Die zwei weggelaufenen Neger hatten beinahe den gleichen Weg, wie wir, nach dem Correntin eingeschlagen, und, nachdem sie den Strand erreicht hatten, eines unserer kreuzenden Boote angerufen, in der Meinung, es sey ein englisches von der gegenüberliegenden Pflanzung.
Man nahm sie auch willig ein, und sie konnten bald ihren Irrthum wahrnehmen, weil man auf ihre Bitte, sie nach dem jenseitigen Ufer zu führen, dem Posten Nickerie zusteuerte.
In der Nannaykreek trafen wir nun das unserer harrende Detachement.
Eine volle Schüssel warmer Bananen und das Fleisch der Schildkröte wurde in Gemeinschaft verzehrt, und des Abends fuhren wir in drei Stunden nach dem Posten zurück, während uns diese Entfernung einen dreitägigen, höchst schwierigen Marsch gekostet hatte.
Wenige Tage nach meiner Zurückkunft von dieser ermüdenden Expedition fuhr ich mit der Wasserpont, welche während der Trockenzeit alle acht oder zehn Tage nach dem obern Nickerie fuhr, um süsses Flusswasser für das Detachement zu holen. Das Fahrzeug war ohne Dach und hatte etwa 30 Fässer geladen, die oberhalb der Mündung der Maratacca, wenn die Zeit der Ebbe beinahe vorüber, somit das Wasser am reinsten war, gefüllt wurden.
Wir waren am Abend des dritten Tages auf der Heimreise begriffen und nahe bei der Pflanzung Krabbahoek, als die Neger mich auf eine grosse Schlange aufmerksam machten, die im Schlamme am Ufer lag. Ich sah anfangs nichts, als einen mit Schlamm und angeschwemmtem Laube bedeckten, unförmlichen Haufen, und erst, als der Steuermann mit der Ruderstange hineinstiess, konnte man die gefleckte Haut des Thieres unterscheiden. Ein Stoss, wie der mit dem Ruder geführte, hätte einem Menschen sicher alle Rippen im Leibe gebrochen; das Ungethüm schien ihn aber nicht gefühlt zu haben. Ich war desswegen der Meinung, es sey todt und von der Fluth angeschwemmt, und wollte es in das Fahrzeug ziehen. Die Neger aber versicherten mich, dass das Thier weder krank noch todt wäre, und ein Schuss nach ihm mich schon von seiner Activität überzeugen würde. Desshalb schoss ich mit leichtem Hagel auf Gerathewohl in den Klumpen, worauf sich der Kopf aus der Mitte des verschlungenen Körpers hob und auf eine andere Seite legte. Jetzt fuhren wir so nahe als möglich an's Ufer, und ich schoss in einer Entfernung von kaum drei Schritten abermals. Mit einer Schnelligkeit, die man einem so trägen Thiere nicht zutrauen sollte, schoss jetzt die Schlange wohl 12' in die Höhe, um mit offenem Rachen auf mich hereinzustürzen.
Dieser Angriff kam mir so unerwartet, dass ich über Hals und Kopf in's Fahrzeug fiel, während der Steuermann, ein baumstarker Neger, das wüthende Thier mit der Ruderstange anfiel, das endlich in seiner blinden Wuth sich um diese schlang und in das eisenharte Holz biss.
Ich hatte mich unterdessen wieder von meinem Schrecken erholt und mein Gewehr zum drittenmal geladen. Den Lauf desselben setzte ich jetzt der Schlange auf den Kopf, die nun auch auf den Schuss sogleich todt war.
Wir zogen sie nun mit vereinten Kräften ins Fahrzeug, wo ich ihr auf dringendes Bitten der Neger den Kopf und Schwanz abhieb. Des Morgens schleppten wir sie an's Land und an die Kaserne, wozu sechs Mann nöthig waren; denn sie mass ohne Kopf und Schwanz 26' und hatte die Dicke eines mässigen Mannsleibes. Ich war der Meinung, dass ihre Trägheit Folge eines tüchtigen Frasses sey, in welcher mich die unverhältnissmässige Dicke des Körpers bestärkte. Wie erstaunt waren wir daher, als man den Magen ganz leer fand, jedoch 78 Blasen von der Grösse eines Gänseeies herausholte, deren jedes eine 1½' lange Schlange enthielt, und die alle wie ein Paternoster aneinandergereiht, in einem Darm sich befanden. Sie war sonst sehr mager; denn das ausgebratene Fett betrug blos zwei Pinten. Um die Haut abziehen zu können, zogen wir sie mit vieler Mühe an dem Balken der Kaserne hinauf, der etwa 20' über dem Boden war. Einer kletterte dann, so »à la Stedman« an der Schlange empor, um das Fell abzulösen. Vom Fleische nahm ich einige Stücke, die als Beefsteaks und Ragout behandelt wurden. Hiezu fanden sich aber wenig Liebhaber, wiewohl das Fleisch weiss und wohlschmeckend war. Den Rest warfen wir auf die Sandbank, wo mit aufsteigender Fluth die Haifische ihr Gaudium daran hatten. Die Haut hatte ich an der Aussenseite der Kaserne aufgenagelt; sie schrumpfte aber so zusammen, dass sie zu nichts mehr brauchbar war.
Der Militärdienst des Postens war ziemlich strenge und ermüdender, als der in Paramaribo. Besonders litten wir Korporale darunter, da wir nur zwei, höchstens drei Nächte frei hatten, und auf der Wache, besonders wenn der Wind weniger stark wehte, und die Mosquittos freies Spiel hatten, keinen Augenblick schlafen konnten.