Ich griff nach dem Umschlag und betrachtete die Aufschrift. Plötzlich schien unter meinen Füßen die Erde zu versinken, und die Wände drohten über mir einzustürzen ...
Es war Nettis Schrift!
Der Abschluß
Aus dem Chaos der Erinnerungen und Gedanken, in dem meine Seele versank, als ich sah, daß sich Netti auf der Erde befinde und nicht mit mir zusammentreffen wolle, erhob sich nur das Endergebnis klar und deutlich. Dies kristallisierte sich gleichsam von selbst heraus, ohne irgendeinen logischen Prozeß, und stand über jedem Zweifel. Doch vermochte ich mich damit nicht abzufinden. Ich wollte meine Tat mir und anderen gegenüber begründen. Vor allem aber konnte ich mich nicht in den Gedanken finden, daß Netti meine Tat nicht begreifen, sie für einen bloßen Ausbruch des Gefühls halten könnte, obschon sie doch eine logische Notwendigkeit gewesen war, die sich unvermeidlich aus meiner ganzen Geschichte entwickelt hatte.
Es galt also, vor allen folgerichtig meine Geschichte zu erzählen, um der Genossen, um meiner, um Nettis willen ... Deshalb wurde dieses Manuskript geschrieben. Werner, der es als erster lesen wird – am Tage nach Wladimirs und meiner Flucht – möge für dessen Veröffentlichung sorgen, – selbstverständlich muß er die nötigen, durch unsere konspirative Tätigkeit bedingten Abänderungen vornehmen. Das ist meine einzige Bitte. Ich bedaure sehr, daß ich ihm nicht zum Abschied die Hand drücken kann ...
Während ich an diesen Erinnerungen schrieb, erhob sich die Vergangenheit immer heller und klarer vor mir, das Chaos verwandelte sich in Gewißheit, die von mir gespielte Rolle, sowie meine Lage zeichneten sich scharf in meinem Bewußtsein ab. Mit gesundem Verstand und klarer Erinnerung vermag ich alles zum Abschluß zu führen ...
Zweifellos überstieg die mir gestellte Aufgabe meine Kräfte. Worin aber ist die Ursache meines Mißerfolges zu suchen? Und wie ist der Irrtum zu erklären, den sich Mennis durchdringender, hoher Verstand bei meiner Wahl zu schulden kommen ließ?
Ich entsann mich eines Gespräches, das ich mit Menni über meine Wahl geführt hatte. Es war zu jener glücklichen Zeit gewesen, als Nettis Liebe in mir den unbegrenzten Glauben an meine Kraft erweckt hatte.
„Wie kam es, Menni“, fragte ich, „daß Sie aus der großen Menge verschiedenartigster Menschen unseres Landes, deren Bekanntschaft Sie während Ihres Aufenthaltes auf der Erde gemacht hatten, gerade mich für den geeignetsten Vertreter der Erde gehalten haben?“
„Die Auswahl war nicht besonders groß“, entgegnete er. „Sie mußte im Rahmen der Vertreter des wissenschaftlich-revolutionären Sozialismus getroffen werden, denn alle anderen Weltanschauungen standen der unseren noch weit ferner.“