Doch schon nach 14 Tagen wurde ich nach dem zwei kleine Stunden entfernt liegenden Posten Nepheusburg detachirt, um einen der zwei blanken (weissen) Soldaten, der nach der Stadt musste, abzulösen.

Dieser kleine, nur von zwei Weissen und einem Schwarzen besetzte Posten hat denselben Zweck, wie der, an der andern Seite sich befindliche (Frederiksdorp), und liegt in einer morastigen Gegend mitten im Walde. Ein grosses Haus, das einzustürzen drohte, war unsere Wohnung, und in den Regenzeiten schwammen Buschfische beinahe vor die Thüre.

Vor Gras und Strauchwerk sah man den Posten erst, wenn man sich ihm auf 15 Schritte genähert hatte. Früher, als die Besatzung stärker war, wurden bedeutende Gärten und Aecker unterhalten, und davon die andern Posten mit Gemüse versehen; denn der Boden ist sehr fruchtbar und ergiebig.

Apfelsinen-, Orangen-, Citronen- und Sauersackbäume waren hier in Menge. Ich, mein weisser und schwarzer Kamerad hatten gleichviel zu sagen, und es brachte desshalb jeder den Tag nach seiner Weise zu.

So angenehm auch das Nichtsthun Jedem war, waren es doch ein paar Dinge, die zu diesem Schlaraffenleben gerade nicht passen wollten, z. B. das Uebertragen der Briefe, welches von uns wechselweise, oft mitten in der Nacht, oder beim heftigsten Regen besorgt werden musste. Ferner war man genöthigt, die Lebensmittel in Mauritzburg zu holen, was jede Woche zweimal geschah. Hiezu bedienten wir uns eines aus Palmblättern geflochtenen Tragkorbs, Balatta genannt, den ich gar oft, mit zwei Boschen Bananen und zwölf Pfund Brod befrachtet, durch Dick und Dünn trug, oder bei brennender Hitze nach Hause schleppte. Unsere Kleidung war daher auch diesem Geschäfte angemessen. Schuhe wurden beinahe nie gebraucht, da sie leicht im Koth stecken blieben, und die Hosen wurden durch das Schneidgras so zerfetzt, dass sie wie mit Spitzen besetzt aussahen. Das Hemd zog ich blos an, wenn ich mich dem Posten Mauritzburg näherte, oder wenn wir Besuch erhielten, was jedoch wenig der Fall war. Daher sah auch meine Haut so braun aus, wie die eines Mulatten. Doch hatten diese Beschwerden auch ihre guten Seiten.

Auf den Wegen nach beiden Posten fing ich manches schöne Insekt, und beim Nachhausekommen fand ich stets eine Schüssel Bananen, welche von meinen Kameraden gekocht waren, und wobei mir das Herz im Leib lachte. Besonders schlecht war der Weg nach dem Posten Imotappie. An beiden Seiten desselben, der etwa 50' breit ist, sind zwei tiefe Gräben, in denen sich die Waldwasser sammeln, die bei anhaltendem Regen austreten und den Weg überschwemmen. Breites, schneidendes Gras, das bei der üppigen Vegetation wohl 12' hoch wächst, bedeckt den ganzen Weg so dicht, dass man kaum einen Schritt voraussehen kann. Es ist überhaupt nicht möglich, die Mühseligkeiten dieser, obwohl nur zwei Stunden langen Strecke zu beschreiben; oft watet man bis um die Kniee im Morast; beinahe jeden Augenblick wird man ins Gesicht, in die Füsse oder Hände geschnitten; dabei erfrischt kein Windzug in dieser drückenden Schwüle. Der ganze Cordonweg wird alljährlich durch Plantagen-Neger, welche das Gouvernement bezahlt, abgemäht und ausgebessert; aber dennoch kann man die Einflüsse der Witterung nicht unterdrücken.

Einige Tage nach meiner Ankunft bereitete mein Kamerad einen mir noch unbekannten Trank aus einer Palmenart, den ich zwar noch nicht gekostet, aber schon oft hatte rühmen hören; man nennt ihn Cumu.

Eine, etwa 60' hohe Palme (Oenocarpus Comon. Aube), welche der Königspalme ähnlich ist und in sandigen Wäldern wächst, treibt eine über 3' lange Traube in Gestalt eines Pferdschweifes, an deren Stielen oder Schnüren Tausende von Beeren sitzen, welche so gross wie eine Flintenkugel und von dunkelbrauner Farbe sind. Die Frucht ist eigentlich nur ein runder, harter, von einer fleischigen Haut überzogener Stein. Sie wird von Vögeln und Affen sehr gerne gefressen, und ist ein vortreffliches Futter für die Schweine.

Die Beeren werden in warmem Wasser eingeweicht, und dadurch wird in einer Viertelstunde das Fleisch so weich, dass es sich vom Stein durch Drücken abschälen lässt. Durch fortwährendes Drücken der Steine im Wasser wird dasselbe dick, chocoladfarbig, und man lässt es, wenn kein Fleisch mehr an den Steinen sitzt, durch ein indianisches Sieb, Menari, laufen, wodurch Haut und Steine zurückbleiben. Mit etwas Zucker vermischt ist der Trank fertig, gesund, nahrhaft, und mit dem Rahm der Milch zu vergleichen. Die breiartige, von den Steinen abgeriebene Masse wird von den Indianern ausgepresst, worauf sich auf der Oberfläche der erhaltenen Brühe ein klares, gelbes Oel zeigt, das gereinigt gut zum Bereiten der Speisen dienen könnte, von den Indianern aber zum Einschmieren der Haare verwendet wird.

Um die Frucht zu bekommen, wird der Baum umgehauen; die meisten haben bloss eine, manche zwei, aber selten drei Trossen und vom December bis Junius Frucht. Sie wachsen, wie alle Palmen, schnell, haben aussen hartes Holz, innen eine markige Substanz, die schnell voll Cabbiswürmern, essbaren Larven, ist.