Die Reihe kam nun auch an mich, obschon ich eben kein Verlangen darnach hatte; denn es ist sehr unangenehm, in dem kleinen Raume des Schooners mit Negern und Indianern logiren zu müssen, die Ausdünstungen dieser Leute und den Geruch von Thee und Schiffsprovision immer in der Nase zu haben. Ausser dem Kapitän und Steuermann waren 6 Soldaten, 6 Neger und 8 Indianer an Bord.

Durch das immerwährende Schaukeln des Fahrzeuges, das jedoch vor Anker lag, litt ich beständig an der Seekrankheit. Beschäftigung hatten wir natürlich keine. Die Soldaten schliefen oder spielten den Tag über, die Neger thaten dasselbe, und die Indianer lagen in ihren Hängematten, wo sie sich gegenseitig das im Gesicht und am Leibe keimende Haar mit zwei Muschelschalen herauszogen. Den Tag über schützte uns ein über das Fahrzeug ausgespanntes Segeltuch vor den Strahlen der Sonne und in der Kühlung schöner Abende erfreuten wir uns durch gegenseitiges Erzählen.

Die Indianer waren lauter junge Kerls, welche uns viel Spass machten. Eines Tages hatte ich Gelegenheit, ihre Geschicklichkeit im Schwimmen zu bewundern. Der Kapitän war mit ihnen auf dem Posten gewesen, von welchem sie betrunken zurückkamen.

Zwei von ihnen bekamen mit einander Händel, und der eine verlangte vom Kapitän, nach dem Posten zurückgebracht zu werden, weil er nicht mehr bei seinen Kameraden bleiben wolle. Man lachte natürlich über seine Forderung. Er aber packte Hängematte, Pfeife, Bogen und Pfeile zusammen, kletterte damit auf der Ankerkette bis in die See und schwamm plötzlich dem Lande zu. Es war gerade die Zeit der Ebbe, und der Kapitän befürchtete desswegen, der Strom möchte den närrischen Kerl weit in die See treiben, oder er könnte von einem Haifisch gefressen werden, und liess ihm durch den Steuermann und zwei Matrosen nachrudern, um ihn aufzufangen. Der Schwimmer merkte aber kaum deren Absicht, als er untertauchte und ihnen so immer entkam, wenn sie ihn schon zu haben glaubten. Plötzlich verschwand er wieder, und wir glaubten, er sey verunglückt; aber bald sahen wir ihn ganz mit Schlamm bedeckt, jedoch mit allen seinen Siebensachen, ans Land steigen. Er lief nun, so schnell als er konnte, nach dem Wachthäuschen, von wo aus er über die Nickerie schwamm, die hier so breit ist, als der Rhein. Des andern Tages kam er wieder nüchtern zurück.

Ich machte verschiedene Male mit dem Kapitän kleine Reischen nach der Correntin und ihren Inseln, und unsere Indianer, welche bei dieser Gelegenheit auf die Jagd gingen, brachten immer etwas mit.

Dreimal war ich an Bord dieses Schooners, der Beschermer hiess, detachirt und wir waren herzlich froh, als eine kleine Kriegsbrigg denselben ablöste und dort keine Wache mehr zu besetzen war. Weil durch die vielen Wachen auf dem Posten und dem vor der Mündung der Kreek liegenden Schooner den Sclaven des Distrikts das Entfliehen zu Wasser, wenn auch nicht ganz unmöglich gemacht, so doch sehr erschwert wurde, so versuchten einige zu Fusse nach dem Correntin zu entkommen.

Anfangs November erhielten wir die Nachricht, dass zwei Neger von der Pflanzung Waterloo auf diesem Wege entlaufen wären. Man löste augenblicklich zwei Kanonenschüsse als Zeichen für den Schooner, der sogleich eine Schaluppe nach dem Posten sandte. Drei Patrouillen wurden alsbald beordert, den Flüchtigen nachzusetzen. Sechs Mann mussten sich sogleich zu Wasser nach der Nannaykreek begeben, welche auf holländischer Seite ist und oberhalb der ersten Insel in den Correntin mündet. Sie blieben dort als Stationsposten. Drei andere mussten mit dem grossen Boote des Postens immerwährend längs der Küste kreuzen, und vier Mann sollten unter dem Commando eines Korporals durch die Sümpfe nach dem Correntin zu kommen suchen, wo sie sich mit dem Detachement an der Nannaykreek vereinigen mussten.

Da ich noch nie eine Buschpatrouille mitgemacht hatte, so bat ich den Commandanten, mich mit der letzteren gehen zu lassen. Wir fuhren nun gegen 5 Uhr Abends nach der Pflanzung Margarethenburg, von welcher aus wir den andern Morgen unsere Reise durch die Sümpfe antreten sollten. Wir hatten Lebensmittel auf vier Tage und waren mit Gewehren und Säbeln bewaffnet. Als Schlafplatz wies man uns eine Kammer an, in die wir ohne Licht eintraten, um die Mosquittos nicht anzulocken. Unausgeschälter Kaffee lag einige Fuss hoch auf dem Boden. Wir tappten im Finstern herum und machten uns unser Nachtlager zurecht. Die Soldaten vergruben sich unter den Kaffee, um von den Mosquittos nicht geplagt zu werden. Ich fand zufälligerweise in einer Ecke einen Haufen Leinwand, welche ich auf dem Kaffee ausbreitete und mich damit bedeckte.

Mit anbrechendem Tage machten wir uns reisefertig. Jetzt erst bemerkte ich mit Schrecken, dass ich zu meiner Lagerstätte die frischgewaschenen Hemden des Pflanzers benützt hatte, welche man den andern Tag bügeln wollte, und die durch meine, mit Oel eingeschmierten Schuhe freilich nicht weisser geworden waren.

Der Bastian der Pflanzung brachte uns auf den äussersten Damm derselben, von dem aus ein unabsehbarer, mit Binsen bewachsener Morast sich ausdehnte, den wir nun in südwestlicher Richtung durchwaten sollten. Wir marschirten auch meistens bis um die Kniee im Schlamme durch den Schilf, der so dicht wie Waizen stand und wohl 12' hoch war. Millionen Ameisen kletterten daran herum und fielen uns auf den Leib, wo sie ein unerträgliches Jucken verursachten. Abwechslungsweise musste einer von uns der vorderste seyn, mit dem Hauer den Schilf abhauen, oder, wenn derselbe zu dicht stand, auf den Boden drücken, um uns einen Weg zu bahnen. Man kann sich denken, wie beschwerlich und ermüdend ein solcher Marsch ist, und wie langsam es voranging.