Dessenungeachtet hatte ich überflüssig Zeit, um in den umliegenden Wäldern und Savannen nach Insekten zu jagen, und Bücher, welche mir der Commandant und der Doktor liehen, verscheuchten die Langeweile, wenn der Regen meine Wanderungen verhinderte. Einige Soldaten des Postens, die im Besitze eines zur Jagd von kleinem Wilde abgerichteten Hundes waren, brachten häufig Schildkröten, Armadille und Kaninchen nach Hause, die in den Waldungen der Umgegend sehr zahlreich sind. Von Armadillen, wovon das gemeine hier Capassi (Dasypus novemcinctus) genannt, häufig in sandigem Lande vorkommt, wo es sich in Höhlen unter der Erde aufhält, habe ich verschiedene Arten kennen lernen. Es sind dumme, nächtliche Thiere, die den Tag über wenig ihre Höhlen verlassen, und von Würmern und Insekten leben, die sie beim Wühlen finden.
Sie werden sehr fett, und man findet sie häufig 25 Pfund schwer. Ihr Fleisch ist weiss und mürbe, hat aber einen starken Moschusgeruch, den man ihm benimmt, wenn man es über Nacht im Salz- und Citronenwasser stehen lässt. Es wird beinahe allgemein gegessen.
Die zweite, sehr seltene Art ist Dasypus unicinctus. Dieses Thier ist kleiner als das vorige, etwa 1' lang und ½' breit. Der bloss mit einer starken, warzigen Haut bedeckte Schwanz ist spärlich behaart, hat aber am letzten Drittel Hornblättchen und von der Wurzel an 9" Länge. Der 3" lange und 2" breite Kopf ist oben mit 36 hornigen Plättchen bepanzert. Es hat 1½" lange und ebenso breite Ohren, 5 Krallen an den Vorder- und Hinterfüssen, von welchen die mittelste der ersteren 2" lang ist. Im Ganzen gleicht es viel dem grossen Gürtelthier, dessen Lebensart es auch hat. Die Indianer nennen es Katuberu, essen es übrigens nicht.
Das dritte endlich ist das grosse oder Riesengürtelthier (Dasypus gigas), von den Indianern Manuraima genannt. Es ist sehr selten und hält sich, wie die andern, in Höhlen sandiger Wälder auf. Ich habe dieses Thier bloss einmal bekommen, vergass aber, es zu beschreiben. Es kann gegen 80 Pfund schwer und, den Schwanz mitgerechnet, bei 6' lang werden; die Höhe beträgt dann etwa 20". Es ist ausserordentlich stark und obgleich es nicht beisst, noch sich sonst vertheidigt, so gräbt es sich doch so schnell ein, und hat so viele Gänge unter dem Boden, dass es kaum möglich ist, ihm nachzukommen. Seine Nahrung besteht ebenfalls in Würmern; man sagt aber, dass es sich auch von Aas nähre. Sein Fleisch ist ungemein fett und gut zu essen, wenn man ihm den starken Moschusgeruch genommen hat. Der Nagel der mittelsten Vorderzehe ist bei 6" lang.
Die Indianer, welche sich in der Nähe des Postens angesiedelt hatten, waren bald meine Freunde, und ich begleitete sie häufig auf ihren Jagdzügen. Ihre Hütten waren auf einer grossen Savanne am Rande des Waldes, in dem ein kleiner Bach floss, der ihnen Wasser und Fische gab. Sie gehörten zum Stamme der Arowaken, waren sehr faul, und zogen, wenn ihr Vorrath von Dram und andern Plantage-Produkten zu Ende war, nach den Pflanzungen der Comowyne, wo sie neuen bettelten.
Auf diesen Savannen finden sich viele wilde Ananas und in den Gebüschen eine Menge Vanille, deren schöne, hellgrüne, lederartige Blätter guirlandenartig von den Bäumen herabhängen und sich so verbreiten, dass eine Pflanze manchmal 20 Bäume bedeckt. Die Ranke, deren Blätter abwechselnd stehen, ist rund, fleischig, etwa daumendick und klammert sich mit kleinen Häkchen am Stamme an.
Die Blätter dieser Vanille sind länglich, oval zugespitzt, 10" lang, 4" breit und 1/8" dick. Die Blüthen sind gross, gelb und ohne Geruch, fallen häufig ab, so dass von 100 kaum 20 Früchte geben. Die Frucht selbst ist eine 7-8" lange, 1" dicke, dreieckig abgerundete Schale. Sie gleicht viel einer jungen Banane und wird unreif abgenommen, um das Aufspringen zu verhüten, sie ist mit feinen, schwarzen Körnern angefüllt, welche die wohlriechende Substanz ausmachen. Obgleich diese Vanille an Geruch und Kraft die gebräuchliche übertrifft, so ist sie doch kein Handelsartikel, und da sie schwer zu bekommen ist, auch nirgends angepflanzt wird, so wird sie wahrscheinlich es auch nie werden.
Eine andere Art von Vanille, mit breiteren, nicht so fleischigen Blättern, die an den Kreeken und Flüssen des höheren Landes wächst, liefert eine 7-8" lange und ½" breite, runde Schote von ebenfalls herrlichem Geruch.
Eine dritte endlich hat schon kleine, mehr herzförmige, fleischige Blätter und eine fingerslange, runde Schote.
Eine kleine halbe Stunde unterhalb des Postens liegt an der Cassawinika der kleine Holzgrund Copie, dessen Eigenthümer als Schlangenbeschwörer in der Umgegend bekannt war. Sie geniessen bei ihm zwar keinen Tanzunterricht, auch nimmt er sie nicht in die Hände, aber, was noch viel wunderbarer klingt, er pfeift sie stundenweit herbei. Gesehen habe ich diess zwar nicht, man führt aber so viele Thatsachen an, dass man es ungesehen glauben muss. Die Schlangen eilen auf den Pfiff herbei, was bei den meisten giftigen, die ein ziemlich bedeutendes Embonpoint haben, nicht sehr schnell gehen kann, und kommen, so sagt man, todtmatt zu des Meisters Füssen an. Man kann sie alsdann leicht tödten. Es wimmelt übrigens in der Umgegend von Schlangen und manche Ente wurde eine Beute derselben.