Am Cottica beschäftigen sich schon seit vielen Jahren ungefähr 700 Aucaner-Buschneger allein mit diesem Holzhandel. Sie bauen keine Feldfrüchte, weil sie einen Theil ihres Holzes gegen Bananen auf den Pflanzungen austauschen, somit auf Kosten dieser leben, und wenn Misswachs oder Theurung eintritt, eine sehr fühlbare Last für die Colonie sind. Die Buschneger, welche den Landbau als ein erniedrigendes Geschäft ansehen und ihn nur dann treiben, wenn ihnen kein anderes Mittel zur Gewinnung ihres Unterhalts übrig bleibt, können an einem Tage durch Fällen und Bearbeiten des Holzes so viel verdienen, dass sie auf 3-4 Wochen Lebensmittel auf den Pflanzungen dafür erhalten können.

Ein Buschneger fällt und behaut ohne Mühe täglich 30 Cubikfuss, wodurch er à 25 C. 7 fl. 50 kr. verdient. Mehrentheils arbeiten aber verschiedene zusammen und helfen einander beim Umwälzen des Blockes und dessen Herausziehen an das Wasser. Von diesem so leicht Erworbenen leben sie unthätig so lange, bis neuer Mangel sie wieder zur Arbeit zwingt. Bietet sich aber die Gelegenheit dar, einzeln oder im Einverständniss mit den Plantagenegern Bananen oder andere Erdfrüchte oder überhaupt Brauchbares zu stehlen, so ziehen sie diess der Arbeit vor; denn ein Hang zum Stehlen ist dem Neger angeboren, wie den Katzen das Mausen, und weder Dankbarkeit und Strafe, noch die liberalste Behandlung hält sie davon ab.

Haben sie ihre Bedürfnisse in Paramaribo oder auf den Pflanzungen eingetauscht, so ziehen sie auf möglichst langsame Weise nach ihren Dörfern zurück, wo dann die Manieren der Blanken und die unterwegs erlebten Abentheuer reichlichen Stoff zu ihren Abendunterhaltungen geben.

Unter sich auf ihren Dörfern haben sie so wenig wie die Indianer Gewicht, Maase oder Münzen. In der Colonie aber wird ihnen ihr Holz nach dem allgemein üblichen rheinischen Fusse abgekauft. Sie berechnen ihre verkauften Waaren nach dem vor längerer Zeit hier gebräuchlichen surinamischen Kartengeld, von welchem der Gulden 32 Cents galt. Zehn solcher Gulden, also 3 fl. 20 kr., machen eine Biggi Kaarte (grosse Karte); 8 Cents oder der vierte Theil eines solchen Guldens heisst Schilling. Es ist besonders bei grossen Rechnungen äusserst schwierig, ihnen Alles begreiflich zu machen und ihr Misstrauen mag freilich manchmal nicht ungegründet seyn.

Ihre Zeitbestimmungen gehen wie bei den Indianern nach Nächten, d. h. wenn man z. B. fragt, wie weit man etwa von Paramaribo entfernt sey, so erhält man zur Antwort: man schläft 8, 12, 14 Nächte, ehe man dort ankommt. Ebenso geben sie, wenn sie auf Reisen gehen, den Zurückbleibenden eine Schnur mit so viel Knöpfen, als sie abwesend zu seyn gedenken. Man öffnet daran jede Nacht einen Knopf und ist keiner mehr da, so erwartet man den Reisenden zurück. Da sie aber ihre Zeit so gering anschlagen, so dehnen sie manchmal die Reisen über den gegebenen Termin aus und wenn Hunger oder andere Umstände sie nicht zur Heimreise nöthigen, so kommt es ihnen auf Wochen, ja Monate nicht an.

Eine Leiche bleibt gewöhnlich drei bis sechs Tage über der Erde, während welcher Zeit beständig Dram getrunken und geschossen wird. Ja manchmal wird der Körper erst begraben, wenn die Fäulniss bereits so überhand genommen hat, dass die faulende Jauche zum Sarge herausläuft.


So war denn meine Dienstzeit bis auf zwei Monate geschwunden und ich hatte in den verschiedenen Theilen der Colonie und unter verschiedenen Verhältnissen stets einer guten Gesundheit mich erfreut. Das Fieber, welches so häufig und unter so manchen Formen die Bewohner Surinams heimsucht, hatte ich bis jetzt nur dem Namen nach gekannt und hielt es für Weichlichkeit und Uebertreibung, wenn meine Kameraden, manchmal von ihm gerüttelt, sich unter wollene Decken und Mäntel verkrochen. Aber kaum war ich einige Tage von meiner Reise zurückgekommen, so erfasste mich der schlimme Gast mit seiner ganzen Stärke und alle gebrauchten Hülfsmittel konnten ihn nicht gänzlich vertreiben. Als um die Mitte Octobers die Lebensmittel nach dem Posten Nickerie gebracht werden mussten, erbat ich mir den Transport derselben, um auf der kleinen Seereise und dem mir so bekannten Beschermer durch die Seekrankheit mich besser auspurgiren zu lassen, als diess durch die Pillen und Tränke des militärischen Hospitals geschah.

Scheinbar gesund kam ich am 9. November wieder in Paramaribo, gerade an dem Tage, an welchem meine sechsjährige Dienstzeit beendigt war, an, und ich hatte nun wie Herkules am Scheidewege zu wählen, ob ich meine militärische Laufbahn fortwandeln oder in den Civilstand zurückkehren wolle. – Ich war lange unentschlossen, denn Surinam war mir theuer geworden und im Vaterlande hatte ich keine Aussichten mehr. – Im Militär-Stande, der mir nicht missfiel, hatte ich Aussichten auf Beförderung und im Civilleben hätte ich durch Einsammeln von Naturalien reichliches Auskommen finden können. – Ich beschloss endlich vorerst nach Europa zurückzukehren und erhielt, durch die Gunst des General-Gouverneurs, einen Urlaub, nach welchem es mir freistand, in Holland entweder mich aufs Neue zu engagiren oder den Dienst zu verlassen.

Ich hatte eine hübsche Sammlung Schmetterlinge im Laufe verschiedener Jahre zusammengebracht und gab dieselbe einem Kauffartheischiffe nach Amsterdam mit, wo ich dieselben bei meiner Ankunft zu finden hoffte und verliess nun am 25. November 1841 auf dem königlichen Dampfboote Curaçao, das uns an Bord des Transportschiffes, welches in der Coppename Schiffsbauholz einnahm, bringen sollte, Paramaribo. Zwölf Soldaten und ein Bataillonsschneider aus Curaçao, die ihre Dienstzeit ebenfalls beendigt hatten, machten die Reise mit. Der letztere, ein altes kränkliches Männchen, hatte seine Frau und zwei erwachsene Töchter bei sich. Es regnete am Tage unserer Abreise beständig, denn die kleine Regenzeit hatte sich mit Heftigkeit eingestellt. – Ich hatte bis tief in die Nacht geschrieben, gepackt und die Schreibereien der Compagnie meinem Nachfolger übergeben und mich dadurch zu sehr angestrengt; so kam es auch, dass, als ich kaum das Dampfboot betreten hatte, mich ein heftiges Fieber überfiel, das bei der Seekrankheit, die sich ebenfalls einstellte, und der Reue, Surinam zu verlassen, mich in einen mitleidwerthen Zustand versetzte. Man umhüllte mich mit Decken und ich lag die ganze Nacht abwechselnd in Frost und Hitze. Den 26. kamen wir an Bord des Transportschiffes, zufälligerweise derselbe Prinz Willem Frederik Hendrik, der mich vor sechs Jahren nach Surinam gebracht hatte. Den 28. gingen wir unter Segel, und der Doctor, ein für seine Kranken besorgter, menschenfreundlicher Mann, der seinem Stande Ehre machte, nahm mich in seine Behandlung. Die Seekrankheit und das Fieber setzten mir die ersten acht Tage sehr zu, doch erholte ich mich bald so weit, dass ich wenigstens die Universalkost, Erbsen, Speck und Fleisch, wieder schmackhaft fand. Der Schneider hatte mit seiner Familie ein kleines abgesondertes Kajütchen, und ich lebte mit ihm in der besten Freundschaft. Der Tag, den ich mit Lesen durchbrachte, wurde, wenn die See nicht zu unruhig war, mit Lotto oder Domino beschlossen. – Das Leben an Bord eines Kriegsschiffes habe ich schon am Anfange erwähnt, nur war der Unterschied mit meiner früheren Ueberfahrt der, dass Matrosen und Soldaten in der besten Einigkeit lebten und es nie Streitigkeiten gab.