Im Vaterlande kehren wir ein! — sagte Welly; sie stiegen ab, und ein halbdutzend windschnelle Diener bedienten die Gäste. —

Der Abend sank vom Himmel und zog seinen Purpurglanz von den wiederspiegelnden Thurmspitzen.

Unsre Reisenden machten eine kleine Promenade, und ruhten von den Beschwerlichkeiten der Reise auf sammtnen Kanapeen aus. „Morgen gehn wir in die Residenz, den Vater des Landes zu sehn! Und dann soll uns die Abwechslung der Stadtvergnügen ergötzen! — sagte Welly, ehe man zur Ruhe gieng.

Zwölftes Kapitel.
Das unvermuthete Wiedersehen.

Noch glänzte das Licht der Kristalsonnen, die in den Zimmern statt Kerzen dienen, viel heller als der Strahl der aufgehenden Sonne. Da wachten alle vom lärmenden Getöse der beschäftigten Stadtmenschen auf. Kaum waren unsre Pilger angegleidet, da wurden schon Diener gemeldet mit Willkommensbriefchen von Bekannten und Freunden, die Welly in der Stadt besaß, und die seine Auskunft sogleich durch die gewöhnliche Anzeige der Gastwirthe erfahren hatten.

Der lud ihn zum Morgenbesuch, dieser zum Mittagmahle, jener zur Abendpromenade, ein anderer zur Gesellschaft ins Theater ein. Einer von Wellys geliebtesten Freunden drang in ihn, den Gasthof zu verlassen, und bei ihm einzukehren; dieser war der Fürst Tellmann, Minister und Polizeyobrist des Monarchen.

„Wenn du — schrieb der Fürst in dem Briefchen — meiner Bitte nicht erfüllst, so sollst du nicht die Freude haben mich noch einmal deinen Freund zu nennen.“

Das ist mir eine gar fürchterliche Drohung! — sagte Welly lächelnd, und zeigte es seinen Gefährten an. Für Sebald und seine Mutter waren inzwischen neue Kleider herbeigeschaft, und die Beiden erkannten sich in dem neuen Anzug kaum. Sie giengen durch unzählige Gassen und über Plätze dem tellmanschen Palaste zu, an dem das fürstliche Wappen auf einer Silberplatte mit dem Namen des Fürsten, an dem Marmorportale hieng.

Hier sind wir am rechten Orte! — rief Welly und sie betraten die Treppe. Sogleich ward er gemeldet, und Fürst Tellmann kam ihnen im Vorsale entgegen, rief: Willkommen! und lag in den Armen des Freundes. Willkommen! Willkommen! mit den Deinen! — sprach er und führte sie in den Gastsaal zum Willkommensbecher.

Sebalds Mutter wankte wie betäubt über den Anblick des Fürsten, der, indem er den Pokal Welly reichte, sie anblickte, den Becher fallen ließ, und — auf sie mit offnen Armen zulief.