„Selbstverständlich nicht. Der einzelne Mensch kann für einen oder zwei Menschen essen, ja auch die für drei Leute bestimmte Menge von Nahrungsmitteln verzehren, oder aber er kann in zehn Tagen zehn Anzüge tragen; bei einer Gesellschaft von dreitausend Millionen Menschen hingegen gibt es keine derartigen Schwankungen. Bei so großen Zahlen bedeuten die Schwankungen nach der einen oder anderen Seite hin nichts, verteilen sich gleichmäßig; der Durchschnitt verändert sich äußerst langsam, in strenger, gesetzmäßiger Kontinuität.“

„Dann arbeitet also Ihre Statistik völlig automatisch, ist weiter nichts, als eine Berechnung?“

„Das will ich nicht sagen. Es gibt dabei auch große Schwierigkeiten. Das Institut für Rechnungswesen muß scharfsichtig alle neuen Erfindungen verfolgen, sowie die durch diese im Betrieb hervorgerufenen Veränderungen, damit es diese richtig einzuschätzen vermag. Erscheint eine neue Maschine, so fordert dies nicht nur eine Veränderung der Arbeit in jenen Betrieben, wo sie benützt wird, sondern auch in den Maschinenfabriken, und bisweilen in den Betrieben für Rohmaterial bei ganz anderen Zweigen. Wird eine Erzgrube erschöpft, oder werden neue mineralische Reichtümer entdeckt, so bedeutet das abermals eine völlige Veränderung der Arbeit in einer ganzen Reihe von Betrieben, – in den Bergwerken, dem Bau der Eisenbahnstrecken usw. All dies muß von allem Anfang an berechnet werden, wenn auch nicht ganz genau, so doch annähernd, und das ist keineswegs leicht, solange nicht die Daten von Augenzeugen erbracht werden können.“

„Bei derartigen Schwierigkeiten“, bemerkte ich, „ist es offensichtlich nötig, stets über einen Vorrat an überschüssigen Arbeitskräften zu verfügen?“

„Ja, gerade dies ist der Stützpunkt unseres Systems. Vor zweihundert Jahren, als die kollektive Arbeit nur gerade genügte, um die Forderungen der Gesellschaft zu befriedigen, war eine völlige Genauigkeit der Berechnung unentbehrlich, und die Verteilung der Arbeit konnte nicht ganz frei sein. Es gab Pflicht-Arbeitstage, und die Verteilung derselben fand nicht immer die Zustimmung unserer Genossen. Doch brachte jede Erfindung, wenngleich sie zuerst vorübergehende statistische Schwierigkeiten bedeutete, eine gewaltige Erleichterung der Aufgabe. Zuerst wurden die Arbeitstage gekürzt, dann, als sich allerorts ein Ueberschuß an Arbeitskraft zeigte, wurde die Verpflichtung zur Arbeit endgültig aufgehoben. Beobachten Sie, wie unbedeutend die Zahlen sind, die sich auf den Mangel an Arbeitsstunden beziehen: tausend, zehn-, hunderttausend Arbeitsstunden, nicht mehr, – und dies bei Millionen und zehn Millionen von Arbeitsstunden, die in den Betrieben unnötig verbracht werden.“

„Dennoch besteht ein Mangel an Arbeitsstunden“, warf ich ein. „Freilich dürfte er durch den darauffolgenden Ueberschuß gedeckt werden.“

„Nicht bloß durch diesen Ueberschuß. Bei den lebenswichtigen Betrieben wird derart gearbeitet, daß die Grundziffern noch überboten werden. In den für die Gesellschaft wichtigsten Industriezweigen – den Betrieben für Lebensmittel, Kleidung, Maschinen, Bauten – erreicht dieses Ueberangebot die Höhe von 6 Prozent, bei den weniger wichtigen 1 bis 2 Prozent. Auf diese Art drücken die den Mangel bezeichnenden Zahlen, allgemein gesprochen, nur den relativen, aber nicht den absoluten Mangel aus. Selbst wenn auf den Tabellen ein Mangel von zehn- und hunderttausend Arbeitsstunden vermerkt ist, so bedeutet dies noch nicht, daß die Gesellschaft unter einem wirklichen Mangel leidet.“

„Wieviel Stunden werden täglich vom Einzelnen, zum Beispiel in dieser Fabrik, gearbeitet?“

„Die meisten arbeiten zwei, anderthalb und zweieinhalb Stunden“, erwiderte der Techniker. „Doch gibt es auch welche, die länger oder kürzer arbeiten. Jener Genosse dort, der den großen Hammer handhabt, läßt sich derart von seiner Arbeit fortreißen, daß er niemandem gestattet, ihn abzulösen, ehe nicht die volle Arbeitszeit, sechs Stunden, vorüber ist.“

Ich übertrug im Gedanken die Marszahlen auf irdische Zahlen: ihr Tag bestand, da ihre Stunden etwas länger waren aus zehn Stunden. Demzufolge war ein Arbeitstag von vier, fünf, sechs Stunden ungefähr unserem Arbeitstag von fünfzehn Stunden gleich, – einer Arbeitszeit, die nur bei den ausbeuterischsten Unternehmen vorkam.