Etwa fünf Stunden über Saron liegt am Flusse ein göttlich verehrter Hügel, den die Buschneger im Vorbeifahren mit Flaggen und bunten Tüchern schmücken, und dabei nie versäumen, ihre Opfer darzubringen. Etwas weiter findet man die Mindrinetti- (Mitternacht-) Kreek, die durch die Mareschalls-Kreek den Surinam mit der Saramacca verbindet.

Fünf Tagreisen von Saron wohnen die Becu-Musinga- und Matuari-Neger, 5-600 an der Zahl. Ihren Aussagen nach müssen die Gebirge und Wasserfälle um vieles höher, als die der andern Flüsse, und die Savannen des Inlandes nicht so entfernt seyn. Die Coppenami, welche mit der Saramacca in die See fliesst, kommt ebenfalls aus dem Süden, und hat an ihren reichen und schönen Ufern blos das Leprosen-Etablissement Batavia, das etwa zwei Stunden von der See entfernt ist. Sechs Stunden weiter liegt die dem Gouvernement gehörende Holzsägerei Andresen, wo durch Sclaven feine Bau- und Möbelhölzer bearbeitet und nach den Antillen verkauft werden. Bei Batavia fliesst die grosse und sehr fischreiche Cusuwini-Kreek, die beinahe parallel mit der Saramacca in den wunderlichsten Krümmungen von Süden kommt, in die Coppenami. Mehrere grosse Kreeken, theilweise von Indianern bewohnt, münden in den Coppenami, dessen weiterer Lauf und Ursprung nicht bekannt ist.

Die Seeküste zwischen dem Coppenami und dem westlichen Gränzfluss Correntin wird in zwei Distrikte eingetheilt: Ober- und Nieder-Nickerie. Das niedrige Land ist dem Anbau der Baumwolle besonders günstig, und erst im Anfang dieses Jahrhunderts in Cultur gebracht. Der Oberdistrikt fängt etwa sechs Stunden westlich von der Coppenami an, und besteht aus einer Anzahl Pflanzungen, die längs der Seeküste liegen, und durch einen vier Stunden langen Fahrweg mit einander verbunden sind. Die Erzeugnisse werden mit Küstenfahrzeugen abgeholt und zum Weiterversenden nach der Stadt gebracht, was sehr schwierig ist. Der Boden ist ungemein fruchtbar, nur leidet dieser District, da er an keiner Kreek gelegen ist, in den Trockenzeiten manchmal grossen Mangel an Trinkwasser, das man aus den weiter abgelegenen Sümpfen manchmal 2-3 Stunden weit auf dem Kopfe herbeischleppen muss. Neun Stunden westlich vom Oberdistrikt und von diesem durch grosse Sümpfe abgeschieden, fängt der Niederdistrikt an, an dessen Seeküste sich ebenfalls verschiedene Baumwollen-Pflanzungen befinden. Auf der Landspitze, die durch die Mündung der Nickerie-Kreek gebildet wird, ist ein bedeutender Militärposten der Sitz des Landdrostes und verschiedener Kaufleute und Handwerker. Dieses kleine Dörfchen, das aus zwei Strassen besteht, führt den Namen New-Rotterdam. An der Nickerie-Kreek, die durch die Waiambo mit der Coppenami in Verbindung steht, liegen verschiedene Zucker- und einige Kaffeepflanzungen, deren Erzeugnisse durch holländische oder amerikanische Schiffe direct abgeholt werden.

Die letzte Pflanzung Krabbehoek ist ungefähr sechs Stunden von der Mündung entfernt, und die ganze bedeutende Kreek, so wie die in sie mündende Maratacca nur spärlich von Indianern bewohnt.

Die Correntin strömt, an ihrer Mündung mit der Nickerie-Kreek vereinigt, hier in die See. Beider Breite beträgt vom Posten Nickerie bis an das linke Ufer des Correntin etwa drei Stunden. Auf der englischen Seite sind zwei Zuckerpflanzungen, Mary's-hope und Skeldon. Die holländische ist aber gänzlich unbewohnt. Die Maratacca soll nach Aussage der Indianer mit der Correntin in Verbindung stehen.

Der Ursprung dieses grossen Stromes ist ganz unbekannt, vermuthlich entspringt auch er in den waldigen Gebirgen am Aequator. Richard Schomburgh hat diesen Strom befahren und hieroglyphenartige Schriftzeichen in den Felsen eingehauen entdeckt, woraus man schliessen kann, dass die Bewohner der Vorzeit den jetzigen an Bildung voraus waren. Im Correntin, bei den früheren Herrnhuterstationen Semira und Oreala, findet man einen weissen Thon, der der Kreide sehr ähnlich kommt, und im Flussbette einen rothen jaspisartigen Stein, der eine vortreffliche Politur annimmt, und den die Caraibenweiber zum Poliren ihrer Töpfe gebrauchen.

Vierter Abschnitt.
Beschäftigungen in Garnison. Abreise nach dem Posten Mauritzburg. Reiseabentheuer. Posten Gelderland und Dorf Judensavanne. Die Mauritienpalme. Termitennester. Posten Gouverneurslust. Markette. Mauritzburg. Kurzer Aufenthalt daselbst. Abmarsch nach Nepheusburg. Beschäftigungen. Die Cumupalme. Bienen. Ameisen. Thiere der Umgebung. Der Bananenvogel. Natürliche Abendconzerte. Brokkodjokko. Fund eines jungen Tigers. Bau des Hauses. Die Capasischlange. Affen. Urlaub und Abreise nach Armina. Der Posten Oranjebo. Fang des Haimurafisches. Leuchtkäfer. Kwattas. Posten Armina. Fruchtbarkeit desselben. Der Cottontree. Fledermäuse. Zurückkunft auf Nepheusburg. Ueberfluss an Fischen. Vampyre. Avancement.

So leicht der Garnisonsdienst auch war, und so viel freie Zeit wir auch hatten, um in der Stadt und Umgegend herumzuschwärmen, so sehnte ich mich doch recht herzlich nach noch grösserer Freiheit. Die Erzählungen meiner Kameraden von der Lebensweise auf den Militärposten, von Jagd und Fischerei, hatten meine Phantasie so sehr aufgeregt, dass ich das Ende des Jahres 1836, zu welcher Zeit die Posten abgelöst wurden, und nun auch die Reihe an mich kommen sollte, kaum erwarten konnte.

Das Maschinenmässige des Dienstes, so gliederpuppenartig es auch ist, hatte für mich bei weitem das Langweilige nicht, als für die meisten meiner Kameraden. Nie kam mir, wenn ich Schildwache war, Schlaf in die Augen; denn immer gab es etwas bei Tag oder bei Nacht, das meine Sinne beschäftigte. Bei Tage unterhielten mich die Colibris, die in den Tamarindenbäumen, unter denen ich mit meinem Gewehr hin- und herspazierte, pfeilschnell herumschwirrten, oder die Aasgeyer, welche vor der Küchenthüre lauerten, und, wenn der Koch nicht auf seiner Hut war, sich selbst ein Stück Fleisch vom Tisch nahmen und damit aufs Dach der Kaserne flüchteten; bei Nacht war es das Spiel Tausender von Feuerfliegen, die in allen Richtungen über die Savannen und Gärten flogen, oder die Musik unzähliger Kröten, welche in den Gräben sich aufhielten; oder das Schwirren enormer Fledermäuse, welche auf Insekten Jagd machten.

Die Hälfte unseres Corps waren Deutsche; und man sah viele sehr gebildete Männer, die in bedeutend besseren Verhältnissen in ihrem Vaterland gelebt hatten, hier Schildwache stehen. Aber die meisten waren unerträgliche Trunkenbolde, die aus Verdruss oder Langeweile ihre Grillen im Schnapse ersäuften und jeden Cent, der ihnen beim sparsamen Solde übrig blieb, in die Kneipe trugen. Die Natur zog keinen an, für ihre Genüsse hatte keiner Gefühl. Desshalb war ich auf meinen Wanderungen auch immer allein, und die hier so ergiebige Insektenjagd hielt mich entfernt von Gesellschaften und lustigen Parthien, zu welchen ich nie Neigung fühlte. Da wir immer in weissen Hosen, in Uniform und bewaffnet ausgehen mussten, so führte ich im Tschako ein Kistchen und Hosen mit, auf dem Rücken stak unterm Wamms mein Schmetterlingsnetz, und auf der Brust trug ich eine alte Mütze. Ausserhalb der Stadt legte ich meine guten Kleider ab und gab sie in bekannten Häusern in Verwahrung; dann zog ich mit Netz und Säbel bewaffnet in den Wald. Es war eine glückliche Zeit; denn auf jeder Wanderung entdeckte ich neue, mir unbekannte Specien. Kam ich dann Abends mit meinem Fang nach Hause, so fand ich das delicate, für mich bewahrte Essen, und die kalten Bananen, mit 1/14 Pfund Speckfett übergossen, schmeckten vortrefflich.