; sie glichen wißbegierigen, gelehrsamen Betrachtern; es interessierte sie nur, zu sehen, wie die ungeheueren Metallstücke auf den unter der durchsichtigen Kuppel gelegenen Schienenplattformen in die eiserne Umarmung der dunklen Ungeheuer stürzten, wie die Ungeheuer diese mit ihren starken Kinnbacken zermalmten, mit den schweren, harten Tatzen festhielten, mit den scharfen, glänzenden Krallen durchbohrten und schließlich, im grausamen Spiel innehaltend, sie auf die andere Seite zu den dort befindlichen elektrischen Eisenbahnwaggons beförderten, als prächtige Maschinenteile, deren Bestimmung rätselhaft war. Es erschien völlig natürlich, daß die stählernen Ungeheuer die kleinen großäugigen Betrachter nicht anrührten, die so vertrauensvoll zwischen ihnen dahinschritten. Diese Tatsache entsprang der Geringschätzung ihrer Schwäche, der Erkenntnis, daß diese kleinen Geschöpfe eine allzu unbedeutende Beute seien, unwürdig der ungeheueren Kraft der Giganten. Unmerkbar und unsichtbar waren jene Fäden, die das zarte Menschenhirn mit dem unzerstörbaren Organ des Mechanismus verbanden.
Als wir endlich den Bau verließen, fragte der uns führende Techniker, ob wir sofort die anderen Gebäude besichtigen, oder ob wir uns zur Erholung eine kleine Unterbrechung gönnen wollten? Ich war für eine Unterbrechung.
„Ich sah nun die Maschinen und die Arbeiter“, sprach ich. „Die Organisation der Arbeit jedoch vermag ich mir nicht vorzustellen. Und gerade darüber möchte ich Sie befragen.“