Sebald starrte sinnig Jilla an, hielt alles was er vor dem Mädchen erfahren zusammen, und ward immer aufmerksamer je mehr er forschte. Wenn Jilla Jadilla wäre? dachte er, und eine nicht unwahrscheinliche Möglichkeit schien es ihm, seine Freude mahlte sie ihm stets ausdrucksvoller im Gesichte, seine Vermuthung ward immer gegründeter, jemehr er Jillas Begebenheiten vergliech, bis ihn endlich die Hoffnung zur Frage trieb:
Kannst du theure Gräfin, kannst du dich nimmer der Kleidung deines verlornen Töchterleins erinnern? Hatte es nichts von irgend einem Schmucke?
Jadilla entgegnete mit gespannter Aufmerksamkeit: Was bringt dich auf diese Frage: Hast du Vermuthung etwa gar? Nicht möglich, Salassin ist mit dir gleich an Jahren, und der war damals sechs Frühlinge alt.
Seb. Ich bitte dich — nur eine geringe Beschreibung der Kleiderstücke — vielleicht —
Die Gräfin. O täusche mich mit keiner so lieblichen Vermuthung, ach! — meine geheilte Wunde würde nur um so heftiger wieder bluten! Sie trug ein himmelblautafftnes Oberröckchen mit rosenrothen Schleifen und ein goldnes Kreuzchen als Halsgehänge.
Seb. (mit kaum zurückhaltender Freude) und hieß Jilla?
Die Gräfin. Jadilla — sie selbst lallte ihren Namen nicht anders als Jilla — Sebald was hast du vor? — du zitterst —
Seb. Vor Freude (Er führt Jilla zur Gräfin, und zeigte auf das goldne Kreuzchen) Kennst du —
Die Gräfin erschrak, daß sie halbohnmächtig wankte — das ist Jadillas —
So ist dies Mädchen deine Tochter — Jilla! deine Mutter! O der seligen Ueberraschung! — rief der wonnetaumelnde Sebald, und die Gräfin drückte sprachlos ihre wiedergefundene Tochter, ihre langbeweinte Jadilla an ihr hochschlagendes Herz. Jilla wußte nicht wie ihr geschah, noch weniger ihre Mutter. Sebald und Lolly weideten Aug und Herz an der schönen Scene, lange dauerte es eh sich das Entzücken in Worte ergoß.