Der Kommandant des Flügels hatte mir nun zur Säuberung des Postens zwei Neger gesendet, die einige Tage hier verweilten, und deren Arbeit ich nachzusehen hatte.

Eines Morgens ging ich mit der Flinte in den Wald und sah über mir auf dem genannten Baum etwas Schwarzes, das halb sichtbar durch die Blätter in den Bäumen herumkletterte. Ich hielt es für einen Kwatta (grosser schwarzer Affe, Ateles coaita) und legte darauf an, als eine klägliche Stimme mich bat, nicht zu schiessen. Ich erkannte nun einen der zwei Neger, welcher den Zunder herunterholen wollte. Mit seinem Hauer hieb er die Aeste, welche Nester trugen, ab, und kam mit denselben auf den Posten. Wie der zwischen 60 und 70 Jahren alte Neger auf den Baum gekommen war, erfuhr ich nie; er ertrank auch kurze Zeit nachher in der Casawinika.

Ein guter Freund, der auf dem Posten Armina lag, hatte mir schon vieles Schöne von diesem Platze geschrieben und den Wunsch in mir erregt, ihn zu besuchen. Es war der äusserste Posten des Landes, welcher einsam an der Buschnegergrenze am Marowyne lag. Eine Patrouille von schwarzen Soldaten ging jeden Monat dahin ab, um den Sold zu bringen und die Militärrapporte zu holen. Man sprach viel von dem mühsamen Weg, der durch grosse Moräste und tiefe Kreeken und über 72 Berge führen sollte, daher besonders in der Regenzeit schwierig sey. Aus diesem Grunde werden nur Guiden zu diesen Patrouillen gebraucht, und nur in besonderen Fällen macht ein Blanker die Reise mit. Mein Kommandant erlaubte mir aber, statt eines Guiden dahin gehen zu dürfen, worauf ich für acht Tage, denn so lang dauerte die Reise, Lebensmittel erhielt. Diese bestanden in 8 Pfund Zwieback, 4 Pfund Speck, 4 Pfund Fleisch und 8 Pfund Reis, wozu ich noch Caffee, eine Flasche Zucker und Cacao beifügte. Ein Ränzel mit Kleidungsstücken, ein blechener Topf zum Kochen, ein Kistchen und Netz zum Schmetterlingsfang, ein Gewehr und ein Hauer mussten ebenfalls mitgenommen werden. Als diese Wirthschaft auf meinem Rücken rangirt war, schien es mir selbst unmöglich, so weit kommen zu können.

Für die Dauer meiner Reise wurde ein anderer Soldat nach meinem Posten gesandt.

Erst gegen 11 Uhr verliess ich Mauritzburg in Begleitung zweier Guiden, und zog abwechselnd durch Savannen und Hochwald nach dem sechs Stunden weiter entfernten Posten Oranjebo. Unterwegs findet man weder einen Posten, noch eine Pflanzung. Etwa noch eine Stunde vom Posten entfernt, kamen wir gegen Abend an zwei Moräste, durch welche man bis an die Hüften nicht bloss im Wasser, sondern in einem Brei von stinkendem Schlamm marschiren musste. Gegen 7 Uhr kamen wir auf dem Posten an, wo mich meine Kameraden durch ihre Gastfreundschaft für die Mühseligkeiten meiner Reise entschädigten.

Oranjebo, am obern Comowyne, liegt gerade über dem Fussweg nach Armina, und dient, da es seiner geringen Besatzung wegen, die nur aus einem Korporal und 5 Mann besteht, doch nicht als Vertheidigungsposten zu betrachten ist, blos dazu, die Patrouillen über den Fluss zu setzen. Es liegt keine Pflanzung in der Nähe, und der nächste Posten Imotappie, wo sie ihre Lebensmittel holen, ist vier Stunden entfernt. Fische und Wild sind im Ueberfluss vorhanden, und der obere Comowyne ist wegen seiner köstlichen Haimuras bekannt, eines 10 und mehr Pfund schweren Schuppenfisches, der sehr theuer bezahlt wird. Man fängt sie in zuckerhutförmigen Körben, durch die ein elastischer Stab läuft, der einen, am untern, breitern Ende befestigten Deckel aufgespannt hält. Ein Frosch oder ein Stück Fleisch ist daran befestigt, und so wie der Fisch hineingeräth, fällt der Deckel zu. Der Korb wird unter Sträucher in's Wasser gesetzt und jeden Morgen nach ihm gesehen. Ein Soldat beschäftigte sich ausschließlich mit diesem Fang, und hatte stets einen Vorrath von Fischen.

Des andern Morgens um 7 Uhr betraten wir das jenseitige Ufer und kamen nach einer Stunde an eine grosse, stets unter Wasser stehende Savanne, welche mit Binsen und einzeln stehenden Mauritzen bedeckt war, in denen Legionen Papageien nisteten. Beinahe eine Stunde zogen wir, bis zur Hüfte im Wasser, über diesen Sumpf, welcher von der in der Regenzeit überströmenden Peninika und dem Tempati gebildet wird, und selbst in langen Trockenzeiten nicht austrocknet.

Durch eine Sandsavanne voll niederen Buschwerks war der Weg beinahe nicht zu finden, und nur an abgebrochenen Zweigen erkannten meine Schwarzen den Pfad. Dieser ging, wiewohl in steten Krümmungen sich hinziehend, doch stets südöstlich und von nun an durch einen Hochwald, der so dicht war, dass wir die Sonne nicht sehen konnten. Allmählich erhöhte sich das Land, und wir kamen über Hügel, an deren Fuss sich immer eine Kreek oder ein Sumpf befand.

Oft nöthigten uns umgefallene, ungeheure Bäume, sie zu umgehen oder über sie zu klettern. Ueber tiefe und reissende Kreeks lagen manchmal blos armsdicke Stangen, über welche man seiltänzerartig balanciren musste. Wir fanden zwei grosse Schildkröten, die wir zur Abendmahlzeit mitnahmen. Abends 5 Uhr kamen wir an einige, aus Palmblättern verfertigte Hütten oder Kampen, die zum Nachtlager von früheren Patrouillen gemacht worden waren. Hier hielten wir an, um zu übernachten. Bald brannte ein lustiges Feuer; die Schildkröten wurden geschlachtet; Bananen, welche die Guiden mitgebracht hatten, gekocht und in Schildkrötenbast, Tum Tum (Pudding von Bananen), gestampft. Es war diess eine herrliche Mahlzeit.

Zur Lagerstätte (die Guiden hatten ihre Hängematten bei sich) schnitt ich eine Menge Blätter ab und machte neben das Feuer mein Lager. Man band die Gewehre zusammen, und jeder legte sich schlafen, so unbesorgt, als zu Hause. An das Feuer kam eine Menge grosser, leuchtender Käfer (Elater noctilucus) brummend geflogen, von denen ich ein Dutzend fing und mit nach Mauritzburg nahm. Sie sind etwa 1¼" lang und olivenbraun; der Brustschild ist oben mit zwei bleichgelben, runden, an jeder Seite wie Augen aussehenden und etwas erhabenen Flecken besetzt, deren Licht so stark ist, dass man es selbst im hellen Sonnenschein bemerken kann. Die feinste Schrift lässt sich lesen, wenn man mit dem Insekte über das Gedruckte fährt, mehrere zusammen in ein Fläschchen gethan, machen ziemlich helle. Im Fluge zeigt sich ausser den Augen noch ein starkes, rothes Licht unter den Flügeln auf dem Rücken, das von den mittelsten Ringen herrührt und im Laufen bedeckt ist. Das Licht der Augenflecken kann der Käfer vermindern oder vermehren.