Und in diesem Augenblick begann der Gespensterreigen. An vieles erinnere ich mich nicht; mein Bewußtsein war verdunkelt, ich befand mich in einer Art Traum. Es kamen und gingen, erschienen vor mir allerlei Menschen, denen ich in meinem früheren Leben begegnet war, aber auch Unbekannte. Merkwürdigerweise befanden sich unter ihnen keine Marsbewohner, es waren lauter Erdenmenschen. Die Bekannten gehörten meist zu jenen, die ich seit langem nicht gesehen hatte, alte Schulkameraden, mein junger Bruder, der noch als Kind gestorben war. Durchs Fenster erblickte ich einen berüchtigten Spion, der mich mit bösem Lachen aus seinen listigen, unsteten Augen anblickte. Die Gespenster redeten nicht mit mir; in der Nacht jedoch, da alles still war, vernahm ich halluzinierende Töne, hörte unzusammenhängende, sinnlose Gespräche, geführt von den Unbekannten: ein Fahrgast, der mit einem Droschkenkutscher stritt, ein Kommis überredete einen Kunden, die Ware zu kaufen, der Lärm eines Universitätsauditoriums tobte, der Pedell versuchte Ruhe zu schaffen, verkündete, daß der Herr Professor gleich kommen würde. Die Gesichtshalluzinationen waren weit interessanter und störten mich viel weniger und seltener.
Nach der Erscheinung Anna Nikolajewnas sprach ich selbstverständlich mit Menni über meinen Zustand. Er schickte mich sofort ins Bett, berief den Arzt und telephonierte den sechstausend Kilometer entfernten Netti an. Der Arzt erklärte, er könne sich nicht entschließen, etwas zu tun, da er den Organismus der Erdenmenschen zu wenig kenne; jedenfalls bedürfe ich vor allem der Ruhe und Erholung. Befolgte ich diesen Rat, so sei es nicht gefährlich, einige Tage zu warten, bis Netti zurückkäme.
Netti stellte sich am dritten Tag ein. Als er sah, in was für einem Zustand ich mich befand, blickte er Menni mit traurigem Vorwurf an.
Netti
Trotz der Behandlung durch einen so ausgezeichneten Arzt wie Netti währte meine Krankheit einige Wochen. Ich lag zu Bett, ruhig und apathisch, betrachtete mit der gleichen Seelenruhe die Wirklichkeit und die Gespenster. Nettis stete Gegenwart erweckte in mir ein kaum merkliches, leichtes Gefühl der Zufriedenheit.
Heute erscheint mir in der Erinnerung mein damaliges Verhältnis zu den Halluzinationen sehr merkwürdig; obgleich ich mich an die hundert Mal von ihrer Unwirklichkeit überzeugte, so vergaß ich dies, sobald sie erschienen; selbst wenn sich mein Bewußtsein nicht verdunkelte und verwirrte, hielt ich die Erscheinungen für wirkliche Gesichter und Dinge. Bloß wenn sie bereits verschwunden waren, oder im Augenblick vor ihrem Verschwinden, erkannte ich ihre Gespensterhaftigkeit.
Nettis Hauptbestreben ging dahin, mir Schlaf und Ruhe zu verschaffen. Er konnte sich nicht dazu entschließen, mir irgendeine Medizin zu verabreichen, fürchtete, diese könnte auf den irdischen Organismus als Gift wirken. Etliche Tage vermochte er mich mit den gewöhnlichen Mitteln nicht zum Schlafen zu bringen; die Halluzinationen verhinderten dies. Endlich aber gelang es ihm dennoch, und als ich nach zwei- bis dreistündigem Schlaf erwachte, sprach er:
„Nun zweifle ich nicht mehr an Ihrer Genesung, wenngleich die Krankheit noch lange währen dürfte.“
Und die Krankheit nahm ihren Verlauf. Die Halluzinationen wurden seltener, doch waren sie um nichts weniger lebhaft und klar, wurden sogar etwas komplizierter; bisweilen ließen sich die gespenstischen Gäste mit mir in ein Gespräch ein.
Von diesen Gesprächen hatte nur ein einziges für mich Sinn und Bedeutung; es war schon gegen Ende meiner Krankheit, als es geführt wurde.