Aber wie erstaunten alle — als sie ihren Irrthum bemerkten.

O vortrefflich! vortrefflich: Göttlich! Das vollkommenste ohne Gleichen! Unübertrefflich! Der hat den Preis! — schrien alle, und wähnten troz dem erkannten Irrthum den Kaiser in persona leibend und lebend vor sich.

Jeder Pinselzug war Leben! Jedes Fäserchen so natürlich ausgedrückt! Die hohe Stirne mit dem lebendigen Ernst und der Majestät, wie sie in des Kaisers Gesicht selbst schwebt. Die Milde und Freundlichkeit in dem Zug um den Mund, das Feuer der Augen — alles — alles so lebhaft daß die Vorsteher des Musäums und die Kenner und Mahler getäuscht werden mußten.

Der Beifall war unendlich, und der Preis ward Sebalden einstimmig zuerkannt; wiewohl Gall und Neid in unzähligen Gesichtern so richtig sich mahlten, als Sebalds Preisbildniß gemahlt war.

Einige schäumten vor Groll und Gift, andere ärgärte es, sich von dem Jungen da übertroffen zu sehn. Besonders haderten diejenigen mit sich, die vorhin so wenig in ihm suchten, ihn mit spottischen Näschen, oder scheelen Blick anguckten.

Der Präsident gebot Stille, und sogleich schwieg der Strom der Mißgunst zu brausen.

Empfange junger Mann! dem einstimmig die ausgeschriebne Prämie für das unübertreffliche Bildniß unsers Monarchen zuerkannt wird, empfange aus meinen Händen im Namen der Vorsteher den Preis! diese Ehrenmedaille auf die der Name noch geprägt wird! durch deine Geschicklichkeit — durch dein Verdienst! bist du werth des Vaterlandes! Fahre fort ihm Ehre zu machen, und bleib ihm ein treues würdiges Glied.

Der Präsident umarmte ihn, die andern folgten ihm, wünschten ihm Glück. Die Trompeten und Pauken schmetterten stärker. Die Versammlung trennte sich; Sebald ward im Kranze der Vornehmsten unter dem Getöne einer lieblichen Musik, und von dem in Schwärmen herbeigeeiltem Volk in seine Wohnung begleitet.

Fürst Tellmann und Salassin waren gerade aus der Residenz zurückgekommen, erstaunten und taumelten im höchsten Entzücken auf den beneidenswerthen Sebald zu, der bescheiden da stand, die Huldigungen der Menge tiefgerührt annahm, und unaussprechlich seelig durch Tellmanns und Salassins Jubel eine dankbare Thräne vergoß.

Der Tag war ein Fest der allgemeinen Freude, Jünglinge und Mädchen beschäftigten sich um ihn, und führten ihn im Triumph — er mogte sich sträuben wie er wollte — zur Aneiferung Anderer durch die Stadt.