Aber seht mir doch den Schalk! — um Lolly zu gefallen, zog er sein schönstes Gewand an. Um dem reizenden Mädchen zu gefallen, schmükst du dich, guter Salassin! mit deinem besten Kleide? Zwar du mögtest dir selbst nicht so ganz deutlich sagen können, warum? Doch meintest du — es stünde dir doch besser, und — und — Aber fast meint ich, du wärest ein Stutzer des 18ten Jahrhunderts, die alle ihre Schönheit, und wohl auch ihre Menschenähnlichkeit dem Kleide verdanken, aber in deinem Sekulum wo das sinnlich Schöne weniger als das Geistige gesehen wird? Je nu, man besucht itzo und immer zuerst das Kleid der Rose, eh man an den Honig denkt! — Aber dir war es wohl immer nöthig guter Jüngling! Im ersten Worte, das ihr beide spracht, waren eure Seelen verflossen. Da blick einmal hin, wie sie nach dir zurükschilt, wenn ihr der Vater zuflüstert, sie solle das oder jenes für die Gäste besorgen! Wie sie alles schnell und eilig verrichtet, um — nur bald wieder unter die Gäste zu kommen. Unter die Gäste? — Ja, deutsch gesagt — zu Salassin. Lieber wie ist dir zu Muthe, wenn sie dich zärtlich fragt, wie du nach dem gestrigen Schrecken geschlaffen? Ob du dich nicht erkühlt hast? Wie sie so vollmondfreundlich zurüksieht, wenn dein Lächeln ihrem begegnet? Salassin! Denk’ an die Stadt! Ohne Herzchen darfst du beileibe nicht dahin kommen! Ja wenn die Damen in deinem Jahrhunderte wie diese in unsern wären, daß sie darauf Verzicht thäten! Doch sey guten Muths! Du erhältst für dein Herzchen ein anderes dir gewiß noch wertheres — Lollys — zur Lebenszehrung.
Der Kranz der Gäste sammelte sich um das Frühmahl. Ein Lied gefühlvoll wie die Sänger ward angestimmt. Lolly schlug das Euphon dazu, und Salassin mit seinem ganzen Ich ein Ohr, bemerkte nicht, daß alle über ihn lächelten. Schlägst du nicht auch Euphon? — fragte Bengler den aufmerksamen Träumer.
Ich — bin ein Klimperer gegen Lollys Spiel! war seine Antwort.
Das ist zu bescheiden! Eine Schmeichelei! — riefen einige der Gäste. Versuch es, laß uns doch hören!
„Spannt aber die Erwartung nicht zu sehr — ich —“ Jaja! — sagte Lolly, indem sie ihn an das Euphon zog, — Du konntest gestern so gut schwimmen, also — Mußt du auch gut Euphon schlagen! Ueber den Mädchensyllogismus! — lachte Bengler.
Salassin faßte sich, und spielte. Wie er vorhin die schöne Künstlerinn bewunderte, bewunderten ihn alle itzt, am meisten was ganz natürlich zu enträthseln ist, die Blume des Gastherrn selbst.
Salassin goß den Schwall der Empfindungen, die in seinem Herzen rangen in eine harmonische Fantasie. Alle fühlten die sanfte Wehmuth, wenn er im schmelzenden Moll klagte, alle waren hingerissen von dem Feuer, wenn er seine Gefühle in die wiedertönenden Saiten stürmte, alle bewegten die Füsse wenn er im lieblichen Allegro tändelte. Lolly wäre dem Zauberer beinahe um dem Hals gefallen.
Meisterhaft! Vortreflich! — riefen die Gäste, und klatschten ihm ihren Beifall. Du mußt dich in der Stadt bewundern lassen!
Um Vergebung! — sprach Salassin, — nicht meine Geschicklichkeit — das vortrefliche Euphon, das sich so gut ausnimmt —
„Weil du so gut spieltest — sagte Lolly — warte, laß uns doch auch deinen Gesang hören. Hier ist ein Duetto von dem Musiker des 18ten Jahrhunderts, Mozart.