Gemeiniglich werden nach solchen weit abgelegenen Posten die unbrauchbarsten und schlechtesten der Compagnie gesandt, deren Gesundheit durch langes Saufen zerrüttet ist, und die sich nun an eine Lebensweise gewöhnen müssen, bei welcher man nicht immer Branntwein haben kann. Manchmal kaufen sie heimlich von Buschnegern grosse Krüge Dram, den diese von Paramaribo mitbringen und sich theuer zahlen lassen. Diesen trinken sie dann um so gieriger, je länger sie ihren Lieblingstrank entbehren mussten.

Die Nächte sind kühl, die Tage aber drückend heiss, weil die vielen Felsen eine grosse Hitze zurückwerfen. Ich besuchte den eine Viertelstunde vom Posten entfernten, in der ganzen Colonie seiner Grösse wegen bekannten Mama- oder Cattantreebaum (Bombax ceiba), den grossen Abgott der Aucaner-Buschneger, zu welchem ein durch den Wald gehauener Weg führte. Der etwa 80' hohe Stamm dieses prächtigen Baumes hat gegen 8' Durchmesser, und bildet mit seinen Ausläufern oder Sprossen, die bis zu einer Höhe von 10' gehen, grosse Kammern, worin sich verschiedene Personen verbergen können. Er ist ganz mit stumpfen Stacheln bedeckt. Das Eigenthümliche dieser Bäume ist, dass sie nicht alle Jahre blühen und in der Blüthezeit keine Blätter haben. Die Frucht ist von der Grösse eines Gänseeies und enthält eine Menge der feinsten, hellbraunen Seide, die, in die Hülle dicht gepresst, viele schwarze Samenkörner umgibt. Blätterlos, nur mit seinen Früchten behangen, steht der Baum des Abends da; knallend öffnen sich die Früchte meistens in Einer Nacht, zerstreuen ihren Inhalt in grossen Flocken, und des Morgens steht dieser Riese des Pflanzenreichs in einem seidenen Mantel, der von allen Zweigen niederhängt und einen wundervollen Anblick gewährt. Die Colibris machen hauptsächlich mit dieser Seide ihre Nester. Sind die Früchte abgefallen, so kommen die Blätter zum Vorschein. Das Holz ist weich und schwammig und desshalb nicht brauchbar.

Dieser Baum also wurde von den Aucaner-Buschnegern verehrt. Wenn sie von ihren Dörfern kamen, so opferten sie Fleisch und Fische; kamen sie dagegen von Paramaribo, so wurde er mit Wein oder Dram tractirt. Die Soldaten des Postens halfen gleich nach dem Abgange der Neger dem Gott von seinen Eiern und Getränken; Flaschen, Teller und Brabis (Buschnegerschüsseln von gebranntem Thon) aber lagen haufenweise in den Kammern des Baumes, und drei, ebenfalls enorme Cottontrees standen in einiger Entfernung.

Ausser diesem Abgotte, der seinen bleibenden Tempel hier hatte, zeigte sich zuweilen auf Armina eine Göttin höchsten Ranges, die sogenannte Wassermama. Man hatte sie einigemale auf dem Felsen sitzen sehen, doch konnte ich auch von denen, die sie gesehen haben wollten, nichts über ihre Gestalt und Farbe hören.

Man glaubt, dass der Manati die Veranlassung zur Fabel von Meermenschen gebe; doch hier wenigstens kann diess nicht der Fall seyn, da ein so schwerfälliges Thier nicht bis an die Klippen des obern Marowyne kommen kann.

Merkwürdig ist die Menge von Fledermäusen, die sich in den Häusern des Postens aufhalten. Gegen Sonnenuntergang sieht man Wolken derselben aus ihren Schlupfwinkeln nach der französischen Seite ziehen, und die Soldaten sind genöthigt, die ganze Nacht hindurch Licht zu brennen, um nicht gebissen zu werden. Diess ist die einzige Plage, welcher man hier ausgesetzt ist.

Den dritten Tag nach unserer Ankunft verliessen wir Armina wieder. Mein Jagdgewehr hatte ich verkauft. Statt desselben hingen zwei Käfige (Koerikoeri) aus Varimbo, einer Art indianischen Rohrs, mit einem sehr zahmen Pfefferfrass und einem Papagey nebst einem Affen an meinem Ränzel festgebunden. Letzterer schrie immerwährend und erfasste jeden Zweig, den er bekommen konnte. Der Tucan, dessen langer Schnabel in dem kleinen Käfige nicht Platz genug hatte, starb nach ein paar Stunden.

Abends assen wir ein Fricassee von einem Leguan, den ich von Armina mitgenommen hatte.

Hier hörte ich im Kampe die Stimme eines Vogels, der, wie ich mehrere Jahre nachher sah, von der Grösse einer Taube und braunroth ist, und einen nackten kahlen Kopf hat. Ich kann sie nur mit dem Tone einer verstimmten Posaune vergleichen; sie ist auch so laut, dass sie am jüngsten Gericht leicht die Todten erwecken könnte. Die Indianer nennen ihn Kwau (Gymnocephalus calvus); er gehört in das Geschlecht der Fliegenschnapper.

Den zweiten Tag waren wir so nahe bei Oranjebo, dass wir sehr leicht noch vor Nacht hätten den Posten erreichen können; diess wollten übrigens die Guiden nicht, welche nicht gerne mehr thaten, als ihnen vorgeschrieben war.