Tell. Ward ihr schon lange bei einander?
Welly. Seit drei Tagen.
Tell. Seit drei Tagen? Und wußtest du, welche Freude du mir brächtest?
Welly. Wer hätte das geahnet, daß ich meines Tellmanns Schwester auf der Strasse fände, in einem so mitleiderregenden Zustand fände?
Tell. Wie das? Welche Schicksale? — O erzähle, erzähle mir liebe Schwester! Wie gieng es dir seit du das Vaterland verlassen, seit wir uns nicht sahen?
Und dem freudetrunkenem Tellmann ward erzählt was meine Leser bereits wissen. So manche Stunde schwand in dem Vergnügen des Wiedersehns schneller als der Augenblick, in welchem der Fürst seine Schwester erkannte.
Dreizehntes Kapitel.
Die Audienz.
Nun also in die Residenz! — sprach der Fürst, und sie erhoben sich von ihren Sitzen. Sie giengen über den großen Platz vor der kaiserlichen Wohnung, der zum Lustwandeln mit hochästigen Kastanien, Pomeranzen und Nußbäumen in mannigfaltiger Abwechslung mit Marmor- und Rosenbänken unter den Schattendächern der Bäume eingerichtet war. Marmorne Ehrendenkmäler berühmter Männer prangten überall zwischen den Bäumen. Das Volk wandelte hier und sah nie solch ein Denkmal an, ohne des edlen Mannes Andenken, dem es gesezt war, zu segnen, wenn er noch lebte, ihm eine lange Erhaltung zu wünschen, der seine Kraft zum Besten des Vaterlandes und der Menschen anwand, oder seiner Asche, wenn er nimmer lebte, eine dankende Thräne zu weinen. Durch das grau und dunkelrothe Marmorthor der Kaiserburg, an der das Wappen Deutschlands der doppelte Adler auf einer Goldplatte glänzte, führte Fürst Tellmann seine Freunde über unzählige Treppen und Stiegen in den Audienzsaal des Kaisers. Die Wachten präsentirten vor ihnen, wo sie vorbei giengen. Sie standen in dem Vorsaal der Minister, meldete sie, und ohne zu säumen wurden sie vorgelassen.
Mit heitrer Miene nahte sich der Vater des Vaterlands, Milde und Majestät, Ernst und Freundlichkeit im Gesichte, vom Goldthrone ihnen entgegen.
Seid mir im Herzen des Landes gegrüst, meine Kinder! sprach er.