Am vierten Tag war ich wieder auf meinem Posten zurück. Die Sümpfe verminderten sich in der Umgegend von Tag zu Tag, und es war nicht möglich, die Fische, welche ich in meinen Maschoas fing, aufzuessen. Täglich bekam ich Besuche von Kameraden anderer Posten, welche hier Fische fangen und essen wollten. Diese hatten sich aus dem Walde, wo Alles eingetrocknet war, in die Gräben, welche längs des Cordons hinliefen, zurückgezogen. Sie verbargen sich hier unter den Blättern von Wasserlilien, oder im Schlamme. Mit scharfen Hauern (Säbeln) wateten wir in die Gräben und schlugen die Stöcke und Blätter ab, um die darunter befindlichen Fische zu treffen. Jeder hatte seinen eigenen Distrikt, damit wir uns nicht gegenseitig verwundeten.

War alles klein gehauen, so durchsuchte man mit den Händen den Graben, und warf die verwundeten Fische ans Ufer. Ein alter Soldat, der mich besuchte, zog auf diese Weise eine etwa 3' lange Schlange hervor, die er für einen Aal hielt, und auch seinen Irrthum nicht bälder bemerkte, bis sie ihn in den Arm gebissen hatte. Glücklicherweise war auch Brokkodjokko hier, der in seiner Jagdtasche stets seine Zaubermittel mit sich führte, und jetzt mit wichtiger Miene sein schwarzes Pulver in die Wunde rieb. Der Biss hatte keine Folgen, vielleicht weil er unterm Wasser geschah[ [4].

Im Oktober und November fingen wir eine unglaubliche Menge der köstlichsten Fische. Alle Kreeken waren eingetrocknet, und ihre Bewohner zogen sich nach den Plätzen oder Löchern hin, wo noch etwas Wasser stehen geblieben war. Hier sah man sie manchmal zu Tausenden ihre Köpfe aus dem Wasser strecken, dabei sich so viel wie möglich sortenweise abgesondert halten, so dass man, wie in einem Fischhause, von jeder Art die schönsten und besten aussuchen konnte. Doch war diess ein schlimmes Geschäft, welches man nackt verrichten musste, und nach welchem man ein paar Stunden zur Reinigung brauchte. Der üble Geruch faulender Fische, welche schuhhoch längs der Gräben lagen, war unausstehlich, und Schaaren von Aasvögeln hielten hier immerwährend Mahlzeiten.

Hier sah ich unter den gemeinen Geyern einige Dutzende sogenannter Geyerkönige (Vultur papa), die sich durch ihre Schönheit vor den andern auszeichnen, auch im Fressen den Vorrang haben. Nie sah ich diese Vögel in solcher Anzahl, da sie sonst selten und nur einzeln gesehen werden.

Wir hatten 11 grosse Barbacats (von hölzernen Stäben verfertigte Roste) auf dem Posten errichtet, über welchen über 1000 Fische zum Räuchern lagen, obgleich wir kleine und schlechte nicht genommen hatten.

In dieser Zeit des Ueberflusses thaten auch die Zimmerneger ihr Möglichstes, um Fische zu fangen, und liessen Axt und Säge so lange ruhen. So kam es, dass erst in der Mitte Novembers ein Haus fertig wurde, das vier europäische Zimmerleute in drei Wochen, dazu noch besser und solider, aufgeführt hätten, als diese eilf Schlingel in vier Monaten.

Noch ehe ich meine neue Wohnung bezog, wurde ich, was anderswo noch nie geschehen war, von einer Fledermaus gebissen. Ich wachte Nachts auf und fühlte, dass ich über und über nass war. Um die Ursache zu entdecken, machte ich Licht und fand zu meinem grössten Erstaunen, dass Hemd und Hängematte von Blut trieften. Dieses rann mir, ohne dass ich den mindesten Schmerz fühlte, aus der Nasenspitze, wo ein linsengrosses Stückchen abgebissen war. Man hatte sonst nie Vampyrs auf Nepheusburg bemerkt, und wahrscheinlich wurden sie durch die Ausdünstung der Neger herbeigezogen. Meine Hühner wurden in der Folge jede Nacht gebissen, und wie sorgfältig ich auch ihren Stall schloss, fand ich doch jeden Morgen neues Blut, das aus Hals, Füssen und Kamm tropfte. Sie wurden dadurch so geschwächt, dass sie nicht mehr auf ihren Stöcken sitzen konnten. Aniswiriwiri, Blätter einer nach Anis riechenden Staude, zum Geschlecht des Pipers gehörend, halfen auch nicht, wiewohl die Fledermäuse deren Geruch nicht ertragen können.

Auf vielen Pflanzungen werden Pferde und Vieh so von Fledermäusen gebissen, dass sie mager werden und sterben. Der Geruch eines Bocks, den man im Pferdestall hält, soll sie ebenfalls verscheuchen. Zur kleinsten Oeffnung kriechen diese Thiere hinein, und wo ihnen der Raum nicht zu fliegen gestattet, da kriechen sie.

Das Haus war endlich fertig und stund mitten auf dem Wege, gewährte daher die Aussicht nach beiden Seiten des Cordons, und war desshalb viel zweckmässiger, als das frühere.

Der Zimmermeister mit seinen Gesellen hatte uns verlassen, und an die Stelle lärmender Arbeit traten wieder Einsamkeit und Stille.