Ich sah hier einen Neger, der am Strande auf eben diesem schlammigen Ufer Krabben fing. Ein etwa 2' langes Brett, das er sich um den Fuss gebunden hatte und worauf er kniete, hinderte das Einsinken, und indem er sich mit dem freien Fuss fortstiess, schnellte er mit grosser Geschwindigkeit weiter.

Der Posten Nassau, ebenfalls im niedern Sumpfland angelegt, ist wegen der Seewinde gesund und hat Ueberfluss an Fischen und Wild, sowie an Lebensmitteln, welche man von den umliegenden Pflanzungen bekommen kann. Diess ist der Grund davon, dass alle Soldaten, ungeachtet der vielen Mosquittos, gerne hier sind. Es befanden sich hier 12 Mann unter dem Kommando eines Sergeanten. Wir wurden sehr freudig aufgenommen, hatten aber Gelegenheit, bald zu bemerken, dass der grösste Theil der Soldaten betrunken war. Der monatliche Sold war Tags zuvor ausbezahlt worden und man konnte desshalb aufs Neue wieder beim Sergeanten borgen, der eine kleine Herberge hatte, von welcher er selbst ein guter Kunde zu seyn schien.

Die beiden Sergeanten fuhren, um den Tag lustig zubringen zu können, nach einer naheliegenden Pflanzung und überliessen mir die Sorge für meine Reisegefährten, der ich sehr gerne enthoben gewesen wäre.

Es war nun drollig, mit anzusehen und anzuhören, wie die Soldaten des Postens der guten Frau ihr Leid bezeugten über den Tod ihres Mannes (eines zweiten Lieutenants der Colonie, der an einem Delirium gestorben war und seine Frau aufs Aergste misshandelt hatte) und welche Bonmots und Galanterien sie dabei mit einfliessen liessen.

Gesang, Händel und Schlägereien dauerten den ganzen Mittag fort und als die Nacht anbrach, trieben uns die Mosquittos ins Haus zurück, wo man, um das lästige Ungeziefer zu verscheuchen, einen Rauch machen musste, dass man beinahe erstickte.

So sass ich nun in der Stube des Sergeanten mit meiner Anvertrauten und den zwei Korporalen des Postens, die, um der Frau Zeichen ihrer Achtung zu geben, die Tugenden ihres seligen Mannes herausstrichen, den die Geplagte wahrscheinlich hundertmal zum Teufel gewünscht hatte.

In Folge der zwei Nächte, welche ich auf der Reise schlaflos zugebracht hatte, fühlte ich das Bedürfniss nach Ruhe und ich wurde um so schläfriger, je mehr mir das Gespräch meiner zwei betrunkenen Kameraden in den Ohren klang.

Meine Hängematte war oben auf der Bühne, wo einige grosse Rauchtöpfe die Mosquittos verscheucht hatten und ich wünschte, dass die Ankunft der Sergeanten erfolgte, um mich schlafen legen zu können. Die Frau aber, welche mehr Erfahrung hatte, befürchtete, dass die Sergeanten nicht nach Hause kommen würden. Unbemerkt schlich ich nach oben, wo mich ein herrlicher Schlaf erquickte.

Des Morgens sah ich Madame S. auf einer Bank am Wachtfeuer liegen, zugedeckt mit den Mänteln der wachthabenden Soldaten und jämmerlich zugerichtet von den Mosquittos.

Die Sergeanten waren um Mitternacht sehr lustig nach Hause gekommen und sie suchte, um allen Beileidsbezeugungen zu entgehen, ein Plätzchen am Wachtfeuer.