„Die Maske ...“ ertönte Leonids schwache Stimme.
„Deine Netti“, entgegnete sie. Und in diesen leise, melodisch gesprochenen Worten lag so viel Liebe und Zärtlichkeit, daß mein altes Herz erbebte, erfaßt von schmerzlich freudigen Gefühlen.
Die Frau machte eine scharfe hastige Gebärde, fast, als wollte sie ihren Kragen lösen, nahm dann Hut und Schleier ab und beugte sich noch näher zu Leonid nieder. Einen Augenblick herrschte tiefes Schweigen.
„Das bedeutet wohl, daß ich sterbe?“ fragte Leonid leise.
„Nein, Lenni, das ganze Leben liegt vor uns. Deine Wunde ist nicht tödlich, ist nicht einmal gefährlich.“
„Und der Mord?“ rief er schmerzlich erregt.
„Das war eine Krankheit, mein Lenni. Sei ruhig, diese tödliche Wunde wird niemals zwischen uns stehen, auch nicht auf dem Wege zu unserem erhabenen gemeinsamen Ziel. Wir werden das Ziel erreichen, mein Lenni ...“
Ein leises Stöhnen löste sich aus seiner Brust, doch war es kein Schmerzenston. Ich verließ das Zimmer; mein Patient hatte mir bereits alles verraten, was ich zu wissen verlangte. Es hätte keinen Sinn gehabt, weiter zu lauschen. Einige Minuten später erschien die Unbekannte abermals in Hut und Schleier bei mir.
„Ich nehme Leonid mit“, sprach sie. „Er wünscht dies selbst, und die Bedingungen für seine Genesung sind bei mir günstiger als hier; Sie können ganz unbesorgt sein. Zwei Genossen warten unten, werden Leonid zu mir schaffen. Lassen Sie uns, bitte, eine Tragbahre zur Verfügung stellen.“
Ich hatte keine Ursache, mich zu weigern: in unserem Spital waren die Bedingungen tatsächlich keineswegs glänzend. Ich fragte die Unbekannte nach ihrer Adresse, – sie wohnte ganz nahe von hier. Ich beschloß, am folgenden Tag hinzugehen und Leonid zu besuchen. Zwei Arbeiter erschienen und trugen Leonid vorsichtig auf einer Bahre fort.