Gegen Mittag, nachdem alle Geister beruhigt waren, hielten wir an einer Zuckerpflanzung, auf welcher der Sergeant und die Frau beim Director assen, während wir in der Mühle unser Essen bereiteten, zu welchem uns der Director einen Busch Bananen und eine Flasche Rum sandte. Da wir der Meinung waren, wir würden des andern Morgens auf Gelderland ankommen, und uns auf die Gastfreundschaft der dortigen Kameraden verliessen, so warfen wir unsere sämmtliche Ration an Fleisch und Speck in den Topf.

Mit anbrechender Nacht fuhren wir weiter, hatten aber am zweiten Mittag den Posten noch nicht erreicht. Die Ebbe trat ein, und an einem armseligen Holzgrunde mussten wir die Fluth erwarten.

Jetzt bereute man es, den Tag zuvor so flott gelebt zu haben. Mit vieler Mühe bekamen wir einen Busch Bananen, wozu die mitleidige Corporalsfrau einen Häring beifügte, an welchem sich keiner den Magen überlud, da wir ihn unter sechs theilen mussten. Endlich in der Frühe landeten wir am ersehnten Posten, wo unsere Kameraden, so wenig sie auch für sich hatten, doch ihr Essen mit uns theilten.

Der Posten Gelderland, oder richtiger die Judensavanne (zehn Stunden von Paramaribo entfernt), ist der erste Platz, wo sich das Land bedeutend erhöht und die Einförmigkeit der Ebenen durch Sandhügel unterbrochen wird. Auf einem, etwa 70-80' über den gewöhnlichen Wasserspiegel des Surinam erhabenen Hügel liegt ein sehr in Verfall gerathenes Dorf: der Portug, Judengemeinde, dessen aus Backsteinen gebaute Synagoge von früherem Wohlstand zeugt. Das Dorf war von mehr als 200 Familien bewohnt, jetzt aber leben nur noch einige in alten, halbverfallenen Häusern von den Wohlthaten ihrer Glaubensgenossen in Paramaribo, und dem Nutzen einiger Kühe, die in den dürren Savannen ein spärliches Futter finden. Das hohe Alter dieser Menschen, deren einige tief in den achtziger Jahren sind, ist eine Folge ihrer einfachen Lebensweise und der gesunden Lage ihres Orts.

Der Posten und die Wohnung des Kommandanten liegen im Thale am Strom. In einer Schlucht des Hügels entspringt eine Wasserquelle dem Felsen, welche einen Sumpf bildet, der mit der üppigsten Vegetation bedeckt ist. Baumfarnen, viele Arten Melastomen und Aroideen, durchschlungen von schönen, blühenden Lianen, wachsen an den Felsen herauf, während am Rande der Savanne zahllose Bromeliaceen undurchdringliche Büsche bilden. Der blendend weisse Sand der Savannen bildet einen mächtigen Contrast mit den dunkeln Wäldern, die sie umsäumen, und schmerzt das Auge ebensosehr, als er durch seine Hitze dem Wanderer beschwerlich ist, der an schwülen Tagen darin marschiren muss.

Oben auf dem Hügel sieht man in südwestlicher Richtung ein hohes, blaues Gebirge sich über den dunkeln Waldungen ausdehnen. Eine Insel im Flusse verbirgt zur Hälfte einen kleinen Wachposten, der an der jenseitigen Seite sich befindet. Einige Caraibendörfer lagen zerstreut in den benachbarten Savannen.

Ich und ein anderer Soldat waren nach dem Hauptposten Mauritzburg bestimmt, und wir mussten, ohne auf Gelderland verweilen zu dürfen, dahin abgehen[ [1].

Der rechte Flügel des Cordonwegs, der in einer achtstündigen Entfernung von den Ufern des Surinam nach dem obern Comowyne sich hinzieht, wurde um das Jahr 1770 desswegen angelegt, um die Colonie vor den Einfällen der Buschneger zu bewahren, und dem Weglaufen der Sklaven vorzubeugen. Mehrere grosse Posten und viele kleine Pikete zogen sich längs desselben hin, und waren mit vielen Truppen besetzt. Die meisten sind übrigens eingegangen, und bloss Gelderland am Surinam, Mauritzburg am Casawinika und Imotappie am obern Comowyne bestanden noch und waren unter dem Commando von Officieren.

Zwei kleine dazwischen gelegene Posten dienten zur Beförderung von Briefen.

Der Weg geht grossentheils durch Savannen, in welchen man alles Schattens beraubt ist und eine erstickende Hitze herrscht; nur in Niederungen, wo Bäche und Wasser sich sammeln, ist Hochwald und üppige Vegetation. Die Savannen gewähren einen wunderbaren Anblick. Grosse, stundenlange Flächen sind mit niederem Strauchwerk und falbem Grase bedeckt, und gestatten dem Auge eine ungeheure Uebersicht. Einzeln und gruppenweis stehende Mauritzenpalmen geben durch ihr mattes Grün und ihre welken Blätter einen melancholischen Anblick. Der Saum der Savannen besteht fast ganz aus diesen Bäumen, in denen Schwärme von Raben und Papageyen nisten.