Ebenso ist die Küste längs des Ufers der Correntin; grosse Sümpfe, mit Binsen und dornigen Bäumen bewachsen, bedecken die Fläche zwischen diesem Strome und der Nickeriekreek.
Dessenungeachtet entflohen schon viele Sklaven, die durch diese Sümpfe bis zum holländischen Ufer der Correntin durchdrangen. Hier verfertigten sie Flösse, auf welchen sie sich zur Fluthzeit nach dem englischen Ufer treiben liessen. Kluge Massregeln haben indess in der Folge solche Fluchtversuche verhindert.
Die grosse Fruchtbarkeit des Niederdistrikts gibt den Pflanzungen ein höchst blühendes Aussehen. Auch die Gebäude und Maschinen befinden sich im besten Zustande und Alles ist zum Nutzen und zur Bequemlichkeit des Lebens eingerichtet, weil die Eigenthümer immer anwesend sind und ihre Effecte selbst verwalten.
Der mir günstige Kommandant, der, wie bereits gesagt wurde, Landdrost des Distrikts war, gab mir ein kleines Zimmer in der Kaserne, eine Wohlthat, die ich erst recht empfand, als ich mich à mon aise eingerichtet hatte. Der frühere kränkliche Kommandant liess die beiden Sergeanten machen, was sie wollten, und diese errichteten zu ihrem grossen Vortheil eine Herberge, wo jeder nach Herzenslust trinken konnte, so lange er Geld oder Credit hatte. Der Militärdienst war ihnen Nebensache, daher kam es auch, dass sechs Neger unter den Augen der betrunkenen Schildwache des Nachts das Boot des Postens losmachten und nach Berbice fuhren. Dieses fand man durchlöchert an der englischen Seite. Die Neger aber hatten keine Lust zurückzukehren, und liessen ihren früheren Direktor herzlich grüssen.
Grosse Trunkenbolde, die wie die Vielfrasse nicht satt werden konnten, verkauften das Wenige, das sie hatten, um bei den Sergeanten trinken zu können und liefen lieber zerlumpt auf dem Posten herum. Es war beinahe keiner, der nicht tief in Schulden steckte. Daher war es leicht möglich, dass einer der Sergeanten, der zwei Jahre dieses einträgliche Geschäft betrieben hatte, 4000 Gulden gewinnen konnte, was er selbst äusserte. Dieser Handel wurde gleich bei der Ankunft des Kommandanten aufs Strengste untersagt und eine Disciplin eingeführt, durch welche nicht nur Pünktlichkeit des Dienstes bezweckt, sondern auch das Wohl des Soldaten gefördert wurde.
Freilich war Manchem das Neue ungewohnt und nicht willkommen; aber die Störrigen kamen haufenweise ins Loch, wo sie einsehen lernten, dass Nachgeben besser sey, als Raisonniren.
Zwei Boote auf der Nickeriekreek und ein Häuschen auf der andern Seite derselben waren des Nachts von Schildwachen besetzt, die jede halbe Stunde ihre Wachsamkeit durch ein Feldgeschrei anzeigen mussten. Ausser den zwei Schildwachen auf dem Posten befanden sich noch fünf Mann und ein Korporal an Bord eines Schooners, der zu gleichem Zwecke eine halbe Stunde vom Posten entfernt vor Anker lag. Auf diese Weise konnte also ein Neger zu Wasser nicht leicht entschlüpfen.
Kurze Zeit nach meiner Ankunft wurde mir die Verwaltung der Menage des Detachements übertragen. Ich hatte jetzt des Morgens die Ration Genever auszutheilen und musste die Lebensmittel, als Bananen u. s. w. auf den Plantagen einkaufen. Als die Sergeanten keinen Schnaps mehr verkaufen durften und den wenigen Bürgern bei schwerer Strafe untersagt war, solchen auszuschenken, war ungemeine Betrübniss unter der nassen Gemeinde des Postens. Es kauften nun die Liebhaber desselben, welche an einer Ration nicht genug hatten, die ihrer Kameraden, welche das Geld dem Genever vorzogen. Dadurch gab es nun wieder manchen Betrunkenen, wesswegen der Kommandant endlich befahl, dass jeder vor meinen Augen seine Ration austrinken musste und dieselbe nicht mehr in Fläschchen empfangen durfte. Es war nun beim Detachement ein deutscher Jude, der aus grosser Sparsamkeit seine Ration stets verkauft hatte, eine geschenkte aber ohne Scheu hinunterschluckte. Er wollte nun schlechterdings seine Ration nicht missen, noch weniger des Gewinns, welchen ihm dieselbe bisher eingebracht hatte, entbehren. Der Schlaue nahm desshalb seine Ration in den Mund und spuckte dieselbe von mir entfernt heimlich in ein Fläschchen aus, das er seinem Kunden, einem geschickten Schneider des Detachements, überbrachte.
Jeden Samstag musste ich auf der etwa vier Stunden entfernten Pflanzung Botanybai die nöthigen Bananen fürs Detachement einkaufen. Ein offenes, von drei Mann gerudertes Boot war hiezu bestimmt. Ich fuhr nun, je nachdem die Fluth eintrat, manchmal des Nachts, oft aber auch in der glühenden Hitze des Tages dahin.
Besonders freundlich wurde ich auf der Zuckerplantage The Nursery empfangen, wesswegen ich nie versäumte, dort anzukommen. Die Frau des Hauses beschenkte mich jedesmal mit Früchten aller Art, und für einige Pfunde Brod, welche sie sodann unter die Negerkinder austheilte, bekam ich jedesmal von ihr ein kleines Fässchen Zucker, so dass ich das manchmal so schlechte Wasser des Postens immer als Limonade trinken konnte. Die Pflanzung selbst ist eine der schönsten im Lande und ich glaube, dass die grosse Fruchtbarkeit des Bodens und die gute Gesinnung der Neger sie zu einer der einträglichsten machen. Gebäude, Gärten und Negerhäuser sind zweckmässig und mit Geschmack angelegt. In einem Theile des prächtigen Kochhauses befindet sich die Dampfmaschine, welche den Saft auspresst und denselben in das zweite Stockwerk hinaufpumpt, wo in einem geräumigen Saale zwei Reihen Kessel stehen, in denen der Likker (ausgepresste Saft) gekocht und zu Zucker gemacht wird. Dieser wird im untern Raume aufbewahrt. Ein langer Kanal, dem entlang die Zuckerfelder liegen, führt vom Kochhause nach dem etwa zehn Minuten entfernten Landungsplatz, wo ein kleines Sommerhäuschen in die Nickeriekreek hineingebaut ist.