Ein Diener kömmt eilig, und sagte: Die Schlafstunde schlug. Die Thore werden gesperrt. Wir kommen sonst nicht in die Stadt mehr!
So müssen wir nimmer säumen — sprach Salassin und führte Wellminen verstimmt in die Stadt. Ohne viel Worte zu wechseln kamen sie nach Hause.
Süssen Schlummer! Wellmine sagte Salassin etwas wärmer.
Süsse Ruhe! wiederholte das Mädchen, und schlüpfte über die Stiege in ihr Gemach, warf sich auf eine Ottomane, und saß die ganze Nacht in Sinnen und Härmen.
Seine Brust ist kalt — sagte sie weinend — sein Herz ein Eisklumpen — und ich Tollkühne — Gott, ich habe mich blos gegeben — Er verachtet mich nun — ha verachten? Ha! vergebens soll ich um den Gefühllosen mich härmen? — Doch — er ist ja doch Mensch — sein Blut rollt heiß in den Adern, sollen ihn Reize nicht rühren? — Ha er muß fallen — der Stolze — durch meine Kunst soll er fallen — aber welch verzweiflendes Mittel wähl ich? Und kann ich dies brennende Verlangen, dies marternde Härmen, kann ich meines Herzens Toben anders stillen? — Ha so stähle mich denn, Liebe! die du mich an den Kalten so unbezwinglich zaubertest! —
So dachte sie, so sann sie auf Schlingen für das Vögelchen, das sie mit aller Gewalt fangen wollte.
Sechstes Kapitel.
Die Portraitsvorzeigung.
Doch nun lassen wir sie an ihrem Plänchen schmieden, wir werden am Ausgang genug sehen. Genug wenn der fertig gestrickte Strumpf uns zu Gesichte kömmt; warum sollen wir zusehen, wie er gestrickt wird.
Die Zeit, wo die von den Vorstehern ausgeschriebenen Bildnisse gezeigt werden sollten, war erschienen. Hundert der geschicktesten Mahler bemüthen sich ein Meisterstück ihrer Kunst zu liefern, und arbeiteten rastlos mit Ehre ihr Werk vorzulegen, voll dem Wunsche nach der schönen Belohnung.
Am Tage des Vorzeigens versammelten sich die Vorsteher in einem Saal des Musäums, saßen in einem Kreise, und die Mahler wurden mit ihren Produkten unter dem Donnern der Trompeten und Pauken in einen Vorsaal des Musäums gelassen.