Um diese Zeit ging eine Buschpatrouille aus der obern Comewyne-Division in die Sümpfe und Wälder an der Tampati und dem Peninika-Kreek, wo, wie man erfahren hatte, ein Dorf von weggelaufenen Sclaven bestand. Alles ward geheim gehalten, und ausser dem Commandanten der Patrouille wusste Niemand, wohin es gehen sollte.
Einige Tage nach deren Zurückkunft sass ich gegen 8 Uhr Abends in meiner Kammer und las, als ich Brokkodjokko, der Bananen röstete, laut »Wer da?« rufen hörte. Neugierig zu wissen, wer so spät noch ankäme, öffnete ich den Laden und sah etwa 50 Schritte vom Hause entfernt eine in Weiss gekleidete Person. Unbeweglich stand dieselbe, und auf meine Aufforderung, sich erkennen zu geben, folgte keine Antwort.
Brokkodjokko hatte indessen geladen und schoss, worauf diese räthselhafte Erscheinung verschwand.
Zugleich hörten wir von verschiedenen Seiten des Waldes Negersignale, ein lautes Hoh, um sich einander zu erkennen zu geben. Ich dachte sogleich an die Patrouille und schloss, dass es durch sie verjagte Wegläufer wären, die des Weges unkundig den Posten passiren wollten. Wir luden unsere Gewehre, verschlossen das Haus und wachten die ganze Nacht; doch liess sich nichts sehen noch hören. Des Morgens berichtete ich den Vorfall dem Commandanten, worauf der Posten um einen Mann verstärkt wurde. Doch nicht lange mehr durfte ich mich der nun grösseren Sicherheit erfreuen, denn gegen das Ende des Jahrs kündete mir Brokkodjokko, der Lebensmittel von Mauritzburg brachte, mit Freudengeschrei an, dass ich zum Vicecorporal ernannt wäre. So stand ich endlich auf der Leiter zur höchsten Macht!
Fünfter Abschnitt.
Versetzung nach Mauritzburg. Gürtelthiere. Arowak-Indianer, Vanille. Schlangen und Mittel gegen den Biss. Aberglauben. Gefangene Sträflinge. Abreise von Mauritzburg. Ueberschwemmung. Post L'Esperance. Gewitter. Ankunft in Paramaribo. Militärischer Dienst. Abreise nach Nickerie. Reisegenossen, Post Poelepantje, Bakramasango, Uitkyk, Groningen, projektirte Stadt Columbia, Nassau, de Hoop. Ein unglücklicher Doktor. Das Holzetablissement Andresen. Zitteraal. Bivouac. Besuch bei einer Arowakenfamilie im Waiambo. Post Maratacca. Ein zänkisches Weib. Pflanzung Botanybai. Der Posten Nickerie und seine Umgebung. Militärischer Dienst. Ein spekulativer Jude. Pflanzung the Nursery. Waterloo. Mangel an Trinkwasser. Ueberfluss an Fischen. Der Kwikwi, der Kaiman, die Beutelratte. Jagden auf Wasservögel. Wachtdienst auf dem Beschermer. Fertigkeit der Indianer im Schwimmen. Buschpatrouille nach der Nauwaykreek. Die Boa. Der Prediger. Reise nach den Savannendörfern des Maratacca. Eine leuchtende Pflanze. Die Savannen. Die Awara-Palme. Ein weggelaufener Neger. Abreise nach Paramaribo. Der Posten Alsimo.
Ich hatte dieses Avancement der Empfehlung des Kommandanten zu verdanken, dessen Gunst ich besass und der im Laufe meiner Dienstzeit, wie noch später, mir viele Beweise seines Wohlwollens gab. Sein uneigennütziger, männlicher Charakter flösste jedem Untergebenen die Achtung vor ihm ein, welche der Soldat seinem Vorgesetzten schuldig ist.
Dienst und Ordnung waren auf dem ihm untergebenen Posten die Hauptsache. Alle Völlerei wurde aufs Strengste bestraft, dagegen aber dem, der seinen Pflichten nachkam, so viel Freiheit und Vergünstigung, als nur möglich war, gewährt. Nie waren vor der Zeit seines Kommando's die Wege und Posten in so gutem Zustande; denn die Neger, welche das Gouvernement zu diesem Zweck auf den Posten hielt, wurden nur dazu und nie zu seinem eigenen Vortheile verwendet.
Es befand sich weder ein Kaufladen, noch eine Herberge auf dem Posten, und der Soldat, der von da in die Garnison zurückkehrte, hatte Kleidung und Geld, und konnte während der magern Garnisonszeit sich damit gütlich thun.
Ich verliess Nepheusburg den 1. Januar 1838 und kam nun auf Mauritzburg zurück, wo ich unter den drei Korporalen der jüngste war.
Es fiel mir Anfangs schwer, mich in meine neue Lage zu schicken, die freilich von der freien, unordentlichen Lebensweise auf Nepheusburg sehr verschieden war. Meine Füsse, die so lange Zeit ans Barfussgehen gewöhnt waren, durfte ich jetzt nicht mehr ohne Schuhe sehen lassen, und ohne Hemd zu gehen wäre ein Criminalverbrechen gewesen.