Sebald hatte seinen Mann vor das Haus gebracht, so dieser mit vollem Bewustsein ihm beschrieb, o wehe! da stürzte ein jammerndes Mädchen mit flatternden Haaren entgegen, und schloß weinend den blutenden Vater an ihren ungestümm schlagenden Busen. Ein Bach heißer Thränen rieselte über die schreckensblassen Wangen und sie taumelte neben den blassen Vater ins Haus. Sebald vergaß die Jammerszene und verlor sich im Anblick des huldvollen Geschöpfes, das der Jammer noch schöner kleidete. Er stand halbbetäubt und steif wie eine Bildsäule, und wußte nicht ob er gehen oder bleiben sollte. Das schöne Mädchen faßte sich endlich in ihrem Schmerz, und dankte dem Träger ihres Vaters mit einem herzlichem Kusse, der Sebalden durch Mark und Bein, und Herz und Seele wie ein Feuerstrom glitt.
Ein Wundarzt! — rief der verwundete Vater, und Sebald sprang fort und kam mit einem zurück, der den Fuß besichtigte und alle mit dem Ausruf tröstete: Ist nicht gefährlich! In 4 Wochen kannst du wieder grade gehen! Jilla — so nannte sie der Vater — hüpfte vor Freude auf, wie ein Täubchen auf dem Ast, um das Lager des Kranken und Sebalds Augen waren auf Jilla geheftet, als wären sie angenagelt. Endlich verließ er sie, nachdem er versprochen hatte, sie bald wieder zu besuchen.
Die unglückliche Pulverfabrike! Nicht genug daß sie Menschenkörper durch ihren Schuttsturm verwundete, da muß sie auch schuld seyn, daß sogar unsers lieben Sebalds Herzchen, der doch so ziemlich weit davon war, verwundet ward! Jaja! Schau du nur das Haus und die Gasse wohl an, lieber Sebald! Das jammernde Mädchen hat deinem Herzchen so ziemlich auch eine Portion überlassen.
Die Freunde trafen spät in Tellmanns Palaste wieder zusammen. Graf Welly war mit Sebalds Mutter so eben zurückgekommen, als auch Salassin und Sebald erschienen. Das Menschengewühl war noch immer zu stark. Geschäftige Wundärzte rannten von Haus zu Haus, von Mitleiden getrieben und ohne erst — wie die Wundärzte im 18ten Jahrhunderte im Gehen die Summe des Verdienstes zu berechnen.
Tellmann kam vom Kaiser aus der Burg, und brachte die Nachricht: daß des Kaisers Majestät über den unglücklichen Vorfall, den man sobald als möglich untersuchen würde, bestürzt vorgeschlagen habe, die Trost und Pflegbedürftigen zu besuchen, und eine beträchtliche Summe unter die Armen zu vertheilen.
Der gute Kaiser! — sagte Tellmann ist immer bereit, die Unglücklichen aufzusuchen.
Sie folgten dem Beispiele des Monarchen, und verbrachten den Rest des Tages in mancherlei Ergötzungen, von deren Sorten es in dieser ungeheuern Stadt eben so viele Arten gab, als Blumen im Frühlinge sind.
Fünfzehntes Kapitel.
Trennung.
Graf Welly entschloß sich endlich die Stadt zu verlassen, um bald zu seiner um ihn bangenden Gattin nach Hause zu kommen.
Mein Sohn! — sprach er — Lebe nun wohl! Die Stunde der Trennung schlägt! Wandle fort den graden Weg zum Ziele, laß dich nie auf Schleichwege leiten. Mein Tellmann übernimmt nun Vaterstelle, und wird väterlich dich lieben. Du wohnst bei ihm und bleibst mit Sebalden unzertrennlich. Werdet der Liebe der Edlen werth! Wenn dein Bewustseyn dir sagen wird, du hast deine Pflicht gethan, dann komm zurück in deines Vaters Arme, an deiner Mutter Herz, die Freude unsers Alters, unser Trost wirst du seyn. Nun leb wohl!