Gegen Mittag erreichten wir eine Sandritze, die wohl 4' höher als der Sumpf mit Hochwald bedeckt war, und wo wir einige reife Papayas (Früchte des Melonenbaumes) fanden. Ich kletterte auf einen der äussersten Bäume, um mich in der Gegend umzusehen, und fand dass der Hochwald, wo wir wenigstens trockenen Fuss zu haben glaubten, wohl noch vier Stunden entfernt war.

Bisher waren wir immer südwestlich gegangen, in welcher Richtung die Nannaykreek liegen musste; aber jetzt weigerten sich meine Soldaten einstimmig, mir in dieser Richtung weiter zu folgen, weil nach Westen zu der Hochwald bedeutend bälder zu erreichen war. Wir verliessen desshalb die Ritze wieder und setzten unsern Marsch im Sumpfe fort. An manchen Stellen war dieser mit Bäumen bewachsen, welche über und über mit Stacheln bedeckt sind. Sie haben rothe Schmetterlingsblüthen und werden auf vielen Caffeeplantagen reihenweise gepflanzt, um unter ihrem Schatten das Wachsthum der Caffeebäume, welche die Sonne nicht ertragen können, zu fördern. In derselben Gegend werden kleine, etwa 8' hohe Palmen getroffen, welche ebenfalls mit 4" langen, nadelscharfen Stacheln besetzt sind. Sie standen manchmal so dicht, dass man sich durch sie einen Weg hauen musste, und dann doch noch von allen Seiten gestochen wurde. Unsere Hosen und Hemden, von welchen wir freilich nicht die besten mitgenommen hatten, wurden zu Fetzen zerrissen.

Ausser einer grossen Abomaschlange, die ihren Kopf aus dem Wasser herausstreckte, und einigen Raubvögeln, welche auf alten, abgebrannten, von Termiten ausgefressenen Bäumen sassen, sahen wir kein Wild.

Abends 6 Uhr hatten wir den Hochwald noch nicht erreicht, und wir waren genöthigt, im Sumpfe unser Nachtquartier zu nehmen. Wir hieben desshalb bei einem alten trockenen Baume mit unsern Hauern einen ungeheuren Haufen Schilf ab, um eine trockene Lagerstätte zu haben, und liessen den Baum, der vom ersten Hieb eines Hauers stürzte, darauf fallen. Bald loderte ein lustiges Feuer empor, an dem wir Speck und Bananen rösteten, und Trinkwasser gab uns der Sumpf genug. Müde vom Marsche des Tages, legten wir uns um das Feuer, und wir schliefen, nachdem wir unsere Gewehre um den Leib geschnallt hatten, bald so gut, als in der Hängematte, ungeachtet aller Ameisen und Termiten des Baumes, die sich an uns hinauf flüchteten.

Mit anbrechendem Tag verliessen wir unsern Bivouac und wanderten weiter. Allmählig wurde der Sumpf trockener und an die Stelle des Schilfes traten Gesträuche und Gras. Wir füllten unsere Feldflaschen zum letztenmal aus dem Sumpfe, tranken noch zum Ueberfluss so viel, als wir verschlucken konnten und marschirten im Gesträuche, durch welches man noch immer mit dem Säbel den Weg bahnen musste, dem Hochwalde zu.

Wir hörten jetzt deutlich die Brandung der See.

Plötzlich hieb der Vorderste in ein Nest blauer Capassi-Marabonsen[ [9]. (Diess sind grosse blaue Hornisse, deren Nester manchmal zwei Fuss lang sind, und an der Aussenseite wie von Ringen umgeben scheinen, die einige Aehnlichkeit mit der Schaale des Armadills (Capassi) haben, daher ihr Name.) Er sah die Gefahr, warf sich auf den Boden und versteckte sein Gesicht so gut als möglich. Ich war unmittelbar hinter ihm und bekam von den erzürnten Insekten fünf bis sechs Stiche in Gesicht und Schulter, dass ich vor Schmerz meinte, rasend zu werden.

Die verletzten Theile schwollen fürchterlich an; doch entstand glücklicherweise kein Fieber, und Schmerz und Geschwulst verminderten sich durch Reiben mit Genever.

Wir waren nun endlich im Hochwald, der das Ufer des Correntin in einer Breite von etwa einer Viertelstunde umzog. Unzählige Krabbenlöcher befanden sich im Boden, der aus einem lehmartigen Schlamme bestand, in welchem man manchmal bis um die Kniee einsank. Oft blieben unsere Schuhe darin stecken, und es kostete viele Mühe, sie wieder herauszuziehen.

Wir erreichten den Strand, und es zeigte sich nun, was ich vorausgesagt hatte, dass wir durch unser, zu viel nach Westen gerichtetes Marschiren viel zu weit entfernt vom Orte unserer Bestimmung herausgekommen waren. Wir sahen die Schornsteine von Maryshope an der andern Seite des Flusses, und weit, weit entfernt die Papageyeninsel, die in der Gegend lag, wo die Mündung der Nannaykreek sich befand.