Die Mauritza (Mauritia flexuosa) ist die höchste der surinamischen Palmen und besonders auf Savannen und sandigen, feuchten Plätzen in ungeheurer Anzahl zu finden. Etwa ein Dutzend Blätter, die sich am Ende des Stiels fächerförmig ausbreiten, und gegen 18' lang sind, zieren ihren Gipfel. Ihre Höhe beträgt manchmal über 100'. Sie liefert den Indianern viele Dinge zu ihrem Lebensunterhalt: die Blätter werden gespalten und zu Tauen und Bindfäden verarbeitet; das Mark der Stiele reihenweise mit den aus Blattfasern gedrehten Schnüren zusammengebunden, gibt leichte und sehr zweckmässige Segel.
Ehe die Blüthentrosse sich öffnet, läuft aus einem, zu diesem Zweck unten in den Baum gemachten Einschnitt eine Menge süssen Saftes, welchen die Arowaken wie Wein trinken. Wenn der Stamm umgehauen und ein, etwa 4' langes Loch hinein gemacht ist, wird das Mark desselben von den Larven eines grossen Rüsselkäfers (Curculio palmarum), welche Cabbiswürmer genannt und für eine grosse Leckerei gehalten werden, zernagt gefunden. Sie sind fingerslang, daumendick, nankinfarbig, fühlen sich fett an, und haben einen braunglänzenden harten Kopf. In Butter gebacken und mit Pfeffer bestreut gehören sie gewiss zu den feinsten Delicatessen Surinams.
Die Früchte dieser Palmen sind von der Grösse eines mittelmässigen Apfels, braun von Farbe, zierlich wie ein noch nicht reifer Tannenzapfen geformt, und sitzen zu Hunderten an der Blüthentrosse. Sie wachsen manchmal in solcher Menge am Stamm, dass ich das Gewicht mancher Rispe zu 400 Pfund schätze. Die Indianer essen diese Früchte, obwohl sie nicht besonders gut schmecken.
In den Savannen sind viele Termitennester, die in kleinen, spitzigen Kegeln aus der Erde steigen, jedoch nie über 4' hoch sind. Hier nennt man diese kleinen, den Ameisen ähnlichen Insekten, deren Hinterleib weisslich und weich, der Kopf aber mit scharfen Zangen bewaffnet ist, Holzläuse. Sie leben gesellig wie die Ameisen und in solcher Anzahl, dass sie dieselben an Menge noch zu übertreffen scheinen. In den Wäldern findet man ihre Nester beinahe an jedem Baum und zuweilen so gross, dass alte Bäume unter ihrer Last erliegen. In alten Häusern, wo sie ihre centnerschweren Nester, welche oft zwei bis drei Fuss im Durchmesser haben, ans Gebälke bauen, sind sie eine grosse Plage. Die Nester bestehen aus zernagtem Holz oder Erde; das Material hiezu wird manchmal weit hergeholt. Nichts ist vor ihnen sicher, und man hat Beispiele davon, dass Kleidungsstücke, welche in einem verschlossenen Koffer waren, in einer Nacht total aufgefressen wurden. Man bekommt sie aber nie zu sehen, weil sie bei ihren Raubzügen von zernagtem Holze oder Erde einen Gang bilden, der nach bestimmten Orten hinleitet. Bäume, Balken und dergleichen werden auch nur von innen ausgefressen, so dass man von aussen nichts bemerkt, obwohl diess bis zur Dicke eines Kartenblatts geschieht. Sie sind immer thätig und arbeiten Tag und Nacht an ihren Nestern, in welche, wenn sie verlassen werden, die Sabacarra (eine grosse Eidechse) häufig ihre Eier legen. Hühner werden von ihnen fett.
Tiger, Ameisenfresser und Hirsche sind die Bewohner der Savannen, und in den sie begrenzenden Wäldern sind Armadille und Kaninchen, sowie hühnerartige Vögel, als Powisen und Agamis, sehr häufig.
An manchen Stellen, wiewohl selten, findet man die Agave americana mit ihren manchmal 30' hohen Blüthenstengeln. Man macht von dieser nützlichen Pflanze keinen Gebrauch; nur Buschneger und Sklaven gebrauchen zuweilen ihre dicken Blätter als Seife, wesshalb man sie hier Ingisopo nennt.
Auf dem 2½ Stunden von Gelderland entfernten kleinen Posten Frederiksdorp blieben wir während der grössten Hitze des Tages. Drei Soldaten, zwei weisse und ein schwarzer, sind die ganze Besatzung. Sie müssen wechselweise die von Mauritzburg und Gelderland kommenden Briefe nach beiden Posten besorgen und ihren Lebensunterhalt von ersterem Posten auf dem Rücken herbeitragen; sonst lebt jeder nach seiner Weise. Manchmal passirt in 14 Tagen kein Mensch diesen Posten.
Das Land ist unfruchtbar und bringt nichts hervor; dennoch hielten diese Menschen wohl 100 Hühner auf dem Posten, die sich beinahe allein von Termiten und Heuschrecken nährten.
Zwei kleine Stunden weiter befindet sich der Posten Mauritzburg, an welchem wir Abends 5 Uhr ankamen. Dieser liegt in einer weiten, sumpfigen Savanne, und besteht eigentlich aus drei Plätzen, von welchen der erstere Wohnort des kommandirenden Officiers ist und Gouverneurslust heisst. Durch Citronenhecken ist er von dem andern, einem nahe gelegenen einzelstehenden Haus, »Markette«, abgesondert, in welchem die weissen Verbrecher der Colonie aufgehoben werden. Der dritte, eine Viertelstunde davon abgelegene heisst Mauritzburg, wo sich die Kaserne und Bäckerei, das Hospital und die Magazine befinden. In der Mitte des Weges führt eine Brücke über die Casiwinika, welche aus nahe gelegenen Sümpfen entsteht und in die obere Comowyne sich ergiesst. Unterhalb des Postens liegen an ihr zwei armselige Holzgründe, und auf den Savannen zwei Arowakendörfer. Etliche zwanzig Kühe waiden auf den Savannen und versehen die Haushaltung des Commandanten mit Milch. Ein Pferd ist zu seinem Dienste, und ein, von drei Mauleseln gezogener Wagen zum Transport der Kranken bestimmt, welche von den andern Posten, wo sich keine Aerzte befinden, abgeholt, und bei erlangter Gesundheit wieder zurückgebracht werden. Ein zweckwidrigerer Transport lässt sich nicht leicht auffinden; denn das Gerüttel auf den manchmal abscheulichen Wegen ist selbst für Gesunde unausstehlich, und für Kranke entweder eine Parforcecur, oder wenigstes ein Mittel, um sie noch kränker zu machen. Im Blockhause werden sowohl Civil- als Militärverbrecher verwahrt und zur Unterhaltung der Wege und Posten angehalten. Doch wird ihr Loos durch gutes Betragen sehr erleichtert.
Ich wurde schnell mit der Umgegend bekannt. Der Dienst war leicht und angenehm und alles lebte im Frieden, weil der allgemeine Friedensstörer, der Branntwein, nicht zu bekommen war.