Auf einer Sandbank kletterten wir über Tausende von abgeschälten Bäumen, die uns den Weg versperrten, und marschirten nach Süden. Es herrschte eine glühende Hitze, desshalb stellte sich bald der Durst ein, der nicht gelöscht werden konnte, weil unser Wasser schon ausgetrunken war. Alle Baumblätter waren in Folge der lange anhaltenden Trockenzeit wie mit einem Reifen von Salz überzogen, und das Stromwasser war so salzig, wie das des todten Meeres. Den noch übrigen Genever theilte ich löffelweise aus, um den Mund befeuchten zu können.

Abends 5 Uhr kamen wir an das Ende der Sandbank und mussten nun wieder unsere Reise im Schlamme fortsetzen. Aber die aufsteigende Fluth trieb uns bald wieder in den Wald zurück, wo wir genöthigt waren, unser Nachtlager aufzuschlagen.

Muthlos und beinahe ausser Stand, ein Wort zu sprechen, durchliefen wir den Wald nach einem Tröpfchen Wasser, bis die anbrechende Dunkelheit uns am weitern Suchen hinderte. Mit einem Löffel schöpfte ich aus allen Krabbenlöchern, aber das Wasser in denselben war ungeniessbar, und das wenige, welches wir in einem hohlen Baume gefunden hatten, erregte augenblicklich heftiges Erbrechen und Durchfall. Um uns vor den Mosquittos zu schützen, machten wir vier Feuer an, in deren Mitte wir unsern Schlafplatz anlegten. An's Essen dachte Niemand.

Ich erinnerte mich, früher gelesen zu haben, dass man in Holland am Rande der See Cisternen graben kann, die ein gutes trinkbares Wasser geben, wenn sie tiefer, als die niederste Ebbe, und höher, als die höchste Fluth angelegt sind.

Obgleich ich nun voraussah, dass, wenn man diess hier anwenden wollte, man 15-18' tief graben müsse, so wollte ich doch das unmöglich Scheinende wagen, wenn wir gleich mit keinen Werkzeugen versehen waren. Auf die Hilfe der Soldaten durfte ich hiebei nicht rechnen, da sie es lächerlich fanden, sich für nichts zu plagen. Ich schnitt nun mit meinem Messer alle Wurzeln in einem Kreise von etwa 3' Durchmesser aus dem Boden, wühlte die Erde heraus, was nicht besonders schwer ging und traf auf eine Lage lehmartigen, harten Schlammes, der etwa 3' tief war und schnell sich herausschaffen liess. Jetzt fand ich Sand, und bei einer Tiefe von etwa 5' quoll mir Wasser entgegen, das süss und trinkbar war. Da die Soldaten den Erfolg meiner Mühe sahen, halfen sie mir nun auch. Der Sand wurde in Mützen herausgeschafft, wobei sich die oben Befindlichen auf den Bauch legen mussten, um ihn aus meinen Händen zu nehmen. Ich stieg nun aus meinem Loche, liess das Wasser sich sammeln und die Unreinigkeiten sich setzen. Hierauf reinigte ich mich selbst im Strome, und erquickte mich sodann mit den Uebrigen am Wasser unserer Quelle. Diess war freilich nicht so gut, wie das Regenwasser, aber sehr klar und trinkbar. Hiezu zogen wir noch den übrigen Vorrath von Bananen und Speck hervor und speisten nach Herzenslust.

Die hell brennenden Feuer und ein günstiger Seewind trieben die Mosquittos von uns weg, und wir schliefen, unbekümmert um den Rest des Weges, den wir den folgenden Tag noch zurückzulegen hatten, als gegen Mitternacht ein Trupp Brüllaffen auf den Bäumen über uns ein höllisches Geschrei anhuben und wir erschrocken aus dem Schlafe fuhren. Wir fachten nun die beinahe erloschenen Feuer wieder an, deren Schein diese unwillkommenen Ruhestörer in eilige Flucht trieb.

Des Morgens, nachdem wir statt des Kaffees uns mit Wasser erfrischt, und auch unsere Feldflaschen damit gefüllt hatten, verliessen wir mit schwerem Herzen unser Lager und marschirten durch Dick und Dünn weiter. Eine Sandritze, die einige Schritte längs des Ufers hin sich erstreckte, erleichterte uns Anfangs den Marsch, obgleich wir uns bei jedem Schritte durch Lianen und stachlichte Palmen winden mussten. Ich fand hier eine grosse Schildkröte, die ich mit dem Säbel aufhieb, um wenigstens das Fleisch im Brodsack mitnehmen zu können, da sie zum Tragen zu schwer war. Der Wald wurde immer dichter, und die Fluth erlaubte uns nicht, längs des Strandes zu marschiren. Jeder Schritt, den wir durch diese Wildniss machten, kostete vorher fünf Minuten Arbeit mit dem Säbel.

Wir waren auf drei Seiten von Lianen umgeben, die von der Dicke eines Bindfadens, bis zu der eines Ankertaus sich vorfanden, alle Gesträuche und Bäume umstrickten, und auf der vierten rollten die Wellen der Fluth durch die Wurzeln des Gesträuches, sodass wir von Zeit zu Zeit von dem schmutzigen Wasser über und über bespritzt wurden. Wir machten, so unglaublich diess auch scheint, wohl einige 100 Schritte auf den Zweigen und Luftwurzeln der Bäume, ohne den Boden zu berühren, ja manchmal waren wir 15' über ihm, und es kostete uns keine kleine Mühe, das Gewehr nachzuziehen.

In die Länge auf diese Affenart zu reisen, war unmöglich; wir beschlossen desshalb, die Ebbe abzuwarten, und dann entweder zurückzukehren, oder weiter zu reisen, wenn der Strand nicht aus zu weichem Schlamme bestände. Wir blieben so in den Zweigen sitzen und erblickten glücklicherweise bald ein Boot, das den Correntin aufwärts fuhr.

Ein Hemd, das ehemals weiss gewesen war, wurde an einen Stock gebunden und mit diesem geweht, auch waren wir so glücklich, unsern, mit Schlamm bedeckten Gewehren zwei Schüsse zu entlocken, worauf die Mannschaft des Bootes, die aus vier, nach der Nannaykreek bestimmten Indianern bestand, uns bemerkte und aufnahm. Kaum sassen wir im Boote, so wusch ein gewaltiger Platzregen, der erste nach vielen Monaten, uns allen Schlamm vom Leib.