Beng. Nicht wieder voreilig! Bist du zufrieden mit dieser Strafe? Willst du nimmer entweichen diesen Banden, so dich jetzo umschlingen?

Sal. (den Lolly ihren Armen umschlang) Was bleibt dem Gefangenen übrig!

Beng. (Indem er Salassin die Binde vom Auge nimmt) Nun bleibe lebenslänglich in dieser Gefangenschaft.

Die Binde fiel ihm von den Augen, und Lolly hielt ihn in ihren Armen, indem sie sich zärtlich an ihn preßte, und Salassin! mein Geliebter! rief.

Sprachlos stand Salassin, die Ueberraschung tödtete alle Worte, er warf einen Blick auf die aufstehenden Freunde, und schloß Lolly in seine Arme.

Noch immer fand er die Sprache nicht, als seine Mutter und sein Vater und die Andern ihn brünstig umhalsten. Eine marmorne Bildsäule stand er da, als fühlt er nichts, als wäre das Bewustseyn auf immer entflohen.

Endlich erholte er sich, und eine heiße Freudenthräne rann über seine blasse Wange als Sebald ihn an sein Herz drückte. „Mein Sebald! vergieb! ich that dir Unrecht. Ja hielt dich mit Lolly einverstanden, und wollte mein Vaterland auf immer fliehen!“ So sprach er und nun — bricht die Urkunde aus dem Archiv der Zukunft ab, vermuthlich sah der Autor ein, daß seine Feder eben so schwach wie die meine sey — alle die herzlichen Ergüssungen der namenlosen Freuden zu schildern, die hier jegliches Herz, wie die Frühlingssonne die verjüngten Gefilde durchstrahlten; wie Welly und Jadilla dem Bruder die Schwester, die er einst in der Fieberfantasey der Liebe in Sebalds Armen für Lolly hielt, zuführten; wie Salassin erstaunte, als man ihm alles enträthselte.

Soviel als ich vermuthen kann, dachte von itzo an Salassin nie wieder nach fremden Ländern zu fliehen, und es war ihm in der That wunderlich und banger zu Muthe als in der gefährlichsten Schlacht.

„Kinder!“ — sagte Bengler lächelnd — „Wenn euch des Priesters Band wird umschlungen haben, irrt euch ja nicht einmal mit den Weibern. Du Salassin, daß du nicht Jilla für Lolly, und du Sebald, daß du nicht Lolly für Jilla in die Schlafkammer führst.“

Ende.