Ich genoss stets der besten Gesundheit, wozu freilich mein diätes Leben viel beitrug.

Endlich, obwohl die Zeit mir schnell verging, wurde ich beordert, mich reisefertig zu halten, um nach den so gepriesenen Posten abzugehen.

Eine Pont vom Posten Gelderland, welche die Lebensmittel auf drei Monate abzuholen hatte, sollte mich mit fünf andern Soldaten mitnehmen. Wir kauften uns desshalb beim Sergeant-Major der Compagnie, welcher den Soldaten verkaufen durfte, was sie nöthig hatten, Seife, Speck, Hosenzeug, kurz dasjenige ein, was wir auf dem Posten nöthig zu haben glaubten.

Den Betrag dieser Gegenstände, die nicht sehr wohlfeil geliefert werden, zieht der Sergeant-Major von dem Solde ab, der den Soldaten jeden Monat nach den Posten geschickt wird.

Fast immer ist eine solche Abreise die Veranlassung zu einem Trinkgelage, das der Abreisende seinen Kameraden gibt. Fehlt es ihm, was beinahe immer der Fall ist, an Geld, um Branntwein zu kaufen, so werden die noch nicht bezahlten, theuren Waaren des Sergeant-Majors um Spottpreise verkauft und der Erlös vertrunken.

So treten denn die Meisten mit nacktem Leib, ohne Sold, arm und voll Schulden die Reise nach dem Bestimmungsorte an, um dort so lange Mangel zu leiden, bis sich der Sergeant-Major bezahlt gemacht hat. Diess war auch bei meinen Kameraden der Fall, von welchen zwei in die Pont getragen werden mussten. Sie war mit Kisten und Fässern so vollgepfropft, dass man beinahe keinen Fuss vorsetzen konnte.

Der Kommandant über uns und das Fahrzeug war ein Sergeant, der auf dem Hauptposten detachirt lag. Ausserdem machte die Frau eines Corporals, der auf dem Posten Gelderland eine Herberge hatte, die Reise mit. Sie hatte unter andern Dingen zwei Kisten Genever eingekauft, die ebenfalls im Fahrzeuge waren. Für uns Soldaten blieben blos zwei Plätze übrig, um zwei Hängematten zu hängen; denn der meiste Raum wurde von dem Sergeanten und der Frau eingenommen, welche die Nacht bequem in ihren Hängematten durchbrachten. Ich war seit einigen Wochen mit einem Hautausschlag, dem sogenannten rothen Hunde, so geplagt, dass mein Leib wie Eine Wunde aussah, und meine Kleider mir überall anklebten. Es war desshalb beim Liegen auf den Fässern an keinen Schlaf bei mir zu denken, und das Krähen der Hähne auf den Plantagen, an welchen wir vorbeifuhren, mir eine erwünschte Musik.

Kaum erhellte der anbrechende Tag das Chaos unseres Nachtlagers, als ein Zetergeschrei der Corporalsfrau uns Alle ermunterte.

In der Dunkelheit der Nacht hatte nämlich ein Durstiger einen ihr gehörenden Kelder (Kiste) Genever erbrochen und zwei Flaschen von diesem Lebenswasser gestohlen. Eine grosse Untersuchung ihrerseits und unser fürchterliches Raisonniren zauberten die fehlenden Flaschen nicht herbei. Ihr Verdacht fiel auf einen alten Soldaten, der schon seit ein paar Tagen nicht nüchtern geworden war und eben vom Boden der Pont aufstand, wo er die Nacht zugebracht hatte. Die Frau, welche schon seit 16 Jahren in Ostindien gedient hatte, und ihre Zunge zu gebrauchen wusste, beschuldigte unter argen Scheltworten den armen Kerl des Diebstahls. Da es ihm nun nicht möglich war, mit nüchternem Magen gegen eine solche Fluth von Ehrennamen, mit welchen sie ihn überhäufte, zu protestiren, so wirkten gekränktes Ehrgefühl, Alteration und Katzenjammer dermasen auf seine Sinne ein, dass ein Anfall von Epilepsie erfolgte, und wir kaum im Stande waren, ihn festzuhalten.

Heulend betheuerte er, als er sich ein wenig erholt hatte, seine Unschuld; er zerschlug sich die Brust, welche so haarig, als das Fell eines Bären war, und rief seine verstorbene Mutter zum Zeugen seiner Unschuld auf. Uns standen vor Rührung Thränen in den Augen.