Der Jüngling aus der Stadt, der dich wunden damals nach dem Schrecken mit dem zersprungnem Pulvergebäude auf seinem Rücken nach Hause getragen!

O weh, der gute Mann! Ist er stark hergenommen? Ach ja! sagte mir der Arzt. Wenn er nur heute ausdauert, so wird er morgen schon nimmer sterben — Der arme, arme Jüngling!

Sie sollen recht sorgfältig seyn! — die ganze Nacht bei ihm wachen! — Mein Himmel! wer hätte mir das gesagt; ich würde einmal bei meinem Bruder ihn, der mich so brav einst behandelte, in dieser Lage sehen! — Nur recht sorgfältig sollen sie seyn — nichts sparen — alles — alles versuchen und anwenden!

Ach das sagt ich schon — ich will selbst bei ihm wachen? sagte das Mädchen und schlich wieder in Sebalds Gemach.

Allmächtiger! athmete Sebald freier, schlief milder, fuhr seltner im Schmerze aus dem Schlaf — das Mädchen kam nicht von seiner Seite. —

Tiefe Mitternacht herrschte in dem Garten, der durch die Fenster des Zimmers wo Sebald lag im Mondenschein flimmerte. Die müden Diener schliefen alle, nur Jilla — wer kennt sie nun wohl nicht? Nur sie saß unaufhörlich beschäftigt bei ihm.

Hier wohnte der Bruder des Edlen von Wackerbach, der vor einigen Wochen daher kam, wo Jilla seine Tochter schon war, als Salassin und Sebald damals nach dem Vorfall mit dem verwischten Bildniß sie in der Stadt in ihres Vaters Hause aufsuchten und erfuhren, das Mädchen, so sie durchaus sehen wollten, sey bereits bei seinem Bruder auf dem Landgute, wohin er selbst auch reisen und dann wieder in die Stadt kommen wolle.

Sebald! Welche Freude wartet deiner! Wie angenehm wirst du aufwachen, wenn deine aufgeschlagenen Augen die Schöne an deinem Ruhelager so beschäftigt, so bang und ängstlich um dich bekümmert erblicken werden? Das Mädchen, um das du so lange mit stiller Herzenspein dich harmtest, das deine Seele so sehr erfüllte, daß du gestern vom rechten Wege abrittst, da du im Andenken an sie verloren den Gaul dahin traben liessest, wohin er wollte. Wie wird dich Schwachen die Wonne stärken, wenn dein erster Blick sie sieht, sie, die du gestern im Lager ersehen und entfliehn gesehen hast — die überall und immer dein süssester Gedanke, und der Sporn dir Verdienste zu sammeln, war.

Und Jilla — wie selig wirst du nicht den Erhohlten aufwachen sehen! Wie wird dich sein erstauntes Gesicht, und das frohe Lächeln, wenn er dich anschaun wird, nicht entzücken! Wie wird dein Bangen um ihn nicht in die schönste Freude verwandelt werden! O gesteh es dir nur, zärtliches Mädchen, dein Herz schlägt lange für ihn — gesteh es dir nur daß nicht Mitleid bei Unglück deine Wangen blässet, deines Beiseins Sturm erhebet, sondern ein schöneres edleres Gefühl. — Du glaubst ihm durch deine Sorgfalt die Schuld zu bezahlen, weil er einst deinen Vater auf dem Rücken nach Hause trug; o das ist schon recht — aber sey nur dir selbst auch so aufrichtig zu gestehn, nicht das allein, auch eine andere Empfindung erhält dich an seiner Seite wach — gesteh dir nur, daß du ihn lange schon — still und innig liebtest.

Der Morgen warf seinen ersten schwachen Lichtstrahl in das Zimmer — wo Sebald noch immer schlummerte, und Jilla wachte. Jilla die immer ruhiger und freier Athem schöpfte, wenn der Kranke ruhiger schlief, die immer angstvoller zitterte, und in quälender Furcht und Hoffnung schauerte, wenn der Kranke vom neuen Schmerz überwältigt, schwerer athmete, sichtlich mehr litt.