Einer der blanken Aufseher hatte denselben Morgen einen kleinen Zitteraal gefangen[ [2]. Ich bekam von diesem, etwa 1' langen und fingerdicken Thierchen, einen solchen Schlag, dass ich wohl noch zwei Stunden nachher das prickelnde Gefühl am Arme hatte.

Nach dem Mittagessen fuhren wir in die Vaiambo, welche die Copename mit der Nickerie verbindet. Es sollten nun vier Tage vergehen, ehe wir wieder einen von Weissen bewohnten Ort fänden.

Nur Indianerdörfer der Arowaken liegen unterwegs und zwar nicht am Wasser, sondern in den Savannen, die sich ungefähr ¼ Stunde von den Ufern der Kreeken befinden und wohin kleine, kaum bemerkbare Wege führen.

Des Abends schliefen wir im Boote, während die Indianer ihre Hängematten an Bäumen befestigten und unter grosser Fröhlichkeit ihr Essen bereiteten, das aus Bananen und gesalzenem Fisch bestand. Ein solches Bivouac im Walde hat besonders im Innern des Landes, wo man vor Mosquittos gesichert ist, einen ganz eigenen Reiz. Man liegt so bequem in der Hängematte, erwärmt vom Feuer, das man unter sich brennen hat. Der stille Wald, aus dem nur manchmal sich die klagenden Töne der Nachtvögel hören lassen, verbirgt beinahe ganz das Licht der Sterne. Grosse Feuerfliegen schwärmen durch die Gebüsche und Fledermäuse schwirren rechts und links vorbei. Zuweilen hört man aus der Ferne das Gebrüll der Brüllaffen oder wird die Stille unterbrochen durch den Fall alter, verfaulter Bäume, die mit donnerähnlichem Getöse alle kleinen, unter ihnen stehenden Bäume und Gesträuche niederreissen. Ehe der Morgen tagt, ertönen schon die gellenden Stimmen der Wackagos (Ortalida parragua) und die flötenartigen Töne der kleinen Anamu (Tinamus variegatus).

Jetzt wird eine Tasse heissen Caffees, nebst einem Stück Zwieback mit dem besten Appetit in der Hängematte genossen, während die Indianer sich mit Bananen begnügen, die sie an ihrem halberloschenen Feuer rösten.

In weniger als zwei Minuten ist die ganze Wirthschaft wieder im Boote, und nur die Ueberreste des verbrannten Holzes und die versengten Blätter des Bodens zeigen dem Vorübergehenden die Stelle eines Lagerplatzes an.

Am andern Tag machten uns die Indianer, während wir unser Mittagessen kochten, auf ein grosses Dorf aufmerksam, das eine halbe Stunde von hier entfernt in der Savanne liegen sollte. Während das Essen kochte, ging ich durch den Wald dahin und hatte bald die ersten Hütten erreicht, in denen aber, ausser einigen gezähmten Waldvögeln, Niemand zu sehen war. In den hintersten Hütten aber hörte ich Geräusch und Stimmen und fand auch eine Arowakenfamilie in der grössten Einigkeit in ihren Hängematten liegend und ihren Lieblingstrank, den Casiri, schlürfend[ [3].

Kaum hatten mich die Kinder erblickt, so erhoben sie ein Zetergeschrei und wollten sich lange nicht beruhigen lassen. Auch zwei Affen, denen ich eben so fremd war, hielten zu ihrer Partie, schrieen und fletschten die Zähne auf alle Weise, während die Weiber einige schattenähnliche Hunde, die wüthend bellten, zurückhielten und ihnen mit Mauritzenfasern das Maul zubanden.

Da die Indianer nur wenig nach der Stadt kommen und Weisse ebenso wenig Visiten bei ihnen machen, so war mein Besuch freilich ein sehr unerwarteter. Man bot mir Casiri an und eine grosse hohle, damit gefüllte Calabasse (Gotto) wurde nun zum Geschenk für ihre Freunde, die ihr Essen kochten und eben nicht sehr eilten, sie zu besuchen, mitgenommen. Die ganze Familie begleitete mich zum Landungsplatze zurück, wo ich sie mit Dram tractirte und wir als die besten Freunde von einander schieden.

Aus der Vaiambo, die südlich läuft, kommt man nach zwei Tagen in die Aracacouakreek, eine kleine aber tiefe Kreek, wo die Ruderstangen nicht Platz hatten und das Boot pagait wurde[ [4].