„Jeder meiner Bürger ist mir immer willkommen, und meine Seele weidet sich an den Vergnügen, das mir die Besuche der Rechtschaffenen gewähren. Seid mir willkommen!“

Unser Vater! — sprach Graf Welly mit gerührtem Herzen und sanfter Stimme — Dein Herablassen rührt uns, die wir freudig den geringen Zoll des stummen Dankes dir weihn. Lange hab ich die hohe Wonne dein Antlitz, Allverehrter zu sehn, lange hab ich sie entbehrt, still und ungesehen meine frommen Wünsche für dein Wohl, für das Wohl unsrer Aller zu dem Urwesen gesandt. Hier stehen meine Söhne erfurchtsvoll vor dir, Erlauchter! um aufgemuntert zu werden, durch deine mächtig wirkende Worte zur Thätigkeit, zum Eifer und zur Liebe für dich und das Vaterland, um durch den Anblick deiner Majestät belebt dem Staate Germaniens als Bürger unzertrennlich sich anzuketten.

Meinen Seegen! entgegnete mit feierlicher Majestät der Monarch, indem er nach dem goldnen mit Edelsteinen aller Art besezten Szepter grif. — Meinen Seegen, ihr jungen Männer! Folgt dem Beispiel eures Vaters! Bleibet redlich und bieder! Seid rastlos, eifervoll und unermüdet in eurer Vervollkommnung! Das Wohl des Staates, und das Wohl der Menschheit sey euer Wohl! Seelengröße, Geistesstärke und Herzensgüte adeln den Menschen! Sammelt euch Verdienste, damit ihr ruhmvoll in die Fußstapfen eures Vaters tretet.

Er reichte den Szepter hin, und Salassin und Sebald berührten es schweigend mit dem Zeigefinger der rechten Hand. Der Monarch entließ sie mit freundlich ernstem Gesichte.

Diese feierliche Szene prägte sich tief in das Herz und Gedächtniß der Beiden ein, in deren Seele sich fest und unerschütterlich der Entschluß entspann: Eh ich mich einst leiten lasse von der Bahn der Tugend in die Labyrinthe des Laster, eh ich wanke, treu muthvoll und unaufhörlich mich dem Vaterlande zu weihen: eh treffe mich die Schande des Gefühls, daß ich unwürdig des Vaterlandes bin, daß ich unwerth meines Kaisers war, daß ich nicht die Achtung der Edlen verdiene.

Dies war die gewöhnliche Art der Aufmunterung für deutsche junge Männer, die sich dadurch erhoben und aufgerichtet sahen, die dadurch begeistert, ihr kraftvereintes Bestreben dem Lande widmeten. Dadurch entstanden die wackersten Männer, und so viele Eiferer für das Menschenwohl, als es in unserm Jahrhunderte Egoisten giebt.

Fürst Tellmann führte sie durch die ganze Residenz, und zeigte ihnen Millionen der Sehenswürdigkeiten. Tausend der schönsten Erfindungen deutscher Köpfe, und Salassin und Sebald im Enthusiasmus über den Anblick dieser Herrlichkeiten schwelgten in Wonne.

Wir haben noch nicht das geringste gethan — sprach Salassin, zu seinem Freunde, was uns die Ehre gäbe, hier aufgestellt zu werden. Aber, ich will kein Deutscher seyn, wenn ich nicht auch soviel leiste.

Dein Schwur ist der meine! Entgegnete Sebald. Zwar bin ich gebohren auf Englands Boden, aber Germanien ist mein Vaterland, dem ich alles verdanke, und auch mich soll der Spott des sklavischen Normanns treffen, verachten soll mich jeder Edle, wenn ich des freien deutschen Landes, so mich trägt, nicht würdig werde!

Viele Stunden waren gedankenschnell im Anschaun dieser Sehenswürdigkeiten verflossen, und noch war des Nichtgesehenen Unzähliges. Sie kamen in einen zehnten Saal, wo die prächtigsten Denkmale bewahrt wurden, unter denen die Urnen ehmaliger Beherrscher auch waren. Unter den Urnen der Herrscher war eine dem Joseph II. römischen Kaiser gesezt mit dem Bilde einer aus dichten Wolken hervorstrahlenden Sonne. Eine andere Leopold II. mit einem Palmzweige und den Worten: Er segnete durch Weisheit und Frieden. Eine dritte Franz II. mit einem Taubenpaar dem Sinnbild der Milde und Menschenfreundlichkeit und dem Spruche: Sein Szepter war Liebe des Volks.