Hoffe Ruh im Mißgeschicke,

So das Daseyn dir vergällt.

Bald entwölkt sich deinem Blicke

Eine Flur, vom goldnen Glücke

Für den Dulder aufgehellt.

Fort rollte der Wagen die Strasse zur Stadt. Der lezte der Berge verbarg sie nur noch. Itzt waren sie auf seinem Nacken, und ausgegossen lag in einer unermeßlichen Ebene die unübersehbare Residenzstadt. Welch ein entzückender Anblick für die Reisenden! In der Mitte stand die Residenz des germanischen Kaisers, mit stark vergoldeten Dächern, mit Erkern und spiegelnden Fenstern wie eine kleine Stadt. Im Kreise um sie herum die Paläste der Fürsten in schöner Ordnung, jeder vom andern durch einen prächtigen Garten abgesöndert. Um die Fürstenwohnungen in mäßiger Ferne die Gebäude der Edlen, und an diese schloßen sich die simetrischen Häuser der Bürger, auch diese immer durch Gärten getrennt, in welchen hochwipflichte Bäume über die blanken Dächer grünten. Eine dreifache Schanze mit ungeheuren Wällen und Gräben umhügelte in einem Ring die ganze Stadt, durchschnitten von breiten regelmäßig angelegten Strassen und Gassen, mit unzähligen Plätzen, wo Alleen und Denksäulen standen. Auf vier Seiten gleich an der Stadt ragten vier unbezwingbare Kastelle auf Hügeln empor, ein majestätisch gleitender Strom mit blauen Wasserspiegel, mit Schiffen und Kähnen besäet umarmte den einem halben Kranz der Stadt. Wie blinkten die Thürme mit gelben Spitzen im Sonnengolde! Wie mischte sich das Farbenspiel der Mauern, der Dächer, der Bäume mit den bläulichen Wolken die aus Schorsteinen stiegen!

Die Reisenden kamen zum Thore. Ein Mann trat an die Kutsche, und fragte ganz artig: Wer bist du? den Grafen.

„Graf Wallingau.“

Sogleich traten die wachthabenden Soldaten auf des Thorstehers Wink unter Gewehr, schulterten, und Welly fuhr ungehalten weiter.

Das bunte Menschengewimmel, der itzt noch lebhaftere Anblick der Gebäude, der schönsten Baukunst Meisterstücke, die mannigfältige Abwechslung gewährte den Ankommenden ein süsses Schauspiel. Sie hielten auf dem Platze der Gasthöfe, den eine lange Reihe der schönsten Einkehrhäuser formte. Die vergoldeten Schilde glänzten. Hier hieß es: zur Treue, dort zur Liebe. Da: zur Hoffnung. Hier: zur Menschlichkeit. Wieder dort: zum Vaterlande.