Erst um 1 Uhr kam ich von meiner Wanderung zurück, und ich that den mir vorgesetzten Leckerbissen alle Ehre an. Freilich gebrach es theilweise an Tellern und Gabeln, aber die Hauptsache war das Essen, und man kann zur Noth wohl jene Accessoirs missen.
Auf dem Posten befand sich zugleich der Secretär (Bylegger) der Saramaccaner-Buschneger, ein Weisser, der von der Regierung beauftragt ist, den nach der Stadt gehenden Buschnegern ihre Pässe auszufertigen, ihre Anliegen schriftlich einzusenden, und die Beschlüsse der Regierung ihnen wieder mündlich mitzutheilen. Da überhaupt ohne seine Erlaubniss Niemand über den Posten hinausgehen durfte, so bat ich ihn um Erlaubniss, die vier Stunden von Victoria abliegenden Dörfer der Buschneger an der Sarakreek besuchen zu dürfen, und erhielt dieselbe auch ohne Schwierigkeit.
Am andern Tage, einem Sonntag, war ich mit meinem Indianer früh um 6 Uhr reisefertig, und mit zwei Negern der Pflanzung, welche von mir gut bezahlt wurden, fuhren wir ab. Die Corjaal, die für zwei Menschen nicht zu gross war, musste nun vier Personen fassen, und war desshalb auch zum Sinken geladen. Ich selbst sass bewegungslos da und wagte nicht zu pagaien, da wir kaum zwei Finger breit Bord hatten. Alle Felsen und Sandbänke waren unter Wasser, und nur die darauf wachsenden Gesträuche ragten aus demselben hervor. Der Strom war überdiess reissend, und wegen der vielen verborgenen Klippen höchst gefährlich zu befahren.
Zwei Buschneger, deren einer Kapitän eines Dorfes war, begegneten uns in einer ziemlich grossen Corjaal, und da sie sahen, dass die meinige zu klein war, so bot mir der Kapitän seine grössere an, und versprach, noch diesen Abend, wenn er seine Geschäfte auf Victoria besorgt hätte, nach seinem Dorfe zurückzukehren und die Corjaalen auszuwechseln. Ich machte von diesem freundlichen Anerbieten Gebrauch und fuhr nun in der grösseren Corjaal auf bequemere Weise weiter.
In der Trockenzeit ist der Fluss an vielen Stellen so seicht, dass man kaum mit kleinen Corjaalen fahren kann. Grosse Sandbänke erstrecken sich manchmal über seine ganze Breite, und lassen blos kleine Kanäle offen, durch welche das Wasser mit grosser Schnelligkeit läuft. Auf den Felsen wächst meistens eine Art Guiaba (Psidium aromaticum), deren Blätter ungemein wohlriechend sind, und in den Felsenspalten hält sich den Tag über eine besondere Art Nachtschwalbe auf, die ich ebenfalls häufig auf den Felsen von Armina gesehen habe.
Nach einer sechs Stunden anhaltenden Fahrt kamen wir gegen Mittag in die Nähe des ersten Dorfes Tja Tja, das auf einem Hügel gerade über der Sarakreek liegt.
Meine Neger feuerten viermal zum Zeichen, dass ein Weisser bei ihnen wäre, worauf das Echo an den Bergen und Felsen donnernd wiederhallte. Ich sprang schnell ans Land, und ohne auf meine Neger zu warten den ziemlich steilen Hügel hinauf. Oben am Eingang des Dorfes stand unter dem Bogen einer wunderlich wie ein Korkzieher zusammengewachsenen Liane ein rohgeschnitztes, hölzernes Götzenbild, dessen Augenhöhlen mit zwei rothen Bohnen ausgefüllt waren.
Der Kapitän des Dorfes, durch die Schüsse von der Ankunft eines Weissen unterrichtet, war eben mit dem Anziehen eines Hemdes beschäftigt. Es war diess nun gerade ein neues, eben aus dem Laden gekommenes, dessen Halskragen noch zugeknöpft war. Er hatte diess in der Eile übersehen und konnte den Kopf nicht durchbringen, als ich vor seiner Hütte stand. Gewaltig verstimmt, weil ich ihn so im Negligée sah, und ihm keine Zeit zum Ankleiden gelassen hatte, machte er mir Vorwürfe darüber, und arbeitete sich aus seinen Aermeln heraus. Ich versicherte ihn aber, dass ich ihn auch ohne Hemd für den Kapitän angesehen hätte, was ihn beruhigte. Den Männern theilte ich Schnaps, den Weibern aber Nähnadeln aus, welche ich zum Aufstecken der Schmetterlinge mitgenommen hatte, und wurde von ihnen mit Cassavebrod und Eiern beschenkt. Das ganze Dorf hatte sich um mich versammelt, und drei Corjaalen mit Buschnegerweibern folgten der meinigen, als ich nach der Norakreek überfuhr. Wiewohl man diese Kreek mehrere Tage aufwärts fahren kann, so ist sie doch von geringer Breite, stellenweise von Sandbänken und Felsen, und durch übergefallene Bäume versperrt.
Eine halbe Stunde vom Fluss entfernt liegt das Dorf Kreki, wo das Oberhaupt dieser Aucanerabtheilung wohnt. Alle zu demselben führenden Pfade sind mit Fetischen und hölzernen Puppen versehen, und grosse, mit beiden Enden in die Erde gesteckte Stücke der oben erwähnten, wunderlich gedrehten Liane bilden Bögen, unter denen jene Narrheiten angebracht sind. Das Oberhaupt war ein stattlicher Neger, der ebenfalls seinen Staatsrock, d. h. einen alten Schlafrock angezogen, und den silbernen Halsschild, das Zeichen seines Ranges, umgehängt hatte. Er erwartete mich am Eingang.
Die Hütten stehen, wie auf den Indianerdörfern, kreuz und quer und ohne alle Ordnung. Sie sind meist mit den dauerhaften Blättern der Taspalme hübsch gedeckt, und die Seitenwände zierlich aus Pinablättern geflochten. An Reinlichkeit übertreffen sie die indianischen weit. Nach jedem Essen wird das Haus und der Platz vor demselben mit dem Blüthentross der Pinapalme, der als Besen dient, gefegt; Töpfe und Geschirre werden gewaschen, und die Calabassen mit Sand gescheuert. Auch sind hier, wie auf allen Buschnegerdörfern, Apfelsinen-, Kokos- und Caffeebäume gepflanzt, deren Fruchtbarkeit man durch angehängte Fetische, als getrocknete Eidechsen, kleine hölzerne Puppen, zusammengebundene Vogelfedern und dergleichen zu vermehren sucht. Der Caffee, der ohne sonderliche Pflege bei den Buschnegern wächst, ist von guter Qualität und beweist, dass der Boden im obern Lande ganz für dieses Produkt taugt.