Die Wachstube glich an Schwärze einem Schornstein; denn nur durch Rauch konnte man das höllische Ungeziefer verjagen. Auf Spaziergängen war man beständig in Wolken dieser lästigen Insekten eingehüllt, und stille zu stehen war gar nicht möglich.

Auf dem Posten war eine kleine Kirche, an welcher ein protestantischer Missionär angestellt war, der den Negern das Wort Gottes an's Herz zu legen hatte. Auch wir Soldaten mussten manchmal die Kirche besuchen, und jeden Sonntag hatte der Korporal der Wache den Befehl des Landdrostes zu überbringen, welcher bestimmte, ob Predigt für die Soldaten seyn sollte, oder nicht. Es war meistens keine für uns abzuhalten; dem guten Pfarrer fiel jedesmal ein Stein vom Herzen, wenn der Korporal die Nachricht brachte, und ein guter Schnaps war jedesmal die Belohnung des Ueberbringers dieser Nachricht. Wenn Kirche war, so studirte sich der gute Mann halbtodt, um uns mit lehrreichen Geschichten zu unterhalten. Kaiser Nero und andere stockblinde Heiden spielten desshalb in seinen Vorträgen immer grosse Rollen, und die ungezogene Gemeinde lachte zuweilen überlaut.

In den ersten Monaten des Jahrs 1839 kam an die Stelle des wachhabenden Schooners eine kleine Kriegsbrigg, und in das einförmige Leben der Bewohner auf Nickerie kam dadurch einige Abwechslung.

Die Seeofficiere besuchten häufig den Posten und die Pflanzungen, und man hörte von Bällen und Soirées.

Ich hatte längst gewünscht, die Dörfer der Indianer an der obern Maratacca besuchen zu können, und bekam durch die Güte meines Kommandanten, der beim Gouvernement um seine Entlassung als Landdrost gebeten und diese auch erhalten hatte, die Erlaubniss dazu. Da er die Reise zur Stadt durch das Innere machte, so benützte ich diese Gelegenheit, mit ihm bis an den indianischen Posten an der Maratacca zu fahren.

Wir verliessen den Posten zu Ende Mai's unter einem heftigen Regenguss, und kamen mit anbrechendem Tage bei den Indianern an.

Der Kommandant setzte seine Reise weiter fort, und ich miethete einige Indianer, die mich nach den höherliegenden Dörfern bringen sollten. François, der Posthalter wollte mich selbst dahin begleiten, und wir fuhren gegen Mittag auf einer kleinen Corjaal in die Maratacca. In Folge heftigen Regens war der Wasserstand ungemein hoch, und nur wenige Fluth begünstigte uns.

Wir hatten sechs kräftige Indianer, die unter immerwährenden Scherzen aus Leibeskräften ruderten. Es war ein trüber, regnerischer Abend, und wir Alle waren froh, als wir den Werkplatz einiger Zimmerneger, die hier Bretter sägten, erreicht hatten.

In der Hütte dieser Leute hingen wir unsere Hängematten auf und schliefen einige Stunden, bis der Mond aufgegangen war. Der Regen hatte aufgehört und der Himmel war mit Sternen bedeckt. Todesstille herrschte um uns her, und nur Laubfrösche quackten in verschiedenen Melodieen auf den Bäumen.

Um einen grossen Umweg, den die Maratacca bildet, abzuschneiden, fuhren die Indianer durch eine, höchstens 4' breite Oeffnung, die mir am hellen Tage entgangen seyn würde, in einen kleinen Kanal. Da manchmal Bäume über ihn gefallen waren, so musste man sich oft platt in die Corjaal legen, um den Kopf nicht anzustossen.