Die Nacht war ziemlich kalt, so dass mir ein warmer Caffee, der schnell bereitet war, gut bekam. In der Hütte liessen wir einen Theil unserer Provision für die Rückreise, und zogen nach beendigtem Frühstück weiter.
Beim Herabsteigen eines ziemlich hohen Bergs wurden wir auf einem wenig belaubten, hohen Baume zwei Kwattas (Ateles coita) gewahr, die sich in der Morgensonne wärmten. Der eine erblickte uns, ergriff den andern beim Schwanze und machte ihn auf uns aufmerksam. Sie sahen uns bedächtig an und machten sich erst, als ein Guide auf sie anlegte, mit einem verwunderungsvollen O! O! aus dem Staube.
Das Land wurde nun immer höher. Mittags kamen wir an den sogenannten rothen Berg, der auf der einen Seite sehr steil, beinahe lothrecht ist und durch Klettern erstiegen werden muss. Er kann etwa 150' hoch seyn. Auf seinem Gipfel befinden sich mehrere grosse Bäume, in welche man gewöhnlich den Namen einschneidet, um die Heldenthat, diesen Berg erstiegen zu haben, zu verewigen.
Eine klare, eiskalte Kreek fliesst an seinem Fusse. Abends 5 Uhr hörten wir das Brausen der Marowyne, die über zahllose Klippen cascadenweise stürzt.
Unsere Abendmahlzeit bestand wieder in Schildkröten, deren es in dieser Gegend sehr viele gibt. Die Nacht ward ebenfalls im Kampe zugebracht. Gegen 9 Uhr des andern Morgens sahen wir von einer Anhöhe aus den prächtigen Strom mit seinen Inselchen und Klippen, sowie den Posten in einem Walde von Bananenbäumen vor uns liegen. Ungesehen kamen wir in den Bananengrund, wo wir drei Schüsse, das Zeichen der Patrouille, abfeuerten. Alles stürzte uns entgegen; denn Jedermann verlangte nach Neuigkeiten, deren man auf diesem so einsamen und abgelegenen Posten so wenig erfährt. Mein Freund aber, um dessenwillen ich die Reise gemacht hatte, war vor 14 Tagen gestorben.
Der Posten, von einem Lieutenant commandirt, bestand etwa aus 24 Mann, 8 zum Transport der Lebensmittel bestimmte Neger ausgenommen. Auch ein Hospital und ein Doctor befanden sich hier. Alle Gebäude, meistens aus Pinapalmen (Oenocarpus?) errichtete Hütten, unter denen bloss das Kommandantenhaus aus Brettern besteht, waren von Pallisaden umgeben, und umschlossen einen viereckigen Platz, um welchen gut erhaltene Hecken von Lianen sich zogen, und in dessen Mitte ein Flaggenstock und Sonnenweiser standen.
Die Kaserne war höchst baufällig, hatte nicht einmal einen Fussboden, und war auch desshalb, wenn der Strom austrat, nicht bewohnbar.
Das Land ist ausserordentlich fruchtbar, und die Gärten der Soldaten, deren jeder einen hatte, lieferten Gemüse und Feldfrüchte im Ueberfluss.
Nie kann hier unter der Leitung eines verständigen Kommandanten Mangel eintreten, und der jetzige hatte sein Möglichstes gethan, um durch Zwang und gute Worte die Leute seines Detachements zu ihrem eigenen Wohl zur Arbeit anzuhalten. Mit Fischen und Wild wurde man täglich von Buschnegern und Indianern versorgt, welche Salz dafür eintauschten.
Der Posten ist ungeachtet seiner schönen Lage als sehr ungesund bekannt; es starben auch in selbigem Jahre von der Besatzung, die 16 Mann betrug, sieben; doch herrscht diese Sterblichkeit nicht jedes Jahr, auch getraue ich mir nicht, sie allein dem Klima zuzuschreiben.