Die grossen Krümmungen, welche diese Kreeken machen, verlängern den Weg bedeutend; denn die Nickerie ist über die See höchstens 30 Stunden von Paramaribo entfernt.
Oben in der Aracacouakreek wurden wir bei hellem Tage plötzlich von Schwärmen Mosquittos angefallen, die klein und mager und sehr gierig nach unserem Blute waren. Wir mussten Rauch im Boote unterhalten, um diese lästigen Gäste los zu werden. Man findet dieses Ungeziefer im obern Lande manchmal stellenweise und selbst die Buschneger, die wohl 60 Stunden von der Küste entfernt wohnen, klagen darüber.
Aus der Aracacouakreek kommt man in die Nickerie, eine schöne und tiefe Kreek, die wohl den Namen Fluss verdiente. An ihren Ufern findet man hauptsächlich viele Maripapalmen (Maximiliana regia), die hier ganze Wälder bilden, während sie in andern Theilen des Landes zwar auch häufig, aber nur einzelnstehend vorkommen.
Den 25. August erreichten wir mit anbrechendem Tage den indianischen Posten an der Mündung der Maratacca. Die Indianer dieses Postens, sowie der Dörfer, welche in den Savannen und am Maratacca liegen, sind meist Waraus, weniger Arowaken und stehen im Dienste des Gouvernements, das an sie Lebensmittel und Geschenke austheilt, wofür sie verpflichtet sind, als Ruderer mit den Booten nach Paramaribo zu gehen, etwaige Patrouillen zu machen u. s. w. Auch sind auf dem Wachtschiffe immer einige derselben. Sie sind übrigens sehr launisch und laufen, wenn ihnen etwas nicht ansteht, nach ihren Dörfern zurück.
Unsere Indianer, die hier zu Hause waren, machten nun im Boote ihre Toilette, um mit Anstand wieder vor den Ihrigen zu erscheinen. Ihr Haar beschmierten sie mit einer Mischung von Palmöl und Roccu (Bixa ovellana), wodurch dasselbe zinnoberroth gefärbt wurde. Weisse Flaumfedern aus der Brust von Raubvögeln wurden in diese teigartige Pomade eingedrückt. Das Gesicht ward mit einem wohlriechenden Harze Aracasiri mittelst eines zugespitzten Hölzchens tätowirt und alle ihre Kostbarkeiten an Affen- und Pakirzähnen, Glaskorallen und Federschmuck wurden umgehängt.
Wir stiegen ans Land. Die meisten Indianer lagen noch in der Hängematte, obgleich es heller Tag war: denn den Tag zuvor war des Königs Geburtstag, an dem sie einige grosse Krüge Dram vom Landdroste bekommen hatten und sie schliefen nun den Katzenjammer von gestern aus.
Ein alter Mulatte vom Eiland Granada ist als Posthalter hier angestellt. Seine Eitelkeit schuf sich eine eigene Uniform, indem er abgetragene Kleidungsstücke von Offizieren kaufte, in welchen er stets ausging, wenn er den Posten oder die Pflanzungen besuchte. Er war übrigens nicht zu Hause, sondern wohnte den Lustbarkeiten auf dem Posten bei.
Nach und nach sah man das Völkchen sich aus seinen Hängematten erheben, worauf das Erste war, nachzusehen, ob nicht noch etwas in der Flasche übrig wäre.
Es dauerte auch kaum eine Stunde, so waren alle wieder betrunken und auch unsere Indianer lagen mit all' ihrem Putze im Grase herum.
Ein hübsches Weib sass in ihrer Hütte beim Feuer und kochte aus reifen Bananen einen Brei für ihr Kind, das in einer kleinen Hängematte ihr um die Brust hing. Ihr Mann lag betrunken am Boden. Sey es nun, dass das Weib sich über die Trunkenheit ihres Mannes ärgerte (was ich aber nicht glaube) oder durch andere Ursachen erhitzt war, kurz, sie sprach mit einem Zorne und einer Geläufigkeit gegen den besinnungslosen, geduldigen Ehegatten, dass sie die beste Amsterdamer Fischdame beschämen würde. Unterdessen hatte sie die reifen Bananen aus dem Topfe genommen und in einer grossen, mit heissem Wasser gefüllten Kalabasse mittelst einer grünen Banane zerquetscht. Wie nun durch Gleichgültigkeit und Schweigen hitzige und streitsüchtige Personen nur noch erboster werden, so war diess auch bei ihr der Fall; denn sie sprang plötzlich rasch und unter immerwährendem Schimpfen, das für mich natürlich unverständlich war, auf, ergriff ein brennendes Stück Holz, mit welchem sie ohne Zweifel den armen Mann schrecklich würde zugerichtet haben, wenn nicht einige dabei stehende und weniger besoffene Indianer dessen Partei ergriffen und die Frau zurückgehalten hätten. Während sie mit diesen rang, glitt sie auf der schlüpfrigen Schaale einer reifen Banane aus und fiel mit ihrem nicht unansehnlichen Hintern in die Kalabasse, worin der für ihr Kind bestimmte heisse Brei war, welcher nun über ihr zusammenspritzte. Sie erhob ein Jammergeschrei und eilte sogleich mit dem verbrannten Podex zur Abkühlung ins Wasser. Es war diess eine Scene zum Todtlachen.