Er sprachs und umarmte mit väterlicher Innigkeit seinen Sohn, gab ihm den Abschiedskus, und wand sich an den Freund und Fürsten Tellmann.
„Freund! Hier geb ich dir meinen Sohn — ich gebe dir mein Alles. Sey ihm Vater und Freund, leite ihn — bleibe mein Tellmann —“
Sie umarmten sich gerührt. Itzo wand sich Sebald zu dem Grafen, und sagte mit bewegter Stimme: Du hast meine Mutter und mich so menschenfreundlich gerettet, hast uns entrissen dem Elend und in einen Himmel uns versezt — erlaube daß ich dir noch einmal mit dankdurchdrungenem Herzen danke — Ich will dich verehren; Salassin als meinen Bruder lieben, uns trennt in Leiden und Freuden nur der Augenblick, der die Sterblichen trennt. — Sie schlossen sich bewegt in die Arme.
Sebalds Mutter konnte nichts sprechen, aber ihre Miene, die halben Worte, die sie mühvoll dem hemmenden Gefühle abzwang, die nassen Wangen waren das unverkennbare Gepräge des reinsten Dankes, der in schönen Worten nicht glänzt.
Sie schieden von tiefer Rührung durchschauert — Der Vater vom Sohne, der Freund vom Freunde — der Sohn vom Vater, und die Zurückgebliebenen sahen mit gesenktem Blicke der fortrollenden Kutsche nach, und geleiteten ihn mit ihren Wünschen. —
Wie in einem Traume stand Salassin, die Seele von einem Empfindungsgemisch durchwallt. Er dachte — Mein Vater ist glücklicher als ich! Er wird Lolly bald wieder sehen! —
Sebald und Salassin ketteten sich immer fester an sich, und machten den Plan zum neuen Stadtleben.
Zweiter Abschnitt.
Erstes Kapitel.
Fürst von Tellmann.
Wir verlassen unsre Helden auf eine kurze Zeit. Sie mögen sich indessen ein bischen mehr in der Stadt umsehn, und an ihre neue Lebensart gewöhnen. Sie mögen bald die Akademien der Wissenschaften, bald die Musäen der Künste, bald die Geschäftssäle der Großen, bald Promenaden, Theater, und Kirchen besuchen, wir schlagen das Buch auf in dem Tellmanns Schicksale beschrieben sind.