Wir verliessen gegen Mittag den Posten, um noch mit dem letzten Wasser der Ebbe die Mündung des Copename zu erreichen.
Es war schönes, helles Wetter und die weissen Häuser des Leprosen-Etablissements blickten uns freundlich aus dem dunkeln Wald entgegen.
Es war Springzeit[ [1] und unsere Ruderer, die ihr Möglichstes thaten, wurden durch die rasch anschwellende Fluth begünstigt.
Das Boot flog wie ein Pfeil dahin und gegen 8 Uhr hatten wir den Kostgrund De Hoop, ein dem Lande gehöriges Etablissement, wo die Bananen für die Neger der ebenfalls dem Gouvernement gehörenden Holzfällerei Andresen gepflanzt werden, erreicht.
Hier blieb unsere Reisegefährtin; wir aber setzten, nachdem wir etwas gegessen hatten, unsere Reise fort.
Der Director dieses Platzes, ein Schotte, nahm sich kurze Zeit nachher, einer sonderbaren Ursache wegen, das Leben. Ein Negermädchen dieses Ortes war durch eigene Nachlässigkeit sehr mit Siccas oder Sandflöhen (Pulex penetrans) geplagt, von welchen sich ganze Regimenter in ihren Füssen angesiedelt hatten, wesshalb sie zur Arbeit untauglich war. Der Director, obwohl er von der Heilkunde blutwenig wissen mochte, beschloss dennoch, das Mädchen zu kuriren. Die Geplagte musste ihre Füsse in einen Kübel voll siedenden Wassers stellen. Die Flöhe starben sogleich, das Mädchen war aber auch am andern Tage eine Leiche. Da er nun kein Doctorpatent hatte und desswegen zum Heilen auf diese Weise nicht befugt war, so wurde er vom Gouvernement nach Paramaribo gefordert, um sich desshalb zu vertheidigen. An Bord des Fahrzeuges de Beschermer, das ihn dahin bringen sollte, schnitt er sich den Hals ab.
Mit Tagesanbruch waren wir am Holzgrunde Andresen, der nahe an der Mündung der grossen Vaiambokreek, durch welche unsere Reise gehen musste, liegt.
Der Strom ist hier bedeutend schmäler, als weiter unten, und der schönste Hochwald ziert seine Ufer. Schwarzes, klares Wasser füllte sein Bett, das durch die häufigen Regen übervoll war.
Der Anblick dieses Etablissements war für uns ein sonderbarer und ungewohnter. Wir sahen einen halb ausgehauenen Wald, in dem die Negerhütten zerstreut und ohne Ordnung umherstanden. Ebenso war das Haus des Directors blos aus rohen, ungehobelten Brettern zusammengesetzt; einige andere Gebäude derselben Art dienten zu Magazinen und zu Wohnungen der Blankoffiziere. Das Effect war noch nicht lange angelegt und desshalb Alles erst im Werden begriffen. Das Holz, welches man hier fällt, wird meist durch englische Schiffe abgeholt und zum Maschinenbau auf den Antillen verwendet.
Später wurde mit ungeheuren Kosten eine Dampfsägmühle errichtet, die auf einem eigens dazu eingerichteten flachen Fahrzeuge dahin gefahren werden konnte, wo man das Holz vom Wald an den Strom schleppte, es dann sogleich aufnahm und zu Brettern sägte. Diese Maschine war aber, wie es scheint, für den Debit des Holzes zu grossartig und ist desshalb jetzt ausser Thätigkeit.