Den Werth dieses Trankes lernte ich erst schätzen, als einmal auf Mauritzburg die Bananen unglücklicher Weise fehlten, und die dortige Besatzung von Reis, Mais und Maniok leben musste.
In dieser Zeit des Mangels assen wir bloss all ander Tage, und in der Zwischenzeit wurde von Cumu gelebt; Mais assen wir bloss zweimal, weil viele süsse Bataten (Convolvula batata) auf dem Posten wuchsen, die zwar hart und faserig, aber doch besser als Gänsekost waren.
Mein Aufenthalt in dieser Einöde gab mir manchfache Gelegenheit, Naturmerkwürdigkeiten mancherlei Art zu beobachten.
Im Gemäuer, auf dem unser baufälliges Haus ruhte, befand sich ein Bienennest von inländischen sogenannten Honig-Waschiwaschis. Sie gleichen in der Gestalt ganz den Bienen, sind aber schwarz, nur halb so gross und stechen nicht. Sie leben meistens in hohlen Bäumen oder in den von Termiten verlassenen Nestern, manchmal in so grosser Menge, dass ein Nest zwei europäische Bienenkörbe übertrifft. Ihr Honig, der klar, säuerlich und von vortrefflichem Geschmack ist, befindet sich nicht in Waben, sondern in runden, aus Wachs verfertigten Blasen, welche klumpenweise zusammenhängen, während die Waben, welche aus einer gelben und schmierigen Substanz bestehen, und geschmolzen nicht die geringste Aehnlichkeit mit Wachs haben, zum Aufenthalt der Jungen dienen. In Savannen, wo viele Blumen wachsen, findet man sehr viele Bienen, welche auch vorzugsweise die Blüthe der Palmen lieben.
Das schwarze Wachs wird von den Indianern zum Verpichen ihrer Corjaalen und zu Wachslichtern gebraucht; den meisten Honig findet man um die Zeit des Vollmondes. Man findet dreierlei verschiedene Arten Bienen von gleicher Grösse, nämlich zwei schwarze und eine gelbliche. Ob sie sich in der Lebensart von einander unterscheiden, weiss ich nicht. Sie vertheidigen ihre Wohnungen sehr tapfer, setzen sich in Haare und Kleider und beissen wacker darauf los.
Um die verschiedenen Arten Ameisen, welche ich sah, richtig zu beschreiben, musste ich die Erfahrung vieler Jahre haben, da sowohl ihre Anzahl als ihre Verschiedenheit unbeschreiblich gross ist.
Die merkwürdigsten sind ohne Zweifel die Wander-Ameisen, die zu sehen ich nur einmal Gelegenheit hatte. Sie waren eines Morgens in ungeheurer Menge in der Kaserne in allen Löchern und Ritzen verbreitet; nicht ein Tausendfuss, Kackerlack oder Scorpion, wie flink sie auch sein mochten, entkam diesen mörderischen Insekten. Was sie einmal fassten, hielten sie so fest, dass sie sich lieber den Kopf abreissen liessen, als es loszulassen. Zu Zwanzigen hingen sie an einem Tausendfuss, und bissen ihm seine Füsse ab. Unter dem Dach hatten sie ihr Hauptquartier, wohin sie auf den Seitenbrettern der Treppe liefen und sich in einer Ecke an einen Balken wie ein Bienenschwarm anhingen, welcher Klumpen wohl 2' lang und 1' dick war. Die immer auf- und abmarschirenden Ameisen trugen übrigens nichts in ihr Nest, sondern frassen wahrscheinlich Alles gleich auf. Sie schienen viele Anführer zu haben, die sich durch ungeheuer dicke Köpfe und gewaltige Fresszangen auszeichneten. Der ganze Haufen blieb zwei Tage auf dem Posten und verschwand eben so schnell, als er gekommen war. Eine andere Art von derselben Grösse, doch braunrother Farbe, nennt man Cassave-Ameisen. So nützlich die vorigen sind, da sie die Häuser vom Ungeziefer reinigen, so schädlich sind diese, weil sie oft in einem Tage einen Acker total kahl fressen können. Sie leben gemeinschaftlich in Nestern unter der Erde. Man erkennt diese an kleinen Hügeln, welche manchmal bei einer Höhe von 6' oft 20 Schritte im Umkreise haben. Die einzelnen Nester sind von der Grösse eines Kopfes, und von einer aschfarbenen, leicht zu zerreibenden, blätterartig auf einander liegenden Substanz zusammengestellt. Junge und Eier sind nicht in den Waben, sondern in den unregelmässigen Zellen der Zwischenräume. In der Mitte findet man Blätter, Körner und Knospen, die sie zusammentragen, und in Ruhe zum Nahrungsbrei für die Jungen zernagen. Alle diese einzelnen Nester stehen durch Gänge mit einander in Verbindung, und es befinden sich manchmal 200 an der Zahl in verschiedener Tiefe, 1-6 Fuss unter dem Boden, so dass man tagelang arbeiten muss, um ein solches Nest auszurotten. Dabei vertheidigen sich die mit grossen, scharfen Zangen bewaffneten Ameisen aufs Hartnäckigste, beissen aufs Grimmigste in Hände und Füsse und lassen sich lieber den Kopf abreissen, ehe sie loslassen.
Zu diesen gemeinschaftlichen Nestern führen über der Erde regelmässige, einen halben Fuss breite Wege von wenigstens einer Viertelstunde Länge nach dem Platze, wo sie ihre Verheerungen anrichten. Diese Wege sind von Gras und allen Blättchen gereinigt, damit die mit Raub beladenen Insekten nicht gehindert sind. Ihr Fleiss, sowie ihre bei der Arbeit beobachtete Ordnung und Ueberlegung sind bewundernswürdig.
Ein Baum wird bloss von einer Seite bestiegen, worauf sie sich in die Blätter vertheilen und mit ihren Zangen so grosse Stücke abschneiden, als sie zu tragen vermögen. Ist das Blättchen abgesägt, so wird es mit der Fresszange gehalten und mit den Vorderfüssen so gerückt, dass es aufrecht zu stehen kommt; hierauf wird schwankend unter der Last der Rückweg angetreten. Es kostet viele Mühe, den Baum hinabzukommen; sie lassen aber dessenungeachtet ihr Blättchen nicht fahren, und treten unverdrossen den manchmal eine Viertelstunde langen Rückweg an. Wenn der Weg übers Wasser geht, klettern sie an Bäumen hinauf, um durch die Zweige auf andere, an der Ueberseite sich befindliche Bäume zu kommen und ihren Weg fortsetzen zu können. Im Innern des Landes halten sie sich sehr häufig auf. Sie haben kein bestimmtes Futter, sondern tragen Mais, Cassaven, Orangen, Mangos und Blätter verschiedener wilder Bäume weg.
Im December fliegen die Weibchen in grosser Anzahl umher. Sie sind viel grösser, als die Männchen und haben einen dicken Leib. Ihre Flügel sind ihnen mehr zur Last als zur Hülfe gegeben, weil sie leicht abbrechen, und das nun hilflose Geschöpf von allerlei Vögeln aufgefressen wird. Die Buschneger fangen sie in Masse und essen den dicken Leib gebacken oder geröstet. Sie schmecken ungemein angenehm; doch braucht man viel, um satt zu werden.