Das Wasser schlappten sie wie die Hunde, frassen auch wie diese; doch gebrauchten sie häufig die Vorderpfoten, wie die Affen. Sie wurden nie zahm; sondern zischten und pfeuchten, wenn man sich dem Käfig näherte. Sie haben ein ungemein zähes Leben; denn sie wehren sich noch, wenn schon Hirn und Eingeweide herausgenommen sind. Nach und nach entschlüpften mir alle.

Ebenso reichlich, doch mühsamer ist die Jagd auf die Wasservögel.

In den zwei ersten Monaten der Trockenzeit, wenn das Wasser der grossen, morastigen Savannen, welche hinter den Cattunpflanzungen liegen, eintrocknet, versammelt sich dort eine unglaubliche Menge von Wasservögeln, welche alle reichliche Nahrung finden und um diese Zeit am fettesten sind. Da diese Savannen über drei Stunden weit vom Posten entfernt liegen, und dort kein Trinkwasser zu finden ist, so fand sich blos ein Soldat beim Detachement, der die Mühe dieser Jagd nicht scheute und viel Geld durch den Verkauf seiner Beute erwarb. Ich war neugierig, auch diese Art der Jagd kennen zu lernen und begleitete ihn eines Tages.

Des Abends verliessen wir den Posten und übernachteten auf der Pflanzung Providence. Mit Sonnenaufgang waren wir auf dem Damme, der die Ländereien dieser Pflanzung von der Savanne trennt. Von dieser lässt sich kein reizendes Bild entwerfen. Eine grosse, stundenweite Ebene dehnt sich nach allen Seiten aus. Sie ist theilweise mit falbem Grase, Schilf und niederem Gesträuche bedeckt, über welches einzelne ganz trockene und halbverbrannte Baumstämme hervorragen, welche traurige Ueberreste eines schrecklichen Waldbrandes sind, welcher vor mehreren Jahren vom Ober- bis Niederdistrict um sich griff. An manchen Stellen hauchen Pfützen den widerlichsten Geruch von abgestandenen Krebsen und Fischen aus, deren Ueberreste überall herum liegen, während man an andern Stellen bis um die Knie in teigartigem Schlamme watet. Dabei leidet man sehr von der glühenden Hitze, und im Schatten von den Stichen unzähliger Mosquittos. So arm sich auch die Vegetation in diesen Sümpfen zeigt, um so belebter sind dieselben von Thieren. Grosse, weisse Reiher (Ardea alba), hier Sabaccu genannt, rothe Ibise, Schnepfen und Enten sind in unzählbaren Schaaren hier versammelt, während auf dem Boden die Fusstapfen vom Krebshunde (Procion cancrivorus), dem Hirsche (Cervus rufus), dem Jaguar und den Beutelthieren den Beweis dafür geben, dass auch vierfüssige Thiere hier ihrer Nahrung nachgehen.

Wir marschirten wohl eine halbe Stunde über Pfützen und gestürzte Baumstämme in grösster Stille, als wir auf einmal, als wir um die Ecke eines kleinen Busches kamen, die ganze Fläche, so weit das Auge reichte, mit Reihern wie beschneit sahen. Der Lärm der Stimmen so vieler Tausende ist betäubend, und mit einem donnerähnlichen Geräusche flogen sie auf, als wir näher kamen.

Ihrer Magerkeit wegen werden sie wenig geschossen, doch sind ihre Federn zu Betten sehr brauchbar. Es zeigte sich auch ein Häufchen rother Ibise, deren 17 mit einem Schuss getödtet wurden. Mit Verwunderung musste ich sehen, wie mein Kamerad eine Anzahl Schnepfen, die zerstreut herum liefen, zusammen lockte. Sie kamen, obwohl sie ihn sehr gut sahen, auf einen leisen, eigenthümlichen Pfiff dicht zusammen und waren so leicht in Haufen zu schiessen. Es fielen über 40 auf einen Schuss. Sie hatten die Grösse einer Taube und waren äusserst fett und delicat. Man nennt diese Art hier Pluviere[ [7].

Weiter landeinwärts stiessen wir auf grosse Flüge wilder Enten, von welchen mein Jagdgefährte ebenfalls einige Dutzende schoss.

Man findet hier vier Arten derselben, von welchen eine der grössten, die Moschusente, wohl 12 Pfund schwer wird[ [8]. Die andern sind viel kleiner, als die gewöhnliche Hausente, doch haben sie höhere Beine und fliegen immer in grossen Zügen unter immerwährendem Gepfeife, während die Moschusente nur in kleinen Truppen oder paarweise getroffen wird. Alle nisten in Sümpfen auf den Boden. Nachdem noch einige, beinahe mannshohe, storchartige Vögel mit langem dickem Schnabel (Negerköpfe genannt) geschossen waren, traten wir gegen Mittag den Rückweg an. Es war uns beiden nicht möglich, diese Menge Wild weiter, als auf den Damm zu tragen. Mein Gefährte holte desswegen einen Neger auf der Pflanzung Providence, der uns die Beute nach dem Posten bringen half.

Nachdem ich meine Portion bekommen hatte, verkaufte mein Kamerad den Rest an das Detachement und die Bürger. Ich habe noch einigemal allein diese Savanne besucht, hatte aber zu wenig Geschicklichkeit und Geduld, um grosse Beute zu machen, und konnte ganz leicht ohne Neger dieselbe nach Hause bringen.

Wir waren unserer sechs Korporale auf dem Posten, von welchen immer einer abwechslungsweise sich an Bord des Kolonialschooners befand, und alle 8 Tage von einem andern abgelöst wurde.