Diese Ameisen sind eine furchtbare Plage für den Landbau; man umgibt desswegen im niedern Lande ihre Hügel mit Gräben, in welchen das Wasser sich sammelt und so die Nester durchdringt, im höhern aber ist Ausgraben schlechterdings nöthig.

Indianer und Neger glauben, dass sich die blinde Schlange, eine wurmförmige Eidechse (Coecilia –?) in den untersten Nestern aufhalte und von den Ameisen gefüttert werde.

Andere Ameisen erregen durch ihren Biss ein heftiges Brennen auf der Haut. Sie sind meistens so klein, dass man sie erst dann bemerkt, wenn man sie fühlt. Diese sind in den Häusern die lästigsten, weil sie an alle Esswaaren, sie seyen gesalzen oder süss, gehen, so dass man sie kaum vor diesen Thieren sichern kann.

Ausser Ameisen und Holzläusen hatten einige hundert Fledermäuse den Giebel in verjährtem Besitz, und belästigten uns durch den immerherabfallenden Unrath, noch mehr aber durch ihr unaufhörliches Gezwitscher, und so wenig Gesellschaft wir auch von Menschen hatten, um so mehr war unsere Einöde von Thieren aller Art belebt. Kaum graute der Morgen, als im nahen Busch die Wakagos (Ortalida paragua), hühnerartige, bräunliche Vögel mit langem Schwanze, ihr gellendes Geschrei anhoben. Raben und Papageien, die im Mauritzenwäldchen, das an's Haus stiess, nisteten, schrieen uns den ganzen Tag die Ohren voll.

In einer Citronenhecke hingen einige Dutzende, drei Fuss lange, sackförmige Nester von Bananenvögeln (Cassicus), die gar nicht wild sind und gern in der Nähe der Menschen wohnen. Diese Vögel, wahre Affen unter den Luftbewohnern, ahmen alle möglichen Stimmen nach; bald schreien sie wie Hühner, bald wie Affen, verdrehen dabei ihre Augen und machen tausenderlei Possen. Sie sind immer in Truppen beieinander, und bauen ihre Nester immer an's Ende von meist dornigen Zweigen, wobei sie diejenigen vorziehen, an welchen grosse Wespen sich angesiedelt haben. Es herrscht zwischen beiden so ungleichen Thierarten eine merkwürdige Freundschaft; denn ich habe häufig bemerkt, dass, wenn die Vögel beim Durchfliegen ihre Nester auch berührten, sich diese Insekten nicht darum bekümmern, es aber einen Menschen, der diess zu thun wagen würde, schwer büssen lassen würden.

Der Bananenvogel hat die Grösse einer Amsel; er ist schwarz, hat jedoch einen goldgelben Schwanz und Rücken, einen weissen Schnabel und hellblaue Augen.

Eine andere Art derselben Grösse ist statt gelb brennendroth, lebt aber ebenso. Die Nester sind sehr merkwürdig und bilden einen zwei bis drei Fuss langen Sack, dessen Oeffnung aber wie ein Backofen überwölbt ist; sie sind netzartig, mit einer Art Gras überflochten und elastisch. Pfefferfrasse sind ebenfalls sehr häufig; sie sitzen gegen Abend auf den höchsten Bäumen, wo sie sich bald nach dieser, bald nach jener Seite wenden und ihre gellende Stimme erschallen lassen.

Doch all diess Geschrei ist nichts gegen das Concert, das in der Regenzeit des Nachts ertönt, und keine Feder ist im Stande, davon eine richtige Idee zu geben.

Kaum ist die Sonne untergegangen, so ertönen in den, den Posten umgebenden Orangen- und Sauersackbäumen grässlich schnarrende Töne von grossen Laubfröschen, accompagnirt von dem tiefen Bass einer ungeheuren Kröte, die auch im Sumpfe sich ihres Lebens freut und ihren feierlichen Gesang durch ein schallendes Gelächter oder Pausen endigt. Kleine Kröten, die in den Gräben zu Hunderten sitzen, quacken unaufhörlich im höchsten Diskant, und Legionen Scheerenschleifer (Cicaden), die im Wald herumschwärmen und die man ¼ Stunde weit hören kann, ersetzen den Chor. Von Zeit zu Zeit ertönt aus der Ferne der melancholische Gesang einer Nachtschwalbe (Caprimulgus lud.), der sechs Töne der abwärts gehenden Scala umfasst, oder der kleinen Eule, »Urukuku«, nach ihrem Rufe so genannt. Zählt man noch hiezu die lieblichen Stimmen von einigen Brüllaffen, deren Geschrei selbst das Gebrüll eines Löwen übertönt, so ist ein Orchester besetzt, wie man kein zweites in der Welt finden wird.

Ich bin später noch auf andern Posten gelegen und habe viele Plätze besucht, aber den Lärm von Nepheusburg habe ich nie wieder gefunden; denn seine niedrige, ganz von Gebüsch umgebene Lage begünstigt diese Schreier.