Lieber Ritter! Du bekriegst dich wohl garstig! Die Schlösser dieses Jahrhunderts so symetrisch und meisterhaft sie gebaut sind, sind manchmal das Werk eines und desselben Baumeisters; daher kamen sich die Produkte oft so ähnlich, daß man das eine Schloß in Norden für das hielt, so man in Süden sah.

Auf der Weide eine viertel Stunde weit vom Schlosse grasten Pferde. Sebalds Hengst wieherte vor Herzensfreude. In einem Satz gallopirte er unter sie; und Sebald hatte Mühe sich auf ihm zu erhalten. Alle Kraft strengt er an, ihn abzulenken; aber es war umsonst, der Hengst bäumte sich und schlug aus — Endlich trieb Sebald ihm die Sporne so in die Haut, daß der Hengst ganz toll wurde, von der Strasse ab über Stein und Stock, Hügel und Gräben dem Dorfe zu nachrannte.

Das tolle Thier war nimmer zu bändigen: des Reuters einziges Bemühen war sich im Sattel zu halten. Aber o wehe! Da setzt er über einen Graben, es stürzt hinein. Sebald liegt unter dem Pferde, es wälzt sich auf ihn — o wehe! um Sebald ist es geschehen!

Die Leute, die hie und da standen, liefen eilends erschrocken herbei und halfen dem Halblebenden. Von dem Schlosse sahen eben einige Menschen aus den Fenstern den Vorfall, und über Hals und Kopf flog alles zu dem Unglücklichen her! Der Herr des Schlosses ließ Sebalden, der ohne Bewustseyn lag, sogleich in seine Wohnung tragen. Der Pfarrer der Arzt zugleich ist, war schon da — alles beschäftigte sich um den Blut- und Schlammvollen gestürzten Reuter, der bald gar nicht, bald nur matt und schwach athmete — die Augen aufgeschwollen, die Nase blutig und den linken Fuß gebrochen hatte. Nach langen Versuchen allen Lebenselixire gelang es den Bemühenden, ihn zur Sprache und zur Besinnung zu bringen? Er stammelte schwach und leise, und röchelte oft: Wo bin ich? Wie ist mir? Wer —

Pst! sprach der Pfarrer, und gebot ihm zu schweigen, damit er durch das Reden, so ihn anstrengte, nicht gar erschöpft werde. Er sank in einen konvulsivischen langen Schlummer, immer von wachenden Menschen umgeben, die ihn bedauerten und sorgfältig bedienten.

Ein Mädchen guckte zur Thüre hinein, und fragte leise den Nächststehenden: Schlummerte er? Ist er stark krank? Er stirbt doch etwa nicht?

Pst! er schlummert — war die leise Antwort, und das Mädchen schlich auf den Zehen an Sebalden, sah ihn voll inniger Theilnahme an, und schien durch ihr Bangen, ihre Furcht, er könne sterben, durch die frohe Hoffnung, wenn er bald genäse, durch alles dies, so in ihrem Innern kochte, und so das Gesichtchen deutlich ausdrückte, schien sie etwas mehr als ein gewöhnliches Mitleiden zu verrathen.

Sie hatte unverwandten Auges den armen Schlummrer angesehn — hätte ihm gerne das noch immer quellende Blut gestillt, gerne die Schmerzen gelindert, die ihn oft aus dem Schlafe aufzuschreien zwangen, wenn die geschäftigen andern sie nicht überflüssig gemacht hätten. Sie sah ihn noch einmal an — noch einmal voll Wehmuth — und schlich mit einem zärtlichem Blicke, den eine Thräne begleitete, aus dem Gemache, grade hin in das ihres Vaters.

O Vater er ists! er ists doch!

Wer?