Gegen Mittag fuhren wir weiter und sahen gegen 4 Uhr die erste oder vielmehr letzte Pflanzung Krabbehoek.

Auf der Pflanzung Botanybai erwarteten wir die Ebbe. Der Eigenthümer war abwesend und wir trafen nur zwei junge Mulattinnen, Schwestern seiner Frau, zu Hause. Sie luden uns jedoch nicht ein, in das Haus zu kommen, sondern man liess uns den mosquittenreichen Abend unter den Negern der Pflanzung am Landungsplatze zubringen, wo wir unser Abendessen kochten. Ob diess aus Furcht vor unsern grünen Röcken oder aus Verachtung des Militärstandes geschah, weiss ich nicht; denn viele solcher Damen sind am Ende ihrer Glanzperiode herzlich froh, wenn sie sich mit Leuten aus dem Militärstande verbinden können. Es war diess das erste Mal, dass ich auf solche Weise behandelt wurde und ich habe während der Zeit meines Aufenthaltes auf Nickerie vielfache Beweise des Wohlwollens von den Pflanzern dieses Districts bekommen, so dass Obiges als eine seltene Ausnahme anzusehen ist.

Abends um 10 Uhr hatten wir nach achttägiger Fahrt den Posten erreicht.

Nickerie oder Nickeriepunt ist der Grenzposten gegen Westen zwischen Surinam und der englischen Kolonie Berbice. Da mehrere Pflanzungen in seiner Nähe liegen, so ist er von ungleich grösserer Wichtigkeit, als der, von allen Pflanzungen weit entfernte Posten Prinz Willem Frederik, der an der Grenze von Französisch-Guyana liegt.

Er ist auch desswegen mit 60 Mann besetzt, um die Neger am Entfliehen nach der andern Seite der Correntin, wo sie frei sind, zu verhindern. Der Posten liegt auf einer Sandritze, die sich mehrere Stunden östlich ausdehnt.

Ausser einer grossen Kaserne, den drei Offizierswohnungen, dem Hospital, der Bäckerei u. s. w. befinden sich hier auch eine Kirche und mehrere Privathäuser. Die Lage des Postens ist eine sehr gesunde, nur fehlt es an gutem Trinkwasser, auch ist an Mosquittos kein Mangel.

An einem etwa drei Stunden langen Fahrweg, der sich von Osten nach Westen längs der Küste hinzieht, liegen verschiedene jetzt verlassene Baumwollenpflanzungen. Ein gegrabener Canal von etwa 3' Tiefe, der längs dieses Weges läuft, dient zum Transport der Baumwolle nach dem Posten, wo sie auf die Schiffe verladen wird. Auch werden die Lebensmittel für diese Pflanzungen, die auf eigenen, weiter aufwärts an der Nickeriekreek gelegenen Kostgründen gebaut werden, auf diesem Canale dahin gebracht.

An der Kreek befinden sich noch ausser diesen Kostäckern drei grosse Zucker- und zwei Kaffeepflanzungen.

Das Land längs der Seeküste besteht aus grossen morastigen Savannen, die bis an den obern District reichen und durch jede Springfluth unter Wasser gesetzt werden.

Obgleich die Entfernung zwischen dem Ober- und Niederdistrikt kaum neun Stunden beträgt, so ist es doch höchst mühsam und gefährlich, dahin zu gelangen, da am Ufer der See weicher Schlamm und Mangel an süssem Wasser, im Innern aber die Moräste den Marsch sehr erschweren.