Da er vielseitig gebildet war, so waren auch die Erzählungen seiner Abenteuer höchst interessant. Auch in Handarbeiten, als Nähen, Strohflechten, Formschneiden u. s. w. war er vollkommener Meister. Holländisch wollte er nie lernen; wir sprachen desshalb immer französisch, und zugleich unterrichtete er mich im Englischen, wozu Popes Homer-Lexicon und Dictionair diente.
Mein Aufenthalt auf Mauritzburg dauerte nur fünf Monate; denn Anfangs Juni wurde ich abgelöst, um in die Garnison zurückzukehren.
Diess war nun wieder nicht nach meinem Sinn; doch hatte ich lange genug auf Posten gelegen, um darüber nicht mit Recht unzufrieden seyn zu können. Ausser mir wurden auch ein Corporal und sieben Mann dazu bestimmt, mit mir nach Paramaribo zurückzukehren. Es war gerade in der grossen Regenzeit. In Folge der heftigen Regengüsse, welche verschiedene Tage lang andauerten, war die Cassawinika so angeschwollen, dass die ganze Ebene von Mauritzburg bis Gouverneurslust einem See glich. Der Cordonweg zwischen beiden Posten war 2' tief unter Wasser, und nur der obere Theil der Cassawinikabrücke ragte noch als erhabener Punkt hervor.
Die Pont, welche uns nach Paramaribo bringen sollte, lag bei der Brücke und wir mussten desshalb bis um die Hüfte im Wasser marschiren, wobei man die Brücke immer im Auge zu behalten hatte, um nicht in die längs des Weges laufenden tiefen Gräben zu fallen, in welchen das Wasser über 10' tief stand. Aus Missverstand oder aus allzugrossem Diensteifer hatte der Sergeant des Postens befohlen, dass wir bewaffnet und in Uniform dahin marschiren sollten. Dieser Befehl war aber durchaus nicht nach unserem Geschmacke; denn einige Tage zuvor hatten wir allen unsern militärischen Putz gereinigt, um bei unserer Ankunft in der Garnison Alles in Ordnung zu haben. Dagegen half natürlich kein Schelten und Fluchen. Man nahm das Wohlverpackte wieder aus den Kisten und trat Morgens 9 Uhr den Marsch nach der Brücke an.
Der Regen fiel in Strömen herab und das Wasser eilte mit reissender Schnelligkeit nach der Kreek. Der Kommandant, der uns durch das Fernrohr so aufgeputzt durch das Wasser marschiren sah, ahnte die Sotise des Sergeanten und kam zu Fusse von der andern Seite her an die Brücke, weil sein Pferd nicht durch das Wasser wollte. Der Sergeant war zu Hause geblieben, weil er nasse Füsse scheute und musste geholt werden. Er bekam eine derbe Nase, zu welcher wir von der Pont aus ein Hurrah beifügten, und dann unter schrecklichem Regen abzogen.
Pfeilschnell ging es auf der Cassawinika hin, die in den vielen Krümmungen nordöstlich nach der Comowyne läuft.
Vor 2 Uhr befanden wir uns bereits auf dem Posten l'Espérance, der an der Ueberseite der Comowyne, oberhalb der Mündung der Cassawinika, liegt. Hier wurden wir von einem Sergeanten erwartet, der uns nach der Stadt bringen musste. Wir verliessen mit anbrechender Nacht den Posten und hielten des andern Mittags bei beginnender Fluth an der jetzt verlassenen Caffeepflanzung Bergerac. Ein heftiges Gewitter nöthigte uns, in der Pont zu bleiben; denn der Regen stürzte, wie aus Eimern geschüttet, vom Himmel.
Plötzlich erfolgte ein Donnerschlag, der so heftig war, dass uns Hören und Sehen verging. Der Blitz hatte kaum fünf Schritte von uns ins Wasser geschlagen. Zugleich sahen wir, dass der vordere Giebel des Caffeemagazins, sowie das Dach der Mühle durch die Gewalt der Blitze zertrümmert waren.
Im oberen Stockwerk, aber glücklicherweise auf der andern Seite, waren etwa 15 Kinder mit Caffeeschäufeln beschäftigt, so dass keines von ihnen beschädigt wurde.
Als der Regen aufhörte, besichtigten wir den Schaden. Ein sehr pfiffiger Soldat suchte eifrig den Donnerkeil, der das Gebäude sollte getroffen haben. Er griff desswegen in alle Krötenlöcher, die er in der Nähe desselben antraf und fand endlich zu unsrer grossen Belustigung in einem derselben einen grossen eisernen Thürangel, den er endlich, aber erst nach genauer Untersuchung, für einen solchen erklärte.