Die Schiffe legen hart an diesem Häuschen an. Die Zuckerfässer werden nun mittelst einer Winde aus dem innern Kanal ins Häuschen und von da ins Schiff gehoben. Hinter der Mühle sind die Gebäude für die Fabrikation des Rums, sowie die Traslogen, in welche das ausgepresste Rohr zum Feuern der Kessel hineingeworfen wird.
Ein anderer Kanal trennt das höchst elegante und in einem Garten stehende Wohnhaus von den Fabrikgebäuden und andere Kanäle scheiden es wieder vom Dorfe der Neger, das drei Strassen bildet, die mit Kokos- und Pomme-de-Cythere-Bäumen besetzt sind. Die Negerhäuser sind von Pina und theilweise von Brettern dauerhaft aufgeführt, auch jedes mit einem Gärtchen versehen.
Unmittelbar an dieser Pflanzung liegt die grosse Zuckerpflanzung Waterloo, deren Eigenthümer einer jener sonderbaren Menschen war, die bei ungeheurem Reichthum stets noch mehr zu erlangen streben. Hoch in Jahren, Eigenthümer von drei schönen Pflanzungen mit mehr als 700 Sklaven, lebte dieser Mann einsam auf seiner Pflanzung, ohne Frau und Kinder. Eine Mulattin, die er mit einer seiner Negerinnen gezeugt hatte, war selbst auch Sklavin und versah sein Hauswesen. Ich kam manchmal zu ihm; er war in der Folge sehr für mich eingenommen und wollte mich sogar vom Militär loskaufen und auf seiner Plantage als Blankoffizier mit 500 fl. Gehalt anstellen. Doch ich hatte keine Neigung fürs Pflanzerleben und war mit meiner Lage zufrieden[ [5].
Ungeachtet die Mosquittos auf Nickerie für eine grosse Plage anzusehen sind, so ist doch der Mangel an Trinkwasser in den Trockenzeiten ein noch ärgeres Uebel. Ein grosser eiserner Behälter, in welchem das Regenwasser sich sammelt, befriedigt nur auf kurze Zeit das Bedürfniss des Detachements. Wenn es aber einige Zeit nicht regnete und die Cisterne leer war, so musste man in Fässern Flusswasser aus dem oberen Nickerie und zwar oft zwölf Stunden weit herbeischaffen. Bleibt die Pont, welche mit etwa dreissig Fässern beladen ist, über die bestimmte Zeit aus, so ist die Noth sehr gross und ich habe selbst bei einer solchen Gelegenheit auf einer anderen Pflanzung für eine Calabasse Sumpfwasser ein Sacktuch gegeben, das ich Tags zuvor um 1 fl. 25 kr. gekauft hatte. Das Wasser wurde jeden Morgen durch den Corporal der Wache an den Koch und die Soldaten ausgetheilt. Diese Austheilung fand unter einem Gedränge von Kühen, Schafen, Schweinen und Federvieh statt, die sich um die herunterfallenden Tropfen stritten. Die Enten aber flogen auf die Fässer und streckten ihre langen Hälse zu den Spontenlöchern hinein, um ihren Durst zu löschen. Es hatte seit acht Monaten nicht geregnet, so dass alle Pflanzen durch die Trockenheit Noth litten. Wie sehr alsdann ein plötzlicher Regen erquickt, und wie wenig man die Mühe scheut, das kostbare Wasser in allerlei Gefässen aufzufangen, lässt sich nicht beschreiben.
Gewöhnlich haben die Seeposten Ueberfluss an Wild und Fischen, was auch hier der Fall war. Auf einer grossen Bank, die sich bei dem Posten weit in die See erstreckte, gebraucht man zum Fang der Seefische ein etwa 100' langes und 6' hohes Netz; mit aufsteigender Fluth liefen zwei Männer mit dem einen Ende bis um den Hals ins Wasser, während zwei andere mit dem andern Ende ganz nahe und langsam am Lande marschirten. Plötzlich schwenkten die äussersten dem Lande zu, und die Fische fingen sich in einem grossen, in der Mitte des Netzes angebrachten Sacke. Zog man sie ans Land, so sah man ein Gewimmel von den wunderlichsten Gestalten. Rochen mit ungeheuren, stachlichten Schwänzen, Hai- und Sägefische, und den sonderbaren Hammerfisch sah man mit allerlei Arten von Welsen, die im süssen und salzigen Wasser vorherrschen, beisammen.
Hatte man so einige Stunden gefischt, so wurde die Beute getheilt und von jedem auf beliebige Weise zurecht gemacht.
Auf andere Weise wurde das Fischen in den Gräben der Cattunfelder betrieben. Hier fängt man mit 6' breiten und eben so langen Netzen, welche die Neger aus Cattun stricken, eine Menge Kwikwi, welche an Güte und Grösse die der übrigen Colonien übertreffen[ [6]. Die Suppen von diesen Fischen gehören zu den Leckereien Guyana's. Wir brachten stets von diesen Fischpartien so reichlichen Fang nach Hause, dass wir ihn kaum schleppen konnten. Häufig fing man auch in den Gräben junge Kaimans, die ebenfalls auf ihre Manier fischten und durch gewaltige Schläge mit dem Schwanze uns zuweilen grossen Schrecken einjagten.
Man findet den Kaiman (Alligator sclerops) überall sehr häufig und zwar immer im Wasser, aus welchem er die Hälfte seines Kopfes streckt. Nie habe ich einen gesehen, der über 6' lang gewesen wäre, schon solche von dieser Länge sind sehr selten. Weibchen von 4', die jedoch noch lange nicht ausgewachsen sind, legen Eier an den Ufern der Flüsse und Kreeken in angeschwemmtes Reisach, sowie an feuchte Plätze. Diese Eier sind etwas grösser, als Hühnereier, an beiden Enden gleich abgerundet, schmutzig weiss, und mit einer porösen Kruste überzogen.
Die Indianer essen das Fleisch und die Eier sehr gerne; auch die Franzosen sind grosse Freunde von ersterem. Einmal brachte man mir ein weibliches Beutelthier (Didelphis tricolor). Es war von der Grösse eines Eichhörnchens, hatte einen spitzigen Kopf, grosse nackte Ohren, grosse, schwarze, wie bei den Ratten hervorstehende Augen und einen langen, nackten Wickelschwanz. Es hatte eine bräunliche Farbe, über jedem Auge einen schwarzen Flecken; Brust und Bauch jedoch waren ockergelb. Ich sperrte es in einen Käfig, in welchem man es beobachten konnte, ohne von ihm gesehen zu werden. Als Nahrung gab ich ihm Wasser und gekochte Fische. Des andern Tages fand ich ein Junges von der Grösse einer Maus, das nach Herzenslust mit seiner Mutter frass. Nach und nach erschienen noch drei, die alle den Tag zuvor im dichtverschlossenen Beutel der Mutter verborgen gewesen waren.
Es war allerliebst, die Spässe dieser Thierchen zu sehen, unter welchen sie sich um die Mutter herumtrieben, aber beim geringsten Geräusche in den Beutel flüchteten. In Folge der reichlichen Nahrung wurden die Jungen bald gross, so dass zuletzt die Mutter nicht mehr alle vier beherbergen konnte, und eines, zwei und zuletzt drei dieses Schutzes entbehren mussten; doch schlangen die Aussenbleibenden ihre Schwänzchen um die Mutter.