Am andern Morgen fand ich rund um das Haus die Fussspuren eines grossen Jaguars, der verschiedene Male um dasselbe gelaufen seyn musste. Doch, obwohl Brokkodjokko mit schwergeladenem Gewehr die Umgegend durchstreifte, konnte er ihn nicht mehr finden.

Denselben Tag waren 10 Zimmerneger unter der Leitung eines gleichfalls schwarzen Meisters angekommen, um aus dem alten Hause ein kleineres neues zu machen, freilich so wohlfeil als möglich. Dieses sollte, 18' im Quadrat, unten und oben eine Kammer enthalten und 27' im Giebel hoch seyn. Unter das Dach der Küche, das ohne alle Seitenwände blos auf vier 12' hohen Pfosten ruhte, wurden Bretter gelegt, um mir indessen zur Wohnung zu dienen, die man vermittelst einer Leiter bestieg. Sie war gerade so lang, dass man eine Hängematte hängen, und so hoch, dass man in der Mitte etwas gebückt stehen konnte; dabei wimmelte es von Fledermäusen, die Jahre lang diess Haus in ungestörter Ruhe besessen hatten, und hundertmal von mir verjagt, immer wieder zurückkamen. (Hier habe ich die zwei grössten Tausendfüsse gefangen, die über 10" lang waren.) Fenster gab es nicht, auch hatte ich sie nicht nöthig, da ich mich meistens unter dem Hause im Freien aufhielt.

Der Guide schlief in dem Schuppen, den die Zimmerneger für sich aufgerichtet hatten. Ich war also mit meinem Tiger, der schon den zweiten Tag viel von seiner Wildheit verloren hatte, und sich ganz wie eine junge Katze betrug, des Nachts allein. Seine Stimme war rauher und sein Gang unbeholfener als bei einer Katze. Alle zwei Tage schlachtete ich ein Huhn für ihn, da er durchaus nichts anderes fressen wollte. Er hielt sich stets in meiner Nähe auf und spielte mit dem kleinen Hund des Guide wie mit seines Gleichen.

Eilf Morgen hintereinander sahen wir die Spuren des Alten, der ums Haus herumschlich und sich sogar in den Kamp der Zimmerneger wagte, wo er einen Neger, der Bananen röstete, so erschreckte, dass dieser ein Zetergeschrei erhob, und Alles mit Aexten und Hauern bewaffnet herbeieilte. Da ich etwa 50 Schritte davon entfernt allein schlief, so hielt ich es für rathsam, jede Nacht die Leiter heraufzuziehen, und mich so auf diese Weise förmlich zu verschanzen. Weder der Wachsamkeit Brokkodjokkos, noch der Zimmerneger gelang es, auf den Tiger schiessen zu können, der endlich von selbst wegblieb. Fünf Wochen lang hatte ich den jungen Tiger beinahe ausschliesslich mit Hühnern gefüttert; als diese zu Ende waren, musste ich ihm abgezogene Fledermäuse vorsetzen. Er frass sie zwar, doch bekamen sie ihm so schlecht, dass er vier Tage nachher starb. Für seinen Kopf bekam ich acht Gulden Schussgeld vom Gouvernement.

Am Zimmermeister, der holländisch sprach, hatte ich nun wieder einen Gesellschafter. Seine Neger besuchten frühe, ehe ich aufstand, meine Maschoas und stahlen die Fische. Dagegen konnte ich nichts thun, als ihnen zuvorzukommen; desswegen lief ich häufig, noch ehe der Tag anbrach, dahin, um nicht bestohlen zu werden.

Der Bau des Hauses wurde wenig gefördert; denn Meister und Gesellen machten es sich so gemächlich als möglich. Vieles Holz zu Balken musste aus dem Walde geholt werden.

Dabei geschah es einmal, dass die Neger eine 14' lange Capassischlange (Trigonocephalus rhombeatus) tödteten und nach Hause brachten[ [3]. Es ist diess die giftigste der einheimischen Schlangen, die mit der Klapperschlange in der Zeichnung und Farbe grosse Aehnlichkeit hat, doch bedeutend länger und im Verhältniss nicht so dick ist. Sie ist braun, hat grosse, viereckige, schwarze Flecken und Schuppen, welche oben einen erhöhten Kiel oder Rücken haben. Ihr Unterleib ist gelblich, die Giftzähne sind wohl 1½" lang. Der Tod soll manchmal augenblicklich auf ihren Biss erfolgen, Blut aus allen Poren und Oeffnungen des Körpers fliessen, und der getödtete Körper von keinem Aasvogel gefressen werden. Aus der Haut machte ich eine Mütze, den Kopf aber hatte Brokkodjokko abgeschnitten, um ihn zu dörren. Getrocknet und ganz zu Pulver gestossen, wird er noch mit Asche von gewissen Pflanzen vermengt und alsdann in die Schnitte gerieben, die vor dem Biss der Schlangen sichern sollen; darin war nun Brokkodjokko Meister. Er hing den Kopf über den Rauch, doch so nieder, dass ihn sein kleiner Hund erreichen konnte. Dieser, nicht so gelehrt wie sein Herr, wollte den Kopf fressen und blieb unglücklicherweise in den Zähnen des bereits halbgeräucherten Kopfes hängen. Er hing nun wie ein Fisch in der Angel; auf sein klägliches Geschrei eilten wir sogleich herbei, um ihn loszumachen. Er hatte eine kaum bemerkbare Wunde, aus welcher nicht einmal Blut floss, und doch war er nach einer halben Stunde todt; der todte Kopf hatte ihn getödtet.

Auf meinen Märschen nach Mauritzburg oder Imotappie sah ich stets eine Menge Affen, die sich in grossen Truppen hier aufhalten. Nie ging ich nach einem dieser Posten, ohne Hunderte von sogenannten Mungi-Mungis (Simia sciurea) zu finden, die auf den Bäumen herumgaukeln und sich unter tausend Fratzen entfernen, wenn sie Jemand erblicken. Sie sind die niedlichsten Affen Surinams, nicht viel grösser als ein Eichhörnchen, grünlichgrau, mit weissem Bauche und orangegelben Händen. Ihr rundes Köpfchen hat ein weisses Gesicht, einen schwarzen Mund und grosse, dunkelbraune, freundliche Augen. Der kurzhaarige Schwanz, dessen Ende schwarz ist, ist länger, als der Leib. Sitzt das Thierchen, so hält es ihn über den Rücken geschlagen. Diese zärtlichen Thierchen leben von Früchten und Insekten, und sind schwer nach Europa zu bringen.

Eines Morgens ging ich nach Mauritzburg. Als ich auf einem Platze ankam, wo sehr viele Ananas stehen, hörte ich ein mörderisches Geschrei von Affen, die, wie es schien, Händel mit einander hatten. Ich war neugierig, die Ursache zu wissen, legte desswegen meine Batatta auf die Erde und schlich in den Busch. Hier sah ich, wie sich etwa 20 Affen von der Art, welche man Kesi-Kesi (Cebus niger) nennt, und die von der Grösse einer Katze sind, um eine grosse, reife Ananas, welche sie gefunden und abgerissen hatten, auf dem Boden herum balgten. Sie war zu gross, um auf die Bäume geschleppt werden zu können, und zu stachlicht, um sie so stante pede aufzufressen. Ich trat hervor, und blitzschnell flogen alle auf die Bäume, von wo aus sie mit Verwunderung zusahen, wie ich ihre Ananas mitnahm und aufass.

Etwa hundert Schritte von der Kaserne stand am Rande des Waldes ein sehr hoher Baum, der, von keinen Lianen umgeben, in einer Höhe von etwa 60' seine ersten Aeste ausbreitete. An die äussersten Zweige hatten seit langer Zeit grosse, schwarze Ameisen ihre Nester angehängt, die aus einer gelben, schwammigen Substanz bestehen, welche man als Zunder gebraucht und in Paramaribo in kleinen Ballen verkauft. Die Quantität dieser Nester mochte wohl 6 Simri betragen haben. Viele Neger hatten schon versucht den Baum zu fällen, hatten dieses aber, seiner vielen Ausläufer und seines harten Holzes wegen, gehen lassen. Das Hinaufklettern hatte noch keiner versucht, weil diess eine reine Unmöglichkeit zu seyn schien.